Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klassischer Skulpturenschatz
Person:
Reber, Franz/von Bayersdorfer, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1926766
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1928322
ERLÄUTERUNGEN 
ZU 
37 
Unöekannter Mezsier der f. Hiilfie des V 7mm 
kundeyrly I), Chr, Hellenirclzc lYzmst. Kulfscmen.  
Marmorrelicfr. 
Eine Frau, eng in den auch über das Haupt gezogenen 
Mantel gehüllt, sitzt auf zerknülltem Kissen, in der Linken 
ein Weilirauchgcfäss (ncerra) haltend und mit der Rechten 
WVeiliraiichkörncr auf das vor ihr stehende "Fhyrniaterion 
 streiicnd. Das andere Relief, in Anordnung und Grösse dem 
ersteren entsprechend, zeigt ein bis auf eine Haube völlig 
nacktes, das rechte Bein gemächlich über das linke schlagen- 
des Mädchen, iiu Begriff, zur Opferhandluug die Doppelflöte 
zu blasen. Die beiden Reliefs behuden sich an den Aussen- 
seiten der Seitenlehnen einer aus einem Block gearbeiteten 
Marmorbank, welche X886 ohne den unteren Teil und oben 
verstümmelt in der Villa Ludovisi gefunden wurde. (Vergl. W. 
Helbig, Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer 
Altertümer Roms lI. N0. 886 und Nachträge.) Bis zu den 
letzten jahren im Museo Boncampagni in Roin. 
     
38 
Derseläe Mezktwc  Marmarrelief. 
Ein Mädchen im Aermelchiton das Haupt mit dem Diadem 
geschmückt, entsteigt einer Vertiefung, unterstützt von beider- 
seits erhöht stehenden Frauengestalten im gegürteten Chiton, 
welche es unter den Arm fassen und ein Tuch vor dessen 
Schoss halten. Die Scene ist sicher mytholovisch ob aber 
Kora, im Frühling der Unterwelt eutsteigend Tlfld iion Diene- 
rinnen der Demeter unterstützt, oder 0b eine aus dem Boden 
hervorbrechende Quelle, nebst Quellnymphen, oder endlich 
ob das Auftauchen Aphrodites aus dem Meere (Anadyomene) 
dargestellt sein soll, ist schwer zu entscheiden. Welcher Art 
der Vorgang sein mag  wir neigen uns der ersteren Deutung 
zu  gewiss stehen die in Tafel 37 gegebenen Kult-Reliefs 
der Seitenlehncn mit unserer Darstellung, welche auf der 
Aussenseite der Rücklehne der lilarrnorbank angebracht ist, 
im Zusaminenliange. Die Kunst gemahnt an diendem Attiker 
Kalamis zugeschriebenen Eigenschaften und lasst auf die 
Schule dieses Meisters schliessen. VOrIHQlS 1111 MIISEQ B011- 
cainpagni in Rom. 
    
