Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klassischer Skulpturenschatz
Person:
Reber, Franz/von Bayersdorfer, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1935003
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1935863
ERLÄUTERUNGEN 
ZU Nr. 295-300: 
298 
Gzbvanni della 130662214. 1469-1527. 
Die Geburt Clzrixti. T zrranollzzrclizf 
295" 
295 
Unbekannlew MZZSZIZT. U11 1000 v. Clzr. Grierlzisclze Kunst. 
Dar Gieäelrcliej" der Lözventlzors von jllykerzä. 
Unser Relief, welches das Entlastungsdreieck über dem 
Thorsturz nach aussen abschliesst, ist jedenfalls mit dem 
Mauertrakt des angrenzenden Befestigungsteiles der Burg von 
Mykenä einer Entstehungszeit. Es stellt ein religiöses Schutz- 
stück des Thors dar, auf welchem der Königsitz in der 
antiken Weise der pars pro toto durch eine Säule dargestellt 
ist, vielleicht als die Firststütze der Megaronhalle zu erklären. 
Bemerkenswert ist die Gestalt der Säule, welche nach unten 
verjüngt, von einer Art von protodorischem Kapitäl mit 
Plinthe bekrönt erscheint (vgl. F. Reber, Ueber das Ver- 
hältnis des mykenischen zum dorischen Baustil. München 1896, 
S. II fg.) Dass es sich bei den zwei sich an der Säule 
erhebenden Tieren um Löwen handelt, ist trotz des jetzigen 
Fehlens der einst nach vorn schauenden Köpfe durch die 
Erklärung des Zoologen W. Peters gesichert. (Friederichs- 
Wolters, Gipsabgüsse antiker Bildwerke in historischer Folge. 
Berlin 1885, Nr. I.) Es darf dabei als zweifellos gelten, 
dass das Motiv der Löwengruppe, das auf dem Grabdenkmal 
von Arslantasch ganz ähnlich erscheint (F. Reber, Die phry- 
gischen Felsendenkmäler. München 1397, Taf.  auf orien- 
talischen, durch Phönikien vermittelten Einfluss zurückgeht. 
Die Entstehungszeit ist nicht näher zu präcisieren, doch fällt 
sie später als jene der von Schliemann entdeckten Gruben- 
gräber innerhalb des Thores Mykenä. 
Graugelblicher Kalkstein. Ueberlebensgrosse Tiere. 
Flarentinisclze lfuml. 
Das vorliegende Terracottawerk, gewöhnlich dem Andrea 
della Robbia zugeschrieben, dürfte dem Giovanni della Robbia 
zugeteilt werden, mit dessen Darstellungen desselben Gegen- 
standes in der Kapuzinerkirehe zu Barga, in der Kirche degli 
Angeli der Verna, in S. Lorenzo zu Bibbiena (Casentino) und 
im Bargello zu Florenz (1521) es nach Komposition und 
Stil übereinstimmt, die genannten Werke freilich zumeist 
künstlerisch überragend. Entsianden 1510-1527. (Vgl. M. 
Reymond, Les della Robbia, Florence 1897, S. 242 fg.)  
In der Pinakothek zu Citta di Castello. 
Terracotta, bunt glasiert. Unterlebensgross. 
296 
Unßefäayznier M 62.5157, Ende des 1. fahr-lt. w. Chr. Ifönzisrlzß 
Kimst. Marßzzorrlalue de: Augustus. 
Die Statue, nach dem Fundort Primaporta beigenannt, giebt 
den Kaiser nach gewöhnlicher Auffassung der gepanzerten 
Imperatorstatuen in der Pose der Ansprache an das Heer, in der 
Linken das fälschlich statt der Lanze restaurierte Scepter haltend, 
 die Rechte, wahrscheinlich mit dem Arm modern, erhoben. Die 
schönen Panzerreliefs stellen oben den bärtigen Himmelsgott, 
darunter den Sonnengott auf der Quadriga dar, beiderseits davon 
die geflügelten Gestalten des Morgentaus und der Morgen- 
röte. Am unteren Rande des Panzers sieht man die liegende 
Erde mit Füllhorn, Tympanon und Mohnkopf nebst zwei 
Kindern, den Symbolen des von der Erde genährten Menschen- 
geschlechtes. Die Gruppe in der Mitte zeigt einen Orientalen, 
der einem römischen Feldherrn einen Legionsadler übergiebt 
(Bezug auf die 20 v. Chr. erfolgte Rückgabe der römischen 
Feldzeichen, welche 53 v. Chr. Crassus in der Partherschlacht 
bei Karrhae verloren). Hinter dem Parther sitzt die Personi- 
fikation eines besiegten Volkes (nach den Attributen der 
Trompete mit Drachenkopf und dem Feldzeichen mit dem 
Eberkopf, vielleicht Gallia oder Aquitania mit Bezug auf den 
Sieg von Narbonne, 27 v. Chr.), während die sitzende Figur 
gegenüber vielleicht die Hispania (auf die Wiederunterwerfung 
der Celtiberer, 2x. v. Chr. deutend) darstellt, Unter diesen 
Figuren sieht man Apoll auf einem Greif und Diana 
auf einem Hirsch.  Der Amor auf dem Delphin, links 
zu Füssen der Statue, deutet auf die Abstammung der Julier. 
