Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949032
Knochen 
Stammes. 
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brechen. Um bei solchen Anstrengungen dem Ausweichen der Rippen nach hinten 
vorzubeugen, sind die zehn oberen Rippen durch die Rippenhöcker gegen die 
Querfortsätze der Brustwirbel so gestellt, daß sie sich wie an einem Widerlager an- 
stemmen. 
Wie die Füllung der Brust mit Luft von wesentlichem Einfluß auf 
die Bewegung der Arme ist, so hängt jene hinwiederum ab von der 
Stellung der Arme. Aufheben der Arme wölbt die Brust, ebenso wie 
das Zurückziehen der Schulter bei gerader Haltung. Ziehen sich näm- 
lich die breiten Rückenmuskeln so zusammen, daß sich die Schulter- 
blätter nähern, so tritt in demselben Augenblick die Brust heraus und 
der Unterleib sinkt ein. Die in ihrer Stellung festgehaltenen Schulter- 
blätter und Arme ziehen die zehn oberen Rippen samt dem Brustbein in 
die Höhe, der Raum in dem Thorax erweitert sich allseitig, und ein Teil 
der Baucheingeweide findet unter dem erweiterten Raume Platz, wodurch 
die Rundung des Unterleibes sich naturgemäß verringert. Dasselbe ist 
der Fall bei dem Hochheben der Arme. Christus am Kreuze, ebenso 
wie die beiden Schächer sind meistens mit hoher Brust und flachem, 
etwas eingesunkenem Unterleib dargestellt worden.  Mit dem Herab- 
sinken der Arme tritt auch die Brust in ihre Ausgangsstellung zurück. 
Die Größe des Thorax an sich besitzt schon eine bestimmte 
physiognomische Bedeutung, von der oben bereits vorübergehend die 
Rede war. Nachdem gezeigt worden ist, daß der Brustkorb unter dem 
Einfluß der Respiration bedeutender Bewegung fähig ist, und daß damit 
auch Bewegungen an dem Unterleib verbunden sind, ist es am Platz, 
darauf hinzuweisen, daß die Haltung des Rumpfes u. a. von der Tiefe 
der Atemzüge abhängt, und daß sich damit die ganze Erscheinung des 
menschlichen Wesens ändert. Die in die Brust geworfene Haltung impo- 
niert uns als der Ausdruck willkürlicher Kraftanspannung; die gekrümmte 
Wirbelsäule, bei der die Brust einsinkt, macht dagegen den Eindruck 
nachlässiger Schlaffheit. Und zwar mit Recht, denn zu ersterer Haltung 
gehört eine Anstrengung der Muskeln. Die Wirbelsäule knickt bei Schlaff- 
heit von selbst durch die Last der Eingeweide, der Brust und des Bauches 
vornüber, was durch Anspannung der langen Streckmuskeln wieder auf- 
gehoben werden kann. 
Es ist uns allen anerzogen, sich "gerade zu halten", d. h. die Brust 
herauszustirecken, den Unterleib und den Hals mit dem Kopf zurück- 
halten. In höherem Grade noch wird diese ordonnanzmäßige Positur 
auf dem Wege des Exerzierreglements verbreitet, ist aber nicht bloß 
schön, sie hat auch bestimmte Vorteile für die Gesundheit; denn der 
Raum für die Lungen wird bei der gestreckten Wirbelsäule durch die 
damit verbundene Wölbung der Brust größer; die Lungen sind mehr 
mit Luft gefüllt und können freier atmen, als bei der nachlässigen Hal- 
tung, die den Brustkorb zusammendrückt. Mit diesen beiden verschiedenen
        

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