Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klassischer Skulpturenschatz
Person:
Reber, Franz/von Bayersdorfer, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1926766
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1928044
ERLÄUTERUNGEN 
ZU 
25 
Grieclzzlvcker Mezster. Mitte m 4. 9mm. v. 01W. Kunst 
der Skoparsrlzen Kreis-ex. Marmorreligf nzit Amazonmleaznpf 
Die Tafel giebt zwei kämpfende Paare, wobei an dem 
linksseitigen der Ausgang des Kampfes in der Schwebe, an 
dem rechtsseitigen das Unterliegen der Amazone zweifellos 
ist. Die jetzt fehlenden Waffen sind unschwer zu ergänzen: 
das zu Stoss und Hieb gezückte Schwert der Griechen, wie 
die mit beiden Händen geschwungene Doppelaxt der links- 
seitigen Amazone. Die Tafel gehörte zu einem Relieffriese 
am Maussoleum von Halikarnass. Einzelne der von Newton ge- 
fundenen Bruchstücke zeigen, dass der Fries polychrom war, 
wodurch auch die Einfügung der Waffen etc. in Metall ermög- 
licht wurde. Durch Plinius  N. XXXVI. 30) erfahren wir, 
dass die plastische Ausstattung des Monumentes von Skopas, 
Leochares, Bryaxis und Timotheos ausgeführt war, und zwar 
nicht bloss zu Lebzeiten des Königs Maussolus  um 353) 
und seiner einige jahre später verstorbenen Gemahlin Artemisia, 
sondern auch noch um einige Zeit später. Ist auch die Aus- 
Scheidung der einzelnen Künstleranteile (vgl. H. Brunn, 
Studien über den Amazonenfries des Maussoleums, S. B. d. 
k. b. Akad. d. W. 1882. 11., S. 113 ff.) kaum möglich, so ist 
doch für das ganze Werk die Werkstatt und Schule des Skopas 
sicher. Das im Imjahrhundert noch grösstenteils erhaltene 
Denkmal wurde erst durch ein Erdbeben, dann nach 1402 
von den Johannitern, welche das Material zum Kastell von 
Budrun benutzten, zerstört. Die in diesem eingemauerten 
Reliefs kamen 1846, durch die Ausgrabung von 1856 ver- 
mehrt, in das britische Museum. (Vgl. Ch. Newton, A history 
of discoveries at Halicarnassus, Cnidus and Branchidae.) 
Parischer Marmor. 0,82 m hoch, 1,31 m breit. 
26 
Grzgglzzgpkgr Mezgieyq 3. yaln-h. 2'. Chr. Hellenislisrlze 
Kunst. Zilarrzzorxtatue der Komädiendiclzters Paseidzippos. 
Der Dargestellte, durch die antike Inschrift auf der Plinthe 
als der Komödiendichter Poseidippos (aus Kassandrea in 
Macedonien, thätig um 265 v. Chr.), gesichert, erscheint In 
bequemer Stellung, im Hören einer Rezitation begriffen, auf 
einem Sessel sitzend, die Linke leicht erhoben _und eine 
Rolle in der Rechten haltend. (Vergl. W.Helb1g, Führer 
I. 199.  Brunn-Bruckmann, Denkmäler griech. u._röm. 
Skulpturen, Tafel 494.) Gegenstück zu dem angeblichen 
Menander (vgl. SkulpL-Sch. Tafel I) gleichen Fundorts und 
gleicher Grösse wie Aufstellung. 
27 
Andrea Pzkano, 7'- 1345. Flarentiner Schule. Marmorreliefv 
mit Darstellungen der Reilkunst und des Webms. 
Ein Jüngling sitzt auf einem gezäumten aber sattel- und 
bügellosen Pferde, eine sanfte Anhöhe hinangaloppierend. Er 
hält in der Linken den Zügel und erhebt antreibend die 
Rechte. Rechts ein Baum, rauher Mörtelgrund. Wie dies 
Relief die Erfindung der Reitkunst darstellen soll, so das 
nebenstehende die Erfindung der Webekunst. Ein Mädchen 
sitzt hinter dem Webstuhl, das Webeschiffchen in der er- 
hobenen Rechten. Rechts dabei steht eine Frau, in lehrender 
Geberde auf den Webstuhl weisend. Rauher Mörtelgrund. 
Weitere Stücke der unter N0. 9 (SkulpL-Sch. Heft 2) be- 
sprochenen, die Erfindungen und Anfange der Kultur dar- 
stellenden Reliefs am Campanile des Doms von Florenz. 
28 
Unbekannter Meister, 1;. 92mm. n. C211. Franzälrirclze 
Schule. Steinxtatue der h. Martha. 
