Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plastische Anatomie des menschlichen Körpers
Person:
Kollmann, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947221
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1947626
VIII 
Vorwort. 
Sehne deutlich an. Figuren wie auf Seite 188 und 362 erklären sich von 
selbst, auch ohne Text, und würden für sich allein genügen, wenn es sich 
in der Kunst nur um die Wiedergabe der einen ruhigen Stellung handelte. 
Die unendlich wechselvollen Formen werden aber nur verständlich, wenn 
der Zusammenhang der gestaltenden Kräfte erkannt ist und sich das 
Äußere als notwendiges Ergebnis der ineinandergreifenden Teile darstellt. 
Abschnitte über Eingeweide und Nerven wird man vollständig ver- 
missen und selbst von dem Gefäßsystem sind nur einige oberflächliche 
Venengebiete berücksichtigt. Nicht alle dem Anatomen bedeutungsvollen 
Teile des Körpers sind eben auch dem Künstler wichtig. 
Die Beschreibung der Formen muß in der Anatomie an der geraden, 
aufrechten Haltung des Körpers beginnen. Sie ist die Ausgangsstellung 
für jede Bewegung wie für jede Orientierung. Um aber die Erklärung 
der Mechanik und einiger Phasen der Bewegung abwechslungsreich zu 
gestalten, sind in den Text auch bewegte Figuren aufgenommen worden. 
Besonders geeignet sind nach dieser Richtung der borghesische Fechter 
und die Skizzen liIronELANenLds. MICHELANGELO und LEONARDO DA Vnvcr 
sind am tiefsten in das Wesen der Formen eingedrungen, und ihre Zeich- 
nungen sind für die Verwertung in der plastischen Anatomie wie gemacht. 
Um das unvermeidliche Einerlei der anatomischen Beschreibungen 
dem Leser etwas angenehm zu machen, bin ich dem Beispiel eines aus- 
gezeichneten anatomischen Schriftstellers gefolgt, und habe, zwar nur in 
kleiner Dosis, physiologische, historische und sprachliche Zugaben in den 
Text gemischt. Die ersteren gehören streng genommen zur Sache, die 
letzteren sind vielleicht Hilfsmittel, um manche der abenteuerlichen Namen 
im Gedächtnis zu behalten. Ich wenigstens, und mit mir viele, haben 
diese Zuthaten in Hrirrlfs Werken stets mit wahrem Behagen gelesen. 
Jeder Versuchung, die Idee eines Kunstwerkes prüfend zu beurteilen, 
habe ich widerstanden, weil das strenggenommen nicht in das Gebiet der 
Anatomie hineingehört. Diese Zurückhaltung mag wohl manchen über- 
raschen, der unter plastischer Anatomie, statt einer Beschreibung der 
Muskeln und des Skeletes, eine kritische Prüfung von Kunstwerken ver- 
steht, allein ich bin der Meinung, daß Betrachtungen über das innere 
Wesen eines Kunstwerkes in das Gebiet der Archäologie und der Kunst- 
geschichte 
gehören. 
Basel, 
Dezember 
1885. 
Der" 
Verfasser.
        

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