Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spanien
Person:
Israëls, Jozef
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924014
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1926430
186 
CID. 
DER 
Leute beschäftigt sah, dachte ich bei mir, wie unsinnig es 
ist, dass sich die Menschen so feindlich gegenüberstehen im 
Dienste eines Wesens, welches wir Menschen doch nicht be- 
grelfexm. 
Die Kirche 
füllte 
sich, 
und 
wir wurden 
durch 
den 
Kirchen- 
diener 
mit 
den 
silbernen 
Ketten 
auf 
der 
Brust 
und 
dem 
Tambourmajorstocke in der Hand von unseren hohen Sitzen 
weggejagt. Wir nahmen ein Ende weiter unter der Menge 
Platz, als die Musik begann. Schwere Männerstimmen sprachen 
mehr als sie sangen, sie wurden durch andere Bässe beant- 
wortet, als 0b sie ein hohes und wichtiges Gespräch hielten; 
die alles überdonnernde Orgel legte ihnen Schweigen auf, aber 
kaum war die Orgel still, so begannen wieder von vorne 
dieselben Klagetöne; dieselben Verzweiflungsrufe, dasselbe 
Orgelknarren; es begann unangenehm warm und druckend 
zu werden; sie schwiegen endlich, und nun war" es, als 0b 
eine Gardine von dem Allerheiligsten weggezogen wurde, 
denn gerade gegenüber der Orgel, auf dem Chor, begannen 
Harfen und Violinen eine Einleitung, und ein lieblicher Kinder- 
chor sang langsam und sanft ein schönes, tröstliches Lied. 
Es klang wie ein silberhelles "Wasser, das durch den Wind 
bewegt still längs blumenreichen Ufern rauscht. iWir atmeten 
freier und wollten nun recht gemessen, wir hörten immer 
nicht genug und noch nicht genug. Aber ach! da kam ein Mann, 
den ich am liebsten von der Kanzel, die er betreten hatte, wieder 
heruntergezogen hätte, sagte einige lateinische Sprüche und 
sieh da! die Bässe begannen wieder von vorne ihre brummende 
Unterhaltung, die Orgel gellte und hallte, dass die Kirche 
dröhnte. Wer weiss, wie lange es noch dauerte, aber wir ver- 
liessen still das hohe Gebäude und gingen in der Alameda 
spazieren, wo es grün und frisch und herrlich war.
        

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