Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spanien
Person:
Israëls, Jozef
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924014
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1925264
SONNTAG 
TOLEDO. 
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Fahne weht. YVir befinden uns nun auf einem grossen Platz, 
der die Kirche umgiebt. Solch ein Vorplatz oder Patio hat 
etwas charakteristisch Malerisches in Spanien. Hier plätschert 
in der Mitte ein Wasserstrahl, der in einem grossen um- 
gitterten Marmorbassin aufgefangen wird. Da herum stehen 
und sitzen Leute, die warten oder sich ausruhen. ln Spanien 
ruht man oft aus.  Dieser Platz ist gleichzeitig der Ein- 
und Ausgang zu den NVohnungen derjenigen, die Dienst in 
der Kirche verrichten, Man sieht Priester und Messdiener 
in ihren vielfarbigen Gewändern, mit Weihrauchfässern, Fahnen, 
Kreuzen und sonst noch mehr hin und her laufen. Aber das 
Schönste ist die Sonne, die durch die Bäume flimmert, die 
hier und da unregelmässig in dem Patio stehen, und deren 
Grün so schön mit der grauen steinernen Umgebung der 
Mauern und der Erde harmoniert. In dem Schatten, den 
sie auf die Erde werfen, liegen in allerlei Stellungen die 
unentbehrlichen Bettler. Bevor man die Kirchthür erreichen 
kann, wird man von einer kleinen alten Frau am Arme fest- 
gehalten, welche, das Haupt mitleidig auf die Seite geneigt, 
auf ihren Mann zeigt, einen Zwerg ohne Beine und mit einem 
sehr grossen Kopf, so schwarz wie ein Neger. Ein Blinder 
sitzt neben ihm und hält stöhnend seinen Teller hin. Ein 
Mädchen mit prächtigen Augen und wild gelocktem Haar 
streckt etwas nach uns aus, das einer Hand gleicht, von der 
der grösste Teil abgeschnitten ist. Man schaudert einen 
Augenblick, wirft schnell einiges Kupfergeld hin, und erleichtert 
kann man dann in die Herrlichkeit der grossen Kathedrale 
eintreten. 
Hoch ist das Gewölbe, das auf breiten Pfeilern ruht. Mag 
es auch sonst traurig und dunkel sein, heute morgen scheint 
die Sonne so hell durch die alten gemalten Fenster, dass 
in dem ganzen Raum ein gedämpft neblig grauer Ton herrscht. 
Wir hören den Priester in der Ferne sprechen und gehen
        

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