Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spanien
Person:
Israëls, Jozef
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924014
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1925866
ALGESIRAS. 
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seidenen Gewändern mit weiten Aermeln und Schleiern. Es 
war Mittag, als wir ankamen und ein Unterkommen suchten. 
Ein kräftiger, vortrefHich gebauter Gepäckträger mit ge- 
bräuntem Körper und Beinen hatte unser ganzes Gepäck auf 
dem Kopfe und unter dem Arm; wir bahnten uns einen Weg 
durch das Gedränge, und unser Lastträger, dem der Schweiss 
am Körper heruntertriefte, zeigte uns endlich das Haus des 
Wirtes, der uns empfohlen war. Wie ein spanischer Hidalgo 
empfing er uns auf der Treppe und liess uns nicht eintreten. 
Sein Haus sei zu gut, sagte er, als dass bei einer Gelegen- 
heit wie die gegenwärtige einige Zimmer frei seien. NVüssten 
wir denn nicht, dass es heute feria sei? Er zeigte uns schroff 
und trotzig den Comedor oder Speisesaal, wo Blumen und 
Kerzen die vielen Schüsseln verzierten und kein Platz mehr 
zu bekommen war, da alles besetzt war und noch viele ab- 
gewiesen werden mussten. Da standen wir; unsere bestürzten 
Gesichter erweckten jedenfalls Mitleid bei dem aufgeblasenen 
Wirt, er rief uns nach, und mit einem würdevollen Gesicht, 
den Finger an die Stirn gedrückt, meldete er uns, dass er 
in der Strasse, die ein wenig weiter in die Höhe führte, eine 
Tante wohnen habe, die uns wahrscheinlich beherbergen 
würde. Geduldig sass unser Atlas an der Thür auf einem 
der Koffer und packte wieder getrost den Kram auf, um uns 
nach der angewiesenen Wohnung voranzugehen. 
Hier vor der Thür oder besser Oeffnung dieser sonder- 
baren und baufälligen Behausung stand eine Hinke, spanische 
Dirne mit gelbseidenem Umschlagtuch, schwarzem, dickem 
Haar und rotem, rundem Gesicht; sie war im Gespräch mit 
einem runzeligen, alten Fräulein, das in der steil aufsteigen- 
den, mit allerliebsten spitzen Steinen gepflasterten Strasse 
auf und ab spazierte. Wir brachten, so gut und so schlecht 
es ging, unsere Bitte um Beherbergung vor und wurden 
freundlich angehört; die verschossene, bunte Gardine, welche
        

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