Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klassischer Skulpturenschatz
Person:
Reber, Franz/von Bayersdorfer, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1939123
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1942555
ERLÄUTERUN GEN 
ZU 
541 
541 
Unäekamzler Makler (Kanaclzos von Sikyon 
Endz des V1. 541km. v. Chr. ßronzextatue von Piambina. 
Obwohl -nicht unbestritten, hat dochgldieiAnnahme viel 
für sich, dass unsere Statue mit der Statue des Apollo 
Philesios, welche Kanachos von Sikyon für den Branchiden- 
tempel bei Milet gearbeitet, Zusammenhänge, welcher freilich 
die Bronzestatuette im Britischen Museum (eine moderne 
Kopie davon im Antiquarium zu München) nach den milesischen 
Münzen noch näher stehen. Nach Plinius XXXIV. 75 gab 
das Werk des Kanachos, welches von Darius geraubt, bis 
306 in Ekbatana zurückgehalten wurde, den Gott nackt, auf 
der Fläche der vorgestreckten Rechten einen Hirsch von noch 
nicht völlig aufgeklärtem Mechanismus tragend, nach einer 
autonomen Münze hielt die Linke den Bogen. Unser Werk 
zeigt freilich die Attribute nicht mehr, gehört aber wohl noch 
der vorpersischen Zeit an, Die Augenbrauen, die Lippen 
und die Brustwarzen sind in Kupfer eingelegt, in den heute 
leeren Augenhöhlen waren Augäpfel aus Silber oder Stein 
eingesetzt, Auf dem linken Fuss liest man die Widmung 
des Werkes als Weihgeschenk aus dem Zehnten: Xapiöauoq? 
"Ailowaiai ösmiram ln Piombino gefunden. Louvre in Paris. 
Bronze. Unterlebensgross. 
(was zeitlich unmöglich) und andere wartisti tedeschic (wohl 
comacini) beteiligt sein lässt. Cavalcaselle schreibt die oberen 
Teile der älteren Schule von Pisa, die unteren der jüngeren 
bis Andrea Pisano zu und ist geneigt, dem letzteren auch 
den unteren Streifen des linkseitigen Pfeilers, welchen unsere 
Vignette im Ganzen, unsere Tafel im Detail giebt, zu- 
zueignen, Darnach fiele das in unserer Tafel dargestellte 
Stück erst in die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, da 
Andrea und sein Sohn Nino erst zwischen 1347 und 1349 
in Orvieto beschäftigt waren. An der Domfassade zu Orvieto. 
Marmorrelief. Unterlebensgrosse Figuren. 
 545 
Giommni PZÄWZTZO. 75206711328. Taxkanische Kämst. Die Heim- 
suchung jllariae, die Anbetung der Könige und die Flucht nach 
Aegypiery 
Die Hauptdarstellungen wie die Propheten und adorierenden 
Engel des dritten Pfeilers sind mit mehr Sicherheit dem 
Giovanni zuzuschreiben, als die Reliefs des vorbeschriebenen 
Pfeilers. An der Domfassade zu Orvieto. 
Marmorrelief. Unterlebensgrosse Figuren. 
542 
Leüßkdfeg, Mitte des 1 V. Yalzrlz. v. Chr. Griechische Kunst. 
Der Rauä des Ganymedex. 
Nach der Beschreibung, welche Plinius XXXIV_ 79 dem 
Bronzeoriginal des Leochares widmet, kann kein Zweifel be- 
stehen, dass unsere Marmorgruppe eine Kopie desselben aus 
der Kaiserzeit sei. Der Adler, dessen Kopf und Fittiche er- 
gänzt sind, hebt den nicht widersu-ebenden Knaben, den er 
vorsichtig mit seinen Fängen gefasst, vom Boden empor, 
Ganymed scheint unmittelbar vorher am F uss des Baumes, der 
dem Werke als Stütze dient, die ihm entfallene Syrinx gespielt 
zulhaben, der dabeihockende Hund scheint kläffcnd empor- 
zublicken. Die modernen Ergänzungen sind vielfach un- 
zutreffend, es wird sich jedoch schwerlich entscheiden lassen, 
ob die erhobene linke Hand den Hals des Götterboten um- 
klammerte oder das Gesicht des Knaben beschattele. Durch 
Pius VI. (1775-1799) der Sammlung des Vatikan in Rom 
einverleibt, 
Marmor, Lebensgross. 
546 
Lorenzo di Pzleiro, gen. Vecckielta. 1412-1480. T0:- 
kanzlwlze Kumt. Der außrstanrlene Christus. 
Die schöne Christusfigur, am Plinth mit dem Namen des 
Meisters opus Laurentii Petri Pictoris al. Vechieta ver- 
sehen, kam als Erbschaft des Künstlers oder seines Bruders, 
des Malers Nino di Pietro, in das Spital von S. Maria della 
Scala zu Siena, wo sie sich noch befindet. 
Bronzestatue. Lebensgross. 
543 
AgZZSZIKZS W072 EßÄZSOS. Um 100 v. C711". flellrnislisrläe 
Ifunst. Der sqg. Bmglzesisclze Fedzler. 
Ueber den Gegenstand unserer Statue besteht nicht völlige 
Sicherheit. NVahrscheinlich gehörte die Statue ursprünglich 
zu einer Gruppe, nämlich aus einem Reiter und einem mit 
demselben im Kampf begriffenen Krieger zu Fuss, welcher 
letztere vielleicht von Agasias als eine Einzelstatue behandelt 
ist, wogegen andere (Quatremere de Quincq, O. Rayet) an 
einen siegreichen Hipplitodromos denken, der am Ziel der 
Rennbahn angelangt, triumphierend den Schild mit dem 
linken Arm emporhebt. Vom Schild ist auch der Griff am 
linken Arm erhalten, Der Künstler nennt sich in der In- 
schrift an der Stütze Agasias, des Dositheos Sohn aus Ephesos 
und scheint mit seinem ebenfalls inschriftlich bekannten Zeit- 
genossen Agasias, des Menophilos Sohn, nahe verwandt ge- 
wesen zu sein, seine Kunst aber stand der pergamenischen 
Richtung keineswegs ferne, Die Statue wurde zu Anfang 
des siebzehnten Jahrhunderts zu Capo d'Anzo, dem alten 
Antium gefunden und gelangte aus borghesischem Besitz 1808 
in den Louvre zu Paris. 
Marmor. Lebensgross. 
544 
Giovanni Pzlvano. f nach 1328. Torkarzixolze Kunxt. Die 
Ersclzajäzng de: ersten Mensrhenpaares. 
Die landläufnge Zuteilung des Reliefs an den vier Pfeilern  
der Domfassade von Orvieto an Giovanni Pisano geht auf  
Vasari zurück, der übrigens daran auch den Niccolo Pisano  
Zu Nr. 544. E194 Pfeiler au: der Fassade der Kathedrale zu Orvieta. 
Skulüizerensclzatz Bai.
        

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