Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spanien
Person:
Israëls, Jozef
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924014
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1926608
RÜC 
KKEH R 
AUS 
SPANIEN. 
203 
Raume mit seinen phantastischen Schatten auf Fussboden und 
Decke liess uns für einen Augenblick unsere ganze Müdig- 
keit und Kälte fast vergessen. Der Schlafende hörte nichts, 
wie wir auch riefen. Wir schlugen mit Schirmen und Stöcken 
gegen die Kisten, dass es krachte; der Kutscher rief ihn beim 
Namen und schüttelte ihn heftig an der Schulter. Nichts half. 
Endlich ging der Kutscher, da er den Stall kannte, nach der 
Pumpe, nahm einen Blechnapf, füllte ihn mit Wasser und 
spritzte dann mit der Hand das kalte Nass auf die Nase und 
Augen des jungen Mannes; das half, die Augen öffneten sich, 
und mit einer schläfrigen Bewegung der Arme stand er auf. 
An solche Störungen gewöhnt, sagte er: wOui, oui, messieurs, 
Ihre Zimmer sind fertigw Dann wurden Kerzen angesteckt; 
wir gingen die knarrende 'l'reppe hinauf und mussten in der 
kalten Nacht ohne spanische Chokolade unser Lager aufsuchen. 
S0 waren wir denn in Frankreich und hörten kein Wort 
spanisch mehr sprechen; die Eigenart unserer Reise war 
weg. Weg waren die unbebauten Felsgründe, die geheimnis- 
vollen, seltsamen Dörfer mit ihren armen, bettelnden Ein- 
wohnern. Es war eine gewohnte, angenehme Umgebung und 
die Menschen genau wie wir selbst. 
Wir reisten durch eine freundliche, an Bergen und Wasser- 
fällen reiche Landschaft, und als wir Avignon erreichten, war 
es natürlich, dass wir das bekannte Liedchen sangen: 
Sur 
Sur 
le 
1c 
pont 
pont 
et l'on y danse, 
tout en rond. 
danse 
danse 
Aber das Singen hört auf, wenn man die berühmte Stadt 
erreicht hat. Finstere, kleine Gassen, alt und doch nicht 
schön, hier und da eine einzelne moderne Strasse. Glück- 
licherweise fanden wir ein gutes Unterkommen in unserm 
Hotel in (ler Nähe der grossen Flussbrücke, die wir soeben 
besungen 
hatten.
        

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