Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klassischer Skulpturenschatz
Person:
Reber, Franz/von Bayersdorfer, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1939123
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1940352
ERLÄUTERUN GEN 
ZU 
N r 
445 
450 
445  
Unbgkanntgr Makler, V. 71111111. 11. Chr. Atlisrhe Kunst. 
Die zlruiinisrlzen Gottheiten. 
Dass die drei Figuren Demeter, Kore und Triptolemos dar- 
stellen, ist sicher, ungewiss aber, welche der beiden Frauen- 
gestalten die Mutter sei. Wahrscheinlich handelt es sich um die 
Scene, in welcher die Göttinen den Knaben beauftragen, die 
Kenntnis des Ackerbaues zu verbreiten. Dabei scheint die 
Gestalt mit dem Scepter (nach Haar und Zügen Kore?) die einst 
in Bronze angesetzten Aehren darzureichen, während die Göttin 
mit der Fackel dem Knaben einen (bronzenen) Kranz aufs 
Haupt gesetzt haben dürfte. Das einst als Weihegeschenk 
in den Tempel gelangte Relief wird zwischen 450 und 440 
entstanden sein, wohl nicht lange vor dem Parthenonfriese, 
und ist seiner Entstehung nach sicher dem phidiasischen 
Kreise angehörig. (Vgl. Furtwängler und Urlichs, Denkmäler. 
1898, S. 36 fg.) 1859 beim Bau eines Schulhauses im alten 
Heiligtum von Eleusis gefunden, jetzt im Nationalmuseum 
zu Athen.  
 Pentelischer Marmor. Wenig mehr als lebensgross. 
 446 
Unbekannter MZZSZKT, H]. yahrlz. v. Chr. Griorhzlrrlze Kunst. 
Die sog. Gruppe mm Eros und Psyche.  
Die landläuüge Bezeichnung der Gruppe, durch spätere 
Wiederholungen des Motivs mit geflügelten Figuren gestützt, 
ist falsch und das Werk jedenfalls als eine der Genregruppen, 
wie sie in der alexandrinischen Epoche beliebt geworden 
waren, zu betrachten. Knabe und Mädchen scheinen mit-  
einander zu schäikern: Der Knabe sucht mit dem Zeigefinger 
der rechten Hand, die zwar neu aber nach den Ansatzspuren 
im Gesicht des Mädchens sicher richtig ergänzt ist, den ge- 
schlossenen Mund des Mädchens zu öffnen, wie um ihre 
Zähnchen zu bewundern oder zu zählen. oder auch um ein 
Wort zu erzwingen. Erotisch zwar bleibt das Ganze aber  
in unbewusster, unschuldiger oder in raffiniert zarter Art. 
Da schon Terrakotten des II. Jahrhunderts v. Chr. die Exiß 
stenz des Werkes voraussetzen lassen, so muss das Original 
(wohl kaum das erhaltene Exemplar) schon in der früheren 
alexandrinischen Epoche entstanden sein. Die auf dem 
Aventin gefundene Gruppe wurde 1749 von Benedict XIV. 
dem kapitolinischen Museum geschenkt.  
Marmor. Lebensgross.  
Statue als Kaiser Konrad III.  1152) zwar der Umstand, 
dass dieser als Gönner des Bamberger Bistums in der Gruft 
unterhalb der Reiterstatue seine Ruhestätte gefunden, wenn 
es auch auffallend ist, dass ein nicht heilig gesprochener 
 Fürst mehr als 100 Jahre nach seinem Tode, nämlich erst 
um 1280 unter Bischof Berthold von Leiningen das Denkmal 
erhalten haben soll. Am Stirnpfeiler des Georgenchors im Dom 
zu Bamberg. (Vgl. A. Weese, Die Bamberger Domskulpturen 
Strassb. 1897, S. 126.) 
Stein. Lebensgross. 
l. 
449 
Lorenzo Gkzöertzl 1378-1455. [Warentinisrlze Kunsl. Die 
T aujä Christi. Bronzrrelief. 
