Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Spanien
Person:
Israëls, Jozef
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1924014
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1925814
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LAN DSCHAFT. 
AFRI KANISCHE 
Tisch 
Schatten 
schwer 
unterscheiden 
war. 
Es 
WELT 
ein prächtiges Gesicht, fein und durchsichtig bleich wie Ala- 
baster; Falten, kleine und grosse, liefen um die kleinen Augen 
und die grosse, gekrümmte Habichtsnase. Ein schwarzes 
Käppchen bedeckte den weissen Schädel, und ein langer, 
weissgelber Bart lag in grossen Strähnen über das beschriebene 
Pergament. Er sass in einer Art Lehnstuhl ohne Rücken- 
lehne, und zwei Krücken lagen neben ihm auf der Erde. Wie 
gerne hätte ich mein Skizzenbuch hervorgeholt, der edle Kopf 
mit dem Bart, der mit dem Pergament und dem Lichte des 
Fensters eins war, umgeben von dem Dunkel des Hnstern 
Raumes, aber vor dem strengen Blick des Gesetzschreibers 
wagte ich nicht, mein Vornehmen zur Ausführung zu bringen. 
Er zeigte mir mit Stolz die Schönheit seiner Schrift, die 
Herrlichkeit der grossen Buchstaben, und wie alles gleich- 
mässig ohne Linien geschrieben war. Er nahm würdevoll den 
grossen Giinsekiel, tauchte ihn tief in das schwarze Fläschchen, 
das neben ihm stand, und zeigte mir dann, wie er schrieb. 
Nachdem ich ihm meine Bewunderung ausgedrückt hatte, bat 
er mich, ihm seine Krücken zu reichen, und er humpelte mit 
mir nach dem offenen, flachen Dache, das auf gleichem Flur 
mit seinem Zimmer lag. Hier lagen Matten, worauf er sich 
niederliess und mich ersuchte, mich neben ihn zu setzen. 
Beide genossen wir nun das Panorama von Tanger, das unter 
uns lag, die Hügel und die See in der Ferne. So sitzend, 
das fremde Land vor mir, neben mir den langbärtigen Alten, 
auf den Matten des Hachen Daches in Marokko, überkam 
mich das Gefühl, als ob ich in diesem Augenblick in einer 
Welt lebte, von der ich einmal geträumt hatte. 
Dann stand ich auf, um zu gehen, der Alte legte seine 
Hände auf mein Haupt, und mit einem wjeworechecho adonai 
wejismerechm (der Herr segne und behüte Euch) schieden 
wir von einander.
        

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