Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949187
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Fünfter Abschnitt. 
Umstand hat eine bedeutende Hebung der Schulter zur Folge. Das Akromion und 
das daran befestigte Schlüsselbein erheben sich gleichfalls bedeutend und die 
äußere Halsgrube vertieft sich. Geschieht diese Bewegung mit größerer An- 
strengung, so tritt gleichzeitig eine Krümmung der Halswirbelsäule ein, Kopf und 
Schulter werden sich genähert, wir stecken den Kopf zwischen die Schultern. 
Diesen letzteren Umstand muß man wohl im Auge haben, damit das Heben der 
Schulter nicht überschätzt werde. Überläßt man dabei die Arme sich selbst, so 
werden sie von der Rumpfwandung weggezogen. Die größte Hebung der Schulter 
von der normalen Lage des Schlüsselbeines aus erreicht beim Gesunden 10 cm. Beim 
Vorwärtsbewegen der Schulterblätter hebt sich das Akromion umden Durchmesser 
des Oberarmkopfes in die Höhe. 
Bei dem Rückwärtsbewegen der Arme wird der untere Winkel des Schulter- 
blattes von der Rückeniläche des Körpers weggedrängt, während die Pfannengegend 
des Schulterblattes durch die Muskeln angedriiekt ist. Das Abstehen des unteren 
WVinkels rührt vou der cylindrischen Form des Brustkorbes und von dem stärkeren 
Anpressen der Pfannengcgexid 11er. 
Bisher wurde bei diesen Bewegungen das Schlüsselbein nicht berücksichtigt. 
Es ist aber klar, daß sobald sich die Stellung des Schulterblattes ändert, auch diejenige 
des Schlüsselbeines eine andere werden muß. Am auffallendsten ist dies bei hoch 
erhobenem Arm. Das Schlüsselbein erhebt sich dabei steil, wie bei dem Zucken der 
Achseln, wodurch gleichzeitig die seitliche Halsgrube tief wird. Streekt sich der Arm 
wie zum Schutz nach vorn, so folgt mit der Schulter auch das äußere Ende des 
Schlüsselbeines; zieht der Arm hinter sich eine Last nach, so geht auch die Richtung 
des Schlüsselbeines mehr nach hinten, es dreht sich gleichzeitig, so daß seine vordere 
Kante mehr nach unten ragt. Bei der Rüekwärtsbewegung der Schulterblätter weicht 
das Schlüsselbein mehr unter das Niveau der Haut zurück, die seitliche Halsgrube 
verschwindet, dagegen wird das Brust-Schlüsselbeingelenk mit allen Einzelheiten 
durch die Haut hindurch erkennbar. Nicht allein die Gelenkspalte, auch die Gelenk- 
ränder des Brustbeines und jene des Schlüsselbeines kommen deutlich zum Vor- 
schein, sofern nicht eine zu starke Fettsehicht in dem Unterhautgetvebe die Er- 
scheinung der einzelnen Teile verhüllt, wie dies bei den vollen Formen der Frauen 
als Regel auftritt. 
Die Knoehenverbindung des Armes mit dem Brustbein durch das Schlüsselbein 
hat den Vorteil, daß gelegentlich der Arm als kräftige Stütze für den Rumpf dienen 
kann, während für gewöhnlich der Rumpf dem Arm zur Stütze dient. Wenn wir 
beim Stehen eine Stuhllehne ergreifen oder uns beim Gehen auf einen Stock stützen, 
dann trägt der sich stemmende Arm zu einem nicht geringen Teil durch das 
Schlüsselbein den Oberkörper. Durch den gegen den Boden gestemmten Stock wird 
unser Arm thatsächlich zu einem dritten Bein, welches den Oberkörper oben an der 
Achsel tragen hilft und dadurch den beiden Beinen, die ihn am Becken tragen. ihre 
Arbeit und Last erleichtert. Dasselbe ist der Fall, wenn der auf dem Boden 
Sitzende den Oberkörper durch den seitlich von der Mittellinie entfernten Arm 
unterstützt. Eine nur aus Muskeln bestehende Verbindung hätte Stützen und 
Stemmen zum größten Teil unmöglich gemacht. Ein Bruch des Schlüsselbeines ist 
der deutlichste Beweis hierfür. Bei all diesen Thätigkeiten wird die Schulter höher 
gestellt, und dadurch sowohl die Stellung des Schlüsselbeines als des Schulterblattes 
geändert. Siehe den sterbenden Fechter. 
Über die Bewegungen des Schultergürtels siehe Nieren, H., die Statik und 
Mechanik des menschlichen Knochengerüstes. Leipzig 1873. Bnnnnn und Frscnnn, 
Über den Anteil, den die einzelnen Gelenke des Schultergürtels an der Beweglich- 
keit des menschlichen Humerus haben. Abhandlungen der Königl. sächsischen Ge- 
. 
        

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