 Einst polychrom. Gefunden in der Villa ad gallinas der 
Kaiserin Livia, an der Via Flaminia. Vatikan, Rom. 
Carrarischer Marmor. Lebensgross. 
299 
Mzklgael P4151167 1'1498. Duulsrhe lfzzmt. flulzsrlznitzalfar. 
Unser Flügelaltar stellt in der Mitte die Geburt Christi, 
an den Flügeln in Flachrelief die hh. Katharina und Barbara, 
in der Predella die Beweinung Christi dar. Die Zuteilung 
des Werkes an M. Pacher ist schon aus dem Grunde zweifel- 
haft, weil Meister Michael urkundlich nur als Maler erscheint. 
Doch erscheint der Zusammenhang des Werkes mit der Werk- 
statt des Meisters wenigstens wahrscheinlich, vielleicht in der 
Art, dass die plastische Ausführung Michaels Brüdern, Fried- 
rich und Hans oblag, an welche auch Bode (Geschichte der 
deutschen Plastik. Berlin 1887, S. x99) bei den Flügel- 
altären der Franziskanerkirche zu Bozen (datiert I 500) wie bei 
unserem denkt. Das Triplychon stammt wahrscheinlich aus 
der Umgegend von Bozen und aus dem Anfang des 16. Jahr- 
hunderts. Nationalmusetim zu München. 
Holzschnitzwerk. Unterlebensgrosse Figuren. 
300 
Gregorzb Hemanafez (Femandez). 1566-1636 Spani- 
Jrlzc Kzmxt. Die Timfr Clzrzlvti. Holzslezzzlülzzr. 
Die 'l'aufe Christi ist hier nur mit den zwei Figuren des 
knienden Christus und des die Muschel über das Haupt des 
Erlösers ausgiessenden Johannes gegeben. In den Wolken 
erscheint Gott Vater und die Taube unter vielen Seraph- 
köpfchen. VVRhTSChClDllCh vormals in der Kirche der un- 
beschuhten Karmeliten zu Las Huelgas. Museum in Valladolid. 
Ilolzschnitzwerk. Lebensgross. 
297 
Unbekannter Mister. X111. 74111-12. Deutselze 12mm. 5111,1- 
staium des hl. Petrus, des Adanz und der Eva. 
An die Stelle des 1012 geweihten, 1081 durch Brand 
zerstörten Dombaues Kaiser Heinrichs ll. war seit Anfang 
des I2. Jahrhunderts ein Wiederaufbau getreten, welcher 
1185 abermals ein Raub der Flammen wurde. Erst der 
dritte Aufbau, von Bischof Otto 11., Grafen von Meran 
(l 177-1 169) gegründet unter Bischof Berthold (1256-1285) 
in der Hauptsache zum Abschluss gelangt, ist der noch 
bestehende. ln der letzteren Zeit dürften unsere Statuen ent- 
standen sein, welche, und zwar in der Gewandstatue mehr 
als in den nackten Figuren der Stainmeltern, Einflüsse der 
gotischen Kunst Frankreichs kaum verkennen lassen. Die 
Gestalten Adams und Evas sind nicht ohne Naturstudium, 
jedoch noch von einer einseitigen Befangenheit, welche nicht 
einmal der Verschiedenheit des weiblichen Knochengerüstes 
von dem männlichen Rechnung trägt. (Vgl. A. Weese, Die 
Bamberger Dom-Skulpturen. Strassb. 1897, S. 111 fg.) Am 
Südportal (Adamspforte) des Doms zu Bamberg. 
Sandstein. Lebensgrosse Figuren. 
 Die 50g. Adamspforle des Doms zu Ba1rzbz1g. 
Skulßiurensrkalz III. Band;
        

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