Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spanien
Person:
Israëls, Jozef
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924014
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924744
ZUGE. 
zu halten. Die Geschäftigkeit und das Klappern mit Löffeln 
und Tellern, mit Gläsern und Flaschen, das man drinnen hörte, 
war noch nichts gegen das Heulen des NVindes und das Donnern 
und Rasseln des Zuges draussen. Alles war in Bewegung; 
am Himmel trieben eilende Wolken, an denen scharfe Ränder 
goldig glänzten. Alles bewegte sich, schüttelte und bebte, 
und da wollten wir die alltägliche Beschäftigung des Essens 
und Trinkens aus dem Gewohnten erheben, indem wir uns 
eine Flasche Champagner entkorken liessen, um mit dem uns 
Limrixigenden beweglichen Ganzen gleichen Schritt zu halten. 
Es ist sonderbar, wie die Geselligkeit zunimmt, wenn die 
behagliche Stimmung sich durch eine Cigarre nach dem Essen 
anmeldet. 
NVir wechselten Fragen 
schäftigungen, Familie und 
unsern Freund Tenorio, 0b 
und Antworten über unsere 
Lebensweise; endlich fragten 
er auch verheiratet sei. Da 
Be- 
wir 
zog 
er eine sehr hübsche Schnupftabaksdose aus seiner Tasche; 
denn zwischen den Ci-garetten nahm er auch noch öfter eine 
Prise, was viele Spanier thun. Er zeigte uns die Dose mit 
einem hübschen, mit Elfenbein eingelegten Deckel, kunstvoll 
bemalt mit einer jungen Frauengestalt. Er steckte die Schnupf- 
tabaksdose wieder ruhig in die Tasche und sagte: wDie Frau, 
die es vorstellt, war meine Geliebte; aber 0b ich wirklich mit 
ihr verheiratet gewesen bin oder nicht, weiss ich leider selbst 
nicht recht. Ich muss Ihnen sagen, dass ich in meiner Jugend 
ein ganz anderer Mensch war als jetzt, und auch die schein- 
bare Ruhe, die ich mir angeeignet habe, war damals nicht bei 
mir zu finden. Ich stamme aus einer echt spanischen Familie, 
heftige, leidenschaftliche Menschen, aber durch meine diplo- 
matische Laufbahn habe ich viel gelernt. 
Vor vielen Jahren befand ich mich in einer untergeordneten 
Stellung an einem kleinen Hof in Deutschland; braun und 
dunkel war damals mein Gesicht und Haar, leichtsinnig,vielleicht
        

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