Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1948841
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Vierter 
Abschnitt. 
hinten, der Lendenteil. wieder nach vorn, das Kreuzbein mit dem Steiß- 
bein nach hinten (vergl. die Linie Sch Fig. 52). Am Übergang des 
Lendenteils in das Kreuzbein ist ein am fünften Lendenwirbel besonders 
hervorragender Punkt, den man Vorgebirge (Promontorium) nennt. Die 
Krümmungen der Wirbelsäule entwickeln sich erst deutlich mit dem 
Vermögen des Kindes aufrecht zu stehen; bei Neugeborenen sind sie noch 
wenig sichtbar. Im höheren Alter verliert die Wirbelsäule ihre eleganten 
Krümmungen, denn die elastischen Zwischenwirbelscheiben werden spröde. 
Am frühesten zeigt sich diese Sprödigkeit an dem Brustabschnitt. Die 
starke Krümmung des Rückens bleibt bei Leuten, welche sich beim 
Arbeiten anhaltend über ihren Gegenstand beugen, auch während der 
Ruhe; _bei Greisen, deren Rücken in eine einzige Bogenkrümmung über- 
geht, fällt der Senkrücken, als Zeichen der Gebrechlichkeit, deutlich in 
die Augen; der Kopf sinkt alsdann gegen die Brust, und der Blick ist 
zur Erde gerichtet. 
Die Wirbelsäule durfte bei der aufrechten Stellung des Menschen 
nicht vollkommen geradlinig geformt sein. Die nach bestimmten Regeln 
angebrachten Krümmungen schwachen den Stoß, der wie beim Sprung 
von unten auf wirkt, bedeutend ab, weil er größtenteils innerhalb der 
Krümmungen durch die Steigerung derselben verloren geht. Die nach 
hinten konvexen Krümmungen vergrößern beim Menschen überdies den 
Rauminhalt der vor ihnen liegenden Höhlen der Brust und des Beckens. 
Die nach vorn konvexen Krümmungen der Wirbelsäule werden durch die 
Gestalt der Zwischenwirbelscheiben bedingt. 
Die leichte Seitenkrümmung nach rechts, welche namentlich die Brustwirbel 
säule zeigt, und die bei wenigen Menschen fehlt, scheint mit dem verwaltenden Ge- 
brauch des rechten Armes in Verbindung zu stehen. 
Die Wirbelsäule heißt auch Rückgrat (öpma dorsz"). Um den Namen Spina 
zu begründen, darf man nicht an Dorn oder Stachel denken, sondern an die Ein- 
richtung eines römischen Zirkus, der durch eine lange, zwanzig Fuß breite und sechs 
Fuß hohe Mauer, welche sich in der Mittellinie der Rennbahn, etwa über Dreiviertel 
ihrer Länge hinzog, unvollkommen in zwei gleiche Teile geteilt wurde. An den 
beiden Enden dieser Mauer standen die Metae (Grenzsteine), um welche herum die 
Wagen von der einen Hälfte des Zirkus an die andere umlenkten. Diese Mauer hieß 
Spina. Da das Rückgrat den Rücken ebenso in zwei gleiche Teile teilt, wie die Spina 
den Zirkus, ging der Name auch auf das Rückgrat über. 
Die Wirbel nehmen an absoluter Größe bis zum Kreuzbein allmäh- 
lich zu, vom Kreuzbein bis zur Steißbeinslaitze aber schnell ab. Die 
Breite der Wirbelkörper wachst vom zweiten bis zum siebenten Hals- 
wirbel und steigt dann bis zur Basis des Kreuzbeins. Die Höhe der 
einzelnen Wirbel, welche am Hals fast gleich ist, wächst bis zum letzten 
Lendenwirbel ebenfalls. Die größte Entfernung je zweier Dornfortsätze 
kommt am Hals vor wegen ihrer horizontalen Richtung und geringen 
Dicke. Am Brustabschnitt lagern sich die Dornen vom dritten Wirbel an
        

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