Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1949013
Knochen 
Stammes. 
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rüeksichtigt man lediglich die Mechanik, so wird klar, daß beide Arme 
ihren Stützpunkt an dem Brustkorb besitzen und sich gegen die ver- 
derbenbringende Last ansternmen, die hier als Muskelkraft des Ungetüms 
auil den Brustkorb drückt. Denkt man sich von der Mitte der rechten 
Hand eine Linie nach dem Stützpunkt des Körpers (Mitte des Sitzes), so 
hat man die Richtung, in welcher der Druck von dem rechten Arm aus 
auf die rechte Brusthalfte wirkt. Die ideale Mittellinie des Druckkegels 
von dem linken Arm aus ist gegen einen Punkt gerichtet, der zwischen 
Brustbeinkörper und dem entsprechenden Rückenwirbel liegt. Die Brust 
des 'mit dem Tode ringenden Laokoon ist wie zwischen eine Schraube 
geklemmt, welche sich mit unerbittlicher Stetigkeit zusammenschnürt. 
Noch ist die Brust hoch gefüllt mit Luft, noch hält sie Widerstand, noch 
ist der Atem festgehalten  allein schon ist der Mund geöffnet, die Natur 
des Menschen fordert das Ausatmen, und damit muß in dem nächsten 
Augenblick der Thorax zusammensinken. Die Muskeln des Oberarmes 
verlieren dadurch ihre Stützpunkte, sie werden in den Gelenken zu- 
sammengeknickt, und das Drama eilt damit schnell seinem Abschluß ent- 
gegen, den das Auseinanderweichen der Lippen schon einleitet. 
Während Laokoon ein vortreffliches Beispiel ist, nicht allein dafür, 
wie die Brust und die Luft in ihr mittragen und mitheben, sondern auch 
dafür, wann sie es thun, d. h. nur im Zustand der höchsten Füllung der 
Lungen, wobei der Thorax weit ausgedehnt, der Unterleib aber einge- 
sunken ist, wird andererseits der Borghesische Fechter ein ebenso 
lehrreiches Exempel dafür, daß schon die Vorbereitung für das Über- 
winden einer Last oder der Entschluß zu einer kraftvollen That dieselben 
Ansprüche an den Mechanismus der Respiration stellen. Wenn der Fechter 
mit dem rechten Arm bereit sein mußte, den verderbenbringenden Stoß 
zu führen, während der linke Arm mit dem Schild die drohende Gefahr 
abzuhalten hatte, so erheischten die Schnelligkeit wie die Kraft, daß die 
Ursprungspunkte für die sämtlichen Schulter- und Brustmuskeln unnach- 
giebig festgestellt waren, damit der Befehl zur Zusammenziehung irgend 
einer Muskelgruppe sofort auf den Angriffspunkt übertragen wurde. Es 
muß der Thorax durch Füllung mit Luft gleichsam hart gemacht sein, 
damit nicht die Rippen verschoben und dadurch die Kraft vergeudet 
werden könne, sondern die Brust  unnachgiebig wie eine Säule  
nur eine Verschiebung des Armes gestatte. Aus diesem Grunde ist bei 
(13111 Fechter während der höchsten Anspannung der Kraft und der 
Energie auch die Brust hoch gehoben, der Unterleib aus dem schon 
oben erwähnten Grunde eingesunken. Weil dieser Zustand, wie alle 
Menschen aus eigener Erfahrung wissen, nur ganz kurze Zeit wahren 
kann, da der Organismus schon nach wenigen Sekunden eine neue In- 
spiration, also eine vorhergehende Entleerung der Lungen fordert, so 
tritt, wenn auch nur vorübergehend, eine Abnahme der Kraft mit
        

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