Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948873
Knochen 
Stammes. 
111 
sich auf das Hiift-, Kniegelenk und die Fußhöhe. Während z. B. morgens beim Er- 
wachen im Liegen eine Körper-lange von 185 cm besteht, beträgt dieselbe abends vor 
dem Schlafengehen im Stehen nur 181, sinkt selbst auf 180 cm, von dem Scheitel 
bis zur Sohle gemessen. Bei dem Aufstehen aus der horizontalen Lage nimmt die 
Länge sogleich um 2 cm ab, während der Rest die allmähliche Abnahme im Laufe 
des Tages darstellt (MERKEL, Handbuch der topographischen Anatomie, Braunschweig). 
Diese plötzliche Abnahme der Körpergröße beim Aufstehen aus der horizontalen Lage 
und umgekehrt die Zunahme beim Niederlegen hat mit den Zwischenwirbelbändern 
gar nichts zu thun, sondern kommt lediglich auf Rechnung der Gelenkverbindungen 
der unteren Extremität. Ich betone diese Thatsache bezüglich der Proportionslehre 
und der Exaktheit der Angaben über die Länge des Rumpfes und der Glieder. Die 
Zunahme der Körperlänge bei dem Liegen erklärt die schon oft beobachtete Zunahme 
der Länge bei Leichen. 
Bewegungen 
der 
Wirbelsäule. 
Die elastischen Polster und die Bander erlauben, in Verbindung mit 
den Gelenken folgende Bewegungsarten: 
1) Drehung der Säule; 
2) Seitwärtsbewegung oder Rumpfbeuge seitwärts, rechts und links; 
3) V0r- und Rückwärtsbeugen oder Rumpfbeuge vorwärts und 
Rumpfstrecke. (Durch eine geschickte Überführung der drei Bewegungs- 
formen ineinander kann auch "Rumpfkreisen", wie es in der Turnsprache 
genannt wird, ausgeführt werden.) 
Diese verschiedenen Bewegungen sind auf die ganze Länge der 
Wirbelsäule verteilt. Eine zu starke Krümmungsfahigkeit an einer 
einzigen Stelle hätte das in dem Wirbel beündliche Rückenmark der 
Gefahr eines Druckes ausgesetzt. Bei der Beurteilung der Bewegungs- 
größe der Wirbelsäule muß jedoch berücksichtigt werden, daß _bei ihr 
die Bewegungen zwischen Kopf und Atlas, ferner diejenigen zwischen 
dem Atlas und dem Drehwirbel nach altem Herkommen nicht berück- 
sichtigt werden, daß es sich also streng genommen nur um den Betrag 
zwischen dem dritten Hals- und dem letzten Lendenwirbel handelt. Die 
Abschätzung der wirklichen Bewegungsgröße innerhalb der einzelnen 
Wirbelabschnitte ist eine sehr schwere Aufgabe, welche sich mit voller 
Exaktheit nur an der Leiche ausführen laßt; denn bei dem Lebenden 
ist weder die Bewegung des Kopfes vollständig auszuschließen, noch jene 
der Hüft- und Sprunggelenke. Alle Bewegungen zusammengenommen 
erlauben eine Drehung des freistehenden Körpers um volle 180". Frei- 
lich gehört hierzu einige Ubung, dann aber ist die Drehung mit über- 
raschender Präzision ausführbar, wie die Clowns zeigen, welche unter Bei- 
behaltung der Frontstellung der Beine mit einem Ruck den Körper um 
seine Achse so drehen, daß das Gesicht direkt nach hinten gewendet ist. 
Die Torsion in dem Drehwirbelgelenk zwischen dem Atlas und dem 
zweiten Halswirbel ergab in einem Fall hierfür ca. 58", die Drehung im 
Becken 730, die der Wirbelsäule 470. Wenn in dem folgenden von der
        

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