Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949237
der 
Skelet 
Gliedmaßen. 
147 
Gelenke ausgeführt, und zwar von der gestreckten Lage ausgehend bis 
zu dem Punkt, wo die Muskulatur des Oberarms an diejenige des Vorder- 
arms gepreßt wird, wobei die Haut und das Fett seitlich ausweichen. 
Die Beugung wird schließlich sowohl durch die Spannung der hinteren Kapsel- 
wand und durch die Muskeln in der Ellbeuge, als auch durch das Eingreifen des 
Kronenfortsatzes (Fig. 77 Nr. 5) in die vordere Grube des Oberarmknochens (Fig. 77 
Nr. 4) gehemmt. Bei forcierter Beugung kann dabei der Druck auf die in der Ell- 
beuge verlaufenden Arterie so gesteigert werden, daß das Gefäß vollständig verschlossen 
und der Kreislauf des Blutes in der Hand unterbrochen wird. Die Kenntnis dieser 
Erscheinung kann bisweilen wertvoll werden bei starken Blutungen, denn durch eine 
forcierte Beugung läßt sich für kurze Zeit der Blutverlust aus Wunden der Hand 
unterdrücken oder wenigstens in hohem Grade abschwächen. 
Bei der Streckung greift der Ellbogen mit seinem zugeschärften 
Rande in die hintere Grube des Oberarms (Fig. 70 Nr. 24), und der Ell- 
bogen würde sie bei forcierten Streckungen durchstoßen, wenn nicht auch 
hier die Spannung der vorderen Kapselwand und diejenige der bedecken- 
_den Muskeln hemmend entgegenwirkten. Die Grade der Streckung sind 
verschieden. Bei ruhig herabhangendem Arm besteht noch kein voll- 
kommener Grad, obwohl wir den Arm gemeinhin als gestreckt bezeichnen. 
Von dieser Haltung aus ist noch immer eine kleine Bewegung innerhalb 
des Gelenkes möglich; erst der vollkommen gestreckte Arm ist gerade. 
Bei manchem Menschen ist eine "Überstreckung" möglich, wobei die 
Achse des Ober- und Unterarxns nach hinten umknickt. Die Überstreckung 
ist ein Fehler, der im Knochenbau begründet ist. Ein geringer Grad ist 
bei Kindern und jungen, zarten Mädchen erträglich, fällt aber bei Männern 
unangenehm auf. Wahrscheinlich ist dazu die Anwesenheit eines Loches 
an der tiefsten Stelle der vorderen und hinteren Grube notwendig, das 
bisweilen vorkommt. 
Zur Vervollständigung der Kenntnisse über das Innere der Gelenke 
tragen Durchschnitte in verschiedenen Richtungen wesentlich bei. Einen 
Schnitt, senkrecht durch die Mitte des Ellbogengelenkes, zeigt die Fig. 80, 
in welcher die Knochen sammt der Kapsel so dargestellt sind, wie sie 
sich während der Beugung zu einander verhalten. Die Elle umfaßt mit 
ihrem halbmondförmigen Anschnitt die Rolle des Oberarms (Fig. 80 Nr.6), 
welche an dieser Stelle einen fast vollständigen Kreis darstellt, denn in 
der vorderen und ebenso in der_hinteren Grube ist der Knochen unge- 
mein dünn, oft nur von Papierdicke. Die hintere Grube wird bei der 
Beugung, wie in dem vorliegenden Falle frei, denn der Ellbogen ist auf 
der Rolle mehr nach vorn gerückt und der Kronenfortsatz hat sich der 
vorderen Grube (Fig. 80 Nr. 9) genähert. Die vordere Kapselwand ist in 
eine Falte gelegt, die hintere beginnt sich zu spannen. Die beiden mit 
Nr. 9 u. 9' bezeichneten Gruben sind am Lebenden nicht leer, wie manche 
der vorhergehenden Figuren vermuten lassen, sondern mit Fettpolstern 
versehen, welche den Raum ausfüllen, der durch die Stellungsanderungen 
10""
        

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