Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948997
Knochen 
des 
Stammes. 
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Furche zwischen ihnen wird also tiefer. Die Krümmung der Wirbel- 
säule im Hals und im Lendenteil wird stärker, herbeigeführt durch die 
kräftige Zusammenziehung der Rückenstrecker, deren Bäuche sich als 
rundliche Stränge zu beiden Seiten der Lendenwirbelsäule markieren. 
Bei dieser Stellungsanderung der Schulterblätter hilft der Trapezmuskel 
ebenfalls mit, und je kräftiger sein Bau, um so bedeutender ist seine 
Wölbung im Bereich des Rückens, und um so mehr treten einzelne 
seiner Muskellinien hervor. 
Die Formveränderungen des Thorax bestehen 4) in einer Ver- 
engerung in allen Durchmessern bei der Ausatmung. Im normalen 
Zustande kehrt dabei der Brustkorb in die Ausgangsstellung zurück und 
nimmt jene Form an, welche er an dem ruhenden Menschen besitzt. 
Eine besondere Beschreibung dieser Rückkehr zu der Ausgangsstellung 
ist unnötig. 
Nach tiefer Einatmung wird der mit Luft gefüllte Thorax wider- 
standsfähig gegen äußeren Druck. Die in den Lungen enthaltene Luft 
ist, sobald die Stimmritze im Kehlkopf geschlossen wird, in das Innere 
des Brustraums festgebannt. Sie ist ferner nicht trocken, sondern mit 
Wasserdampf gesättigt. Das alles macht schon den mit Luft gefüllten 
Brustkorb widerstandsfähig. Dazu kommt noch, daß die Rippen, das 
Brustbein, die Wirbelsäule und die Verbindung dieser Teile unter sich, 
ferner das zwischen den Muskelwänden in den verschiedensten Rich- 
tungen hindurchziehende feuchte Gewebe den Widerstand erheblich 
vermehren. Nach einer tiefen Einatmung ist eine Kompression der 
Wände unter natürlichen Umständen ausgeschlossen, so lange der 
Atem angehalten wird. Ein solcher, wenn auch nur vorübergehender 
Zustand erhöhter Festigkeit des Thorax ist unerläßlich für eine größere 
Kraftanstrengung. Deshalb holt man tiefen Atem, sobald irgend eine 
Last fortbewegt werden soll; dies ist eine so unerläßliche Notwendigkeit, 
daß sie mit unserem ganzen Wesen auf das innigste zusammenhängt. 
Wir machen auch dann eine tiefe Einatmung, sobald wir einen für uns 
wichtigen Entschluß fassen, der schwer ausführbar scheint. Eine tiefe 
Inspiration tritt ferner als Mitbewegung auf, wenn wir der vermehrten 
Anstrengung eines Menschen zusehen, der eine Last mit dem Aufwand 
aller seiner Kraft hebt, besonders dann, wenn wir glauben, die Kraft 
könnte nicht vollkommen ausreichen. Ja, wir schließen sogar die Stimm- 
ritze und halten den Atem in der gefüllten Brust zurück, gerade so, als 
ob wir selbst in dem Fall wären, die Last fortbewegen zu müssen. Es 
giebt in dem gewöhnlichen Leben unzählige Gelegenheit, die Mechanik 
dieses Vorganges an sich selbst zu beobachten, und die Kunst hat schon 
wiederholt den körperlichen Zustand tiefer Einatmung in seinen ein- 
zelnen Phasen dargestellt. Ist z. B. eine mit Ring versehene schwere" 
Kugel mit dem rechten Arm in die Höhe zu heben, so erfolgt vor dem
        

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