Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949432
der 
Skelet 
Gliedmaßen. 
167 
Händen kann jedoch die Abnahme des Fettes soweit gehen, daß man 
durch die Spalten zwischen den aneinanderliegenden Fingern hindurchsehen 
kann, eine haßliche Form, die im Mittelalter oft gemalt wurde.  Alle 
Fingergelenke besitzen Gelenkkapseln nebst zwei Bändern, welche aus 
den seitlichen Grübchen der oberen Phalangen entspringen und am Seiten- 
rande der nächstfolgenden endigen. Der Gelenkkopf der Phalangen be- 
steht aus einem querliegenden Cylinder, der durch eine sattelförmige 
Vertiefung eingeschnitten ist (Fig. 83 Nr. 18). Die entsprechende, cylin- 
drisch gehöhlte Pfanne weist zwei leichte Vertiefungen auf, welche durch 
eine stumpfe Leiste getrennt werden (Fig. 83 Nr. 19). Durch das Inein- 
andergreifen der Leiste auf der Pfanne und des Einschnittes an dem 
Gelenkcylinder wird die Gangart des Gelenkes wesentlich gesichert. Die 
bei der Beugung der Finger hervortretenden scharfen Ecken, die Knöchel, 
lassen vom Rücken her die ebenbeschriebene Gestalt der Gelenkhöcker 
teilweise wieder erkennen, trotz der Bedeckung durch Haut, Kapsel und 
Fingersehne. An dem Knöchel des ersten und zweiten Gliedes ist die 
sattelförmige Vertiefung des querliegenden Gelenkcylinders stets erkennbar, 
von den zwei seitlichen Höckern des Cylinders überragt; der nach der" 
Kleinüngerseite zu gelegene Höcker ist bei dem Zeige- und Mittelfinger 
etwas höher, bei dem vierten und fünften gleich. Bei dem Daumen ist 
der Höcker der Daumenseite etwas- höher. 
An der Hohlhandseite der Finger ist die Fettlage unter der Haut so dick, daß 
nur die, durch die Beugung hervorgebrachten Falten die Stelle des Gelenkes anzeigen. 
In welcher Weise dies geschieht, wurde schon oben Seite 55 und ff. dargelegt, und 
ist in der Figur 89 wieder ersichtlich.  Die Finger strecken sich in der Regel nur 
bis zu jenem Grade, der ihnen das Aussehen gerader Finger giebt. Bisweilen 
strecken sie sich auch stärker, und zwar findet dann eine Überstreckung des 
Nagelgliedes statt, welches dabei in die Dorsalflexion übergeht; der Finger er- 
scheint dann in dem letzten Gelenk nach oben leicht eingeknickt und die Spitze 
des Nagelgliedes geht in die Höhe, ungefähr bis zu jenem Grade von Überstreckung, 
der bei jedem Menschen dann erreicht wird, wenn das Nagelglied von unten her in 
die Höhe gedrückt wird. Der Barockstil hat die nach oben gekrümmten Fingerenden 
an seinen Nachbildungen zur Regel erhoben.- 
Allgemeine 
Bemerkungen. 
Von Fehlern, die von einer unvollkommenen Beschaffenheit der 
Knochen herrühren, sei zunächst der Überstreckung gedacht, wobei 
der Unterarm mit dem Oberarm einen nach rückwärts, d. h. nach der 
Streckseite offenen Winkel bildet. Solche Überstreckung ist unschön. 
An Kindern und jungen, zarten Mädchen ist sie schon gelegentlich dar- 
gestellt worden und kann dann vielleicht die Biegsamkeit des jugend- 
lichen Körpers andeuten.  An dem Handgelenk soll bei dem weiblichen 
Arm der Querdurchmesser zurücktreten, d. h. der Vorderarm soll nicht
        

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