39  
CLA US SL UR f14o4jj. Niedn"ländisch-ßuvgundisrlze 
Schule. Steinßgur des Moses. D D t n 
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 mit dem individu- 
  ellen vollbartigen 
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     "  x Linken ein Spruch- 
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  4  f litifä", 1? jetzt  kaum mehr 
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  3..  Nr"   2, Immolabit agnum 
 .56,    fäiqgt '33 multitudo filiorum 
 2,793]  i     Israel ad vesperam 
 653V  e "I,   3,  (Exod. c. I2. v. 6). 
 [Q  K  w; j    Eine von den sechs 
   e "   e;  f   Pro hetentiguren 
        des psog. Moses-, 
52-137"  2214""  wir",    einst Propheten- 
 jzfi"    .343];   ' brunnens des ehe- 
i.     maligen Kloster- 
1 5,4, hofs der Karthause 
     "     Äi von Chainpmol bei 
 "A    Dijon. Das Denk- 
mal, dessen der- 
CL. SLUTER. Derjllasesbrunnen van Dünn. maligg Gestalt die 
beistehende Vignette giebt. bildete einst den Mittelpfeiler 
eines Bassins und trug auf den Scheitel einen Cruciftxtls mit 
Maria, Johannes und Magdalena. Die Nachrichten über die 
Ausführung reichen von 1395 bis 1404. Als Stifter erscheint 
Philipp der Kühne von Burgund nebst Gemahlin Margaretha, 
als Künstler Claus Sluter nebst Neffen Claus de Werve 
("f 1439). Wie das Ganze polychrom behandelt war, so 
zeigte auch die Mosestigur noch die Reste von Rot am 
Unterkleid und von Vergoldung am blau gefütterten Mantel. 
(Vergl. L. Courajaud u. Frantz-hlarcoit. Catal. du Musee de 
Sculpture comparee. XIVE et XV" Siecles. Paris 1892 p. 78.) 
Irrenanstalt bei Dijon. 
Stein, lebensgross. 
40 
Donatello (Donato dz [Vzccolö dz Betlo Bardz) 
1386-1466. Florentinisehe Srhule. Branzereliejf mit der 
[Kreuzigung Christi. 
In der Mitte auf einem Felsblock erhebt sich das Kreuz 
Christi zwischen jenen der beiden Schächer. Zu Füssen des 
ersteren stehen schmerzversunken Maria und Johannes, hinter 
welchen eine der h. Frauen sich klagend niederbeugt, während 
eine andere links am Boden kauert. Ringsum römische 
Krieger in lebhaftem Anteil. Von der linksseitigen Kanzel 
in S, Lorenzo in Florenz, mit dem rechts angrenzenden Relief 
der Beweinung Christi (vgl. Nr. 29) die Nordseite füllend. (Vergl. 
M. Semrau, Donatellos Kanzeln in  Lorenzo. Breslau 1891.) 
Bronze, 0,89 m hoch, 1,27 m breit. 
4.1 
Plerre de  Nißderlrinrlirehfrcznzäsisehe Srhzlle, nach- 
weisbar zwischen 1424-1429. Büste von der marmornen 
Grabßgur der [rabella van Bayern. 
Isabella von Bayern, Tochter des Herzogs Stephan Il. 
von Bayern-Ingolstadt, geb. 1369, vermählt mit Karl VI. von 
Frankreich 1385, gest. 1435, trägt über dem Matronen-Kinn- 
tuch den Witwenschleier und auf diesem die Krone. Das 
königliche Doppelgrabmal wurde nach dem Tode Karl VI. 
(1422) i. J. 1424 begonnen und 1429 in der Johanneskapelle 
von S. Denis aufgestellt. 1793 in das Museum der Petits. 
Augustins übergeführt, kamen die beiden Grabtiguren 1816 
getrennt nach S. Denis zurück. Die Künstlerfamilie der 
de Thury ist zu Ende des 14. Jhrh. in Arras und Valenciennes 
nachweisbar. (Vgl. L. Courajaud und Frantz-Marcou a. d. 
b, Nr. 39 a. O. p. 109 fg). 
Marmor, 0,60 m hoch. 
41 
Andreas Schluter, 16154-1714. 0111111111 5211111. 51121,. 
nzasken sterbender lfrieger. 
Die zwei Masken eines toten und eines in Todesschrecken 
erstarrten Kriegers gehören zu den 22 Stücken gleichen In. 
halts, mit welchen Schlüter um 1700 den 1694 von Joh Arn. 
Nering begonnenen Zeughausbau zu Berlin schmückte. Die 
auf Schilden ruhenden Masken sind an den Schlusssteinen 
der Bogenfenster des Hofes angebracht. Die prächtigen, flotten 
Thonskizzcn von einigen dieser Masken sind noch erhalte" 
und in der Berliner Akademie der Künste verwahrt. 
Steinreliefs, überlebensgross. 
ä Zur Azafberuahruzzg der einzelnen Blätter der  
 Klassischen Sleulpiurenschatzes  
 empfehlen wir  
 SAMMELKASTEM  
ä zur Aufnahme von ungefähr 150 Blättern eingerichtet, zum  
ä Preise von 2 Mark.  
 VERLAGSANSTALT F. BRUCKMAACIV A-G.  
 IN MÜNCHEN.  
Skulpturenxclzatz I. Band;
        

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