Die h. Martha, dargestellt mit dem gehenkelten Weih- 
wasserbecken und dem hier fragmentiert erhaltenen Spreng- 
wedel wird gewöhnlich mit der Schwester der Maria Magda- 
lena und des Lazarus, bekannt als die Wirtin Christi in 
Bethanien und durch die von ihr erbetene Auferweckung 
ihres Bruders, identifiziert. Diese ist auch der französischen 
Kunst besonders geläufig infolge des legendarischen Umstandes, 
dass sie zwischen Avignon und Arles den Rest ihres Lebens 
verbrachte. Allein jene Martha, welche nach der Legende 
einen bösen Dämon mit Weihwasser vertrieb, ist vielmehr 
die Mutter des Simeon Stylites, 1- 551. Die Statue stammt 
nicht aus der Entstehungszeit der Kirche S. Urbain selbst, 
welche schon I26x-I264 durch Papst Urban IV., der die 
Schusterwerkstätte seines Vaters durch eine Kirche ersetzt 
sehen wollte, erbaut worden war, sondern ist beträchtlich 
späterer Entstehung. Kirche S. Urbain in Troyes. 
Sandstein. Ueberlebensgrosse Statue. 
29 
Donatello (Donato de [Vzkcolb dz" Belto Bardz). 
1386-1466. Flarentinirche Schule. Bronzerelief mit der 
Beuzeinung de: Leichnam: Christi. 
In der Mitte der Tafel am Fuss der noch am mittleren 
Kreuze lehnenden Leiter sitzt Maria mit dem Leichnam 
Christi im Schosse. Rechts von ihr sieht man den greisen 
Nikodemus, der die Leiche an den Knieen umfasst, und beider- 
seits vier Frauen in leidenschaftlicher Klage. Im Mittel- 
grund hängen noch die beiden Schächer an ihren Kreuzen, 
während der Hintergrund nackte Reiter in Flachrelief zeigt. 
Darüber ein Pnttenfries. Die Tafel gehört zu der linksseitigen 
der beiden Kanzeln, welche Donatello, wie es scheint in seiner 
letzten Periode, für S. Lorenzo in Florenz schuf. Es scheint 
jedoch, dass diese ursprünglich als mit dem Lettner in Ver- 
bindung stehend gedacht waren, und dass das Doppelwerk 
durch eine Planänderung im Chor für längere Zeit der Auf- 
stellung verlustig ging. In der That kam erst 1558 die links- 
seitige Kanzel (Evangelienseite) und X565 die rechtsseitige 
zur Aufrichtung, wobei die Vorderseiten derselben nicht mehr 
nach dem Haupteingang, sondern sich gegenseitig zugekehrt 
wurden. (Vgl. M. Seinrau, Donatellos Kanzeln in  Lorenzo. 
Breslau 189i.) 
Relief der linksseitigen (südlichen) Bronzekanzel von 
S. Lorenzo in Florenz, mit dem links angrenzenden Relief 
der Kreuzigung die Nordseite füllend. 0,89m hoch, 1,27 m breit. 
30 
Michelangelo Buonarotti. 1475-1564. Flarentinisclze 
Kunst. Marmorstatue eine: Sklaven oder Gefangenen. 
Die nackte Gestalt, mit einem Bande um die Brust an 
einem hinterhalb zu denkenden Pfeiler befestigt, ist in ge- 
lähmter Widerstandskraft oder sterbend aufgefasst. Dieser 
bessere der zwei erhaltenen ausgeführten Sklaven, zu welchen 
noch die vier lediglich aus dem Ruhen gearbeiteten Figuren 
in einer Grotte des Giardino Boboli zu Florenz zu rechnen 
sind, gehört zu den zwölf "Sklaven", welche nach dem 
zweiten Entwurf zum Grabmal des Papstes Iulius II. von 
I5I2[l3 die zwölf Pfeiler des Unterbaues zwischen den Sieger- 
gruppen der sechs Nischen schmücken sollten. Bekanntlich 
wurde I 516 ein dritter Vertrag stipuliert, wonach das Grab- 
mal nur mehr die halbe Tiefe und im Unterbau statt der 
früheren 24 Figuren nur mehr I2, im Oberbau statt der 
I6 Kolossalstatuen nur mehr 8 erhalten sollte. Nach der 
durch die Aufträge des Fagadenbaus von S. Lorenzo der 
Mediceergräber u. s. W. veranlassten abermaligen Behinderung 
kam die Sache erst 1532 wieder in Betracht, wobei die 
Statuenzahl auf 6 beschränkt und die Aufstellung des Denk- 
mals in S. Pietro in vincoli, der Kardinalkirche Jullus II. be- 
stimmt ward. Und als endlich nach weiteren Abhaltungen 
das Werk 1542-1545 zur Vollendung kam, erwiesen sich 
bei. abermaliger Verschrnmpfung des Programms von den 
drei fertigen eigenhändigen Skulpturen des Moses und der 
zwei Sklaven die beiden letzteren als unverwendbar und 
wurden durch die Statuen des thätigen und beschaulichen 
Lebens ersetzt. So konnten die zwei "Sklaven" durch 
Roberto Strozzi, dem sie der Meister 1544 für genossene 
Pflege geschenkt hatte, nach Frankreich gelangen. (Vgl. A. 
Springer, Raffael und Michelangelo. Leipzig 1878.  23! ff.) 
Statuensammlung des Louvre. Carrarischer Marmor. Über- 
lebensgrosse Figur. 
Skulpmrznscha tz 1. Band;
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.