Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949534
Gliedmaßen. 
der 
Skelet 
177 
Die Antike hat in ihren edelsten Darstellungen weiblicher Schönheit diese Aus- 
dehnung des Unterkörpers beträchtlich gemäßigt; am meisten bei der Vuenus von 
Milo, offenbar um den sinnlichen Eindruck abzuschwächen, den das Überwiegen 
dieser Partie auf den Beschauer hervorbringt. Doch hat die Antike auch nicht ver- 
schmäht, die Rundung dieser Partien zum Gegenstand der Plastik zu machen. In 
der Venus Kallipygos hat sie sogar die von Fett stark gefüllten Hinterbacken, 
die bei gesunden Personen schön gerundet sind, durch den Meisel verewigt. Das 
Fettpolster kann bei Frauen in dieser Gegend bekanntlich selbst unter normalen Ver- 
hältnissen eine enorme Ausdehnung erreichen (Hottentottevzvenzos). Niemals erreicht 
bei dem körperlich Wohlgebildeten Manne das Gesäß eine mit dem weiblichen Ge- 
schlecht übereinstimmende Fülle. Bei dem Mann ist wegen der nur in mäßiger 
Tiefe liegenden starken Muskeln das Gesäß derb und prall anzufühlen, unfaltbar, 
und die Hauptmassen der Muskeln sind durch die Haut hindurch zu erkennen, sobald 
sich die Beine fest aufstellen. Die Afterfurche ist bei dem Menschengeschlecht bis auf 
einen schmalen Spalt geschlossen, und der After dadurch vollkommen verdeckt; bei 
kräftigen, männlichen Gestalten ist die Furche stets behaart (Herkules melampygos), 
bei siechen und ausgemergelten Individuen dagegen klaffend, wie bei den Tieren: 
„Hiatque turpis inter aridas nates 
Podex, velut crudae bovis."  
Der größere Umfang des weiblichen kleinen Beckens wird durch die größere Breite 
des Kreuzbeins und durch die größere Ausdehnung der übrigen Abschnitte, nament- 
lich auch der horizontalen Schambeinäste, bedingt. Die Pfannen und die Sitzknorren 
stehen somit bei dem Weibe mehr auseinander, und der Schoßbogen wird offener 
und weiter sein müssen, als beim männlichen Geschlechte. Infolge der größeren Weite 
stehen auch die Gelenkpfannen weiter auseinander als bei dem Manne, womit eine 
größere Konvergenz der Oberschenkelknochen gegen das Knie hin ver- 
bunden ist. 
Der 
Oberschenkelknochen 
An diesem längsten Knochen des Körpers ist das starke Mittelstück 
der ganzen Länge nach etwas nach vorn gekrümmt und von vorn be- 
trachtet cylindrisch, hinten jedoch besitzt es eine rauhe Linie (F ig. 94 
Nr. 1), die doppelt ist und zur Befestigung. starker Muskeln dient; nach 
oben und unten weicht die Linie auseinander und ihre divergierenden 
Schenkel (Fig. '94 Nr. 7 u. 9) begrenzen rauhe Bllachen. An der oberen 
rauben Fläche heftet sich u. a. der große Geslaßmuskel fest; die untere, 
muldenförrnig vertieft, und von starken Gefäßlöchern durchsetzt, bildet 
die knöcherne Wand der Kniekehle.  
Die mächtig entwickelten Enden des Schenkelknochens übertreffen 
das Mittelstück bedeutend an Dicke. Das obere Ende tragt den kugligen 
Kopf, der in die Pfanne des Hüftbeins eingelenkt ist. Er sitzt nicht wie 
derjenige des Oberarmknochens direkt auf dem Schaftende, sondern ist 
mittels eines verschmalerten Ansatzstüokes, Schenkelhals genannt, in 
einem stumpfen Winkel zur Achse des Beines angesetzt. Der Hals ent- 
wickelt sich aus zwei mächtigen Knochenhöckern heraus, die zum An- 
satz von Muskeln dienen, welche das ganze Bein in der Pfanne auswärts 
und einwärts drehen können. Aus diesem Grunde heißen diese Knochen- 
"Konnmnnn, Plastische Anatomie. II. Autl. 12 
        

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