Der Taufbrunnen, zu dessen Schmuck unser Relief gehört, 
wurde 1417 dem Giac. della Quercia in Auftrag gegeben, 
aber in seinen sechs Reliefs mit der Geschichte des Täufers 
erst 1430 unter Mitwirkung mehrerer anderer Künstler voll- 
endet. Die Geburt und die Predigt des Johannes sind von 
Turino di Sano und seinem Sohn Giovanni (1417_I424), 
die Taufe Christi und die Gefangennahme des Täufers von 
Ghiberti (1417-1424), Der Tanz der Salome von Donatello 
(1427), Zacharias aus dem Tempel verwiesen von Giac. della 
Quercia (1430). In der kryptenartigen Taufkirche S. Giovanni 
am Dom von Siena. 
Bronzerelief. 
450 
Andreas Sßklüllßf. 1664-1714. Deutsrlze 161ml. Reiter- 
standbild des Grorren Kurjfiiirrlen. 
Dieses beste Werk seiner Zeit, 1098 im Modell begonnen 
und 1700 durch jacobi gegossen, wurde 1703 auf der Kur- 
fürstenbriicke in Berlin aufgestellt. Die vier wSklavenc an 
den Ecken des Sockels erscheinen vielleicht zu bewegt für 
ein Denkmal der Art, stimmen aber in ihrer barocken Weise 
trefflich zu dem Sockel wie zum Pferde. Auf der Ktirftirsten- 
brücke zu Berlin. 
Bronze mit Marmorsockel. Ueberlebensgross. 
447 
(jnbekannie [Wezß-zer, 111. u IV. 50111141. Allelzristliche Kunst. 
Sarkoplzagßnznlen aus den Katakomben. 
a) Sarkophagstirnseite mit Darstellungen aus der Passion. 
Bekanntlich sind in den Katakomben Darstellungen des neuen 
Testamentes, besonders aber aus der Leidensgeschichte Christi 
an Wandgemälden wie an Sarkophagen selten. In solcher 
Ausschliesslichkeit wie hier die Passionsscenen: Christus vor 
Pilatus, die Dornenkiönung. die Kreuziragung und die Wächter 
am Grab (die Kreuzigung ist durch das Kreuzsymbol ersetzt) 
auftreten, begegnen die Darstellungen der Leidensgeschichte 
in den Katakomben überhaupt nicht wieder. 
b) Die beistehende Vignette giebt den zweiten Sarkophag 
in seiner dermaligen Aufstellung unter einem altchristlichen 
Ciborium oder Kathedra-Baldachin. In der Mitte ist Christus 
Iehrend unter den jüngern dargestellt, zu seinen Füssen die 
Allegorie der Erde. Rechts sieht man in schüchterner Dar- 
stellung Christus vor Pilatus, links das Isakopfer. 
c) An dem dritten Sarkophag sind alt- und neutestament- 
liche Scenen fast untrennbar gemischt: Im oberen Streifen 
die Erweckung des Lazarus und die Vermehrung der Brode, 
das Isakopfer, die Heilung des Blinden, Petri Verleugnung, 
Adam und Eva, der gute Hirt. Im unteren Streifen: Moses 
am Dornbusch, die Heilung der bluttlüssigen Frau, Jonas im 
Meer und in der Laube, Daniel in der Löwengrube, die 
Gefangennehmung Christi. das Wasserwunder des Moses. In 
der Mitte in einer Muschel die Bildnisse der einst im Sarg 
bestatteten Gatten, Sämtliche Sarkophage im lateranischen 
Museum zu Rom.   
448 
Unbekannter Meisier, X171. yüllfll. Deutrrhe Kunsf. Reifer- 
standbild König Sleplzanr der Heiligen von Ungarn. 
Dass unser Reiterbild den ungarischen König (reg. 
997_Io38, kanonisiert 1078) darstellt, ist zwar nicht völlig 
sicher, aber wahrscheinlich. Stephan war durch seine Ge- 
mahlin Gisela der Schwager Kaiser Heinrich II., auch ist 
der Kult des Heiligen in Bamberg bis 1333 hinauf zu ver- 
folgen. Dagegen spricht für die neuere Bezeichnung der 
Klass. Skulffurenselzrliz IV. Band; Er]. III.
        

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