Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Radirungen
Person:
Klein, Johann Adam
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1921976
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1922135
Proben der sich entwickelnden Anlagen, und bereichert mit zahlreichen Croquis kehrte Klein 
von jeder bald kürzeren, bald längeren Fusswanderung heim. Nun kopirte er auch "viel nach 
den grossen Aquarellzeichnungen Wilhelm Kobellis in München, welche ihm zu diesem Zwecke 
der Nürnbergische Kunsthändler Frauenholz mittheilte. Damit verband er wiederum das Stu- 
dium der Natur. Er sammelte sich eigene Viehstudien überall, wo sich ihm Gelegenheit darbot. 
Er zeichnete auf Viehmärkten, an öffentlichen Plätzen der Stadt, wo nach altem Gebrauch die 
hereinkommenden Landleute ihre Pferde oder Ochsen neben ihren iWägen abfüttern dürfen, zu- 
erst einzelnes liegendes oder ruhig stehendes Vieh, nachher auf dem Lande, oder wo sie sich sonst 
darboten, grössere Gruppen in Bewegung und die Personen, welche sie umgaben, Landleute, 
Juden, Viehhändler, Geräthe und Wägen, und bald sah man keine Spur von schülerhafter Un- 
sicherheit mehr an Kleinis Zeichnungen. Er versuchte sich im Radiren landschaftlicher Gegen- 
stände und kleiner Pferdestücke, Köpfe etc., und es zeigte sich unverkennbar, dass ihm die ma- 
lerische Manier eines Carl du Jardin, Van der Velde, Heinrich Roos und anderer ausge- 
zeichneter Künstler dieses Faches besser zusagte, als die streng kupferstecherische Manier. Die 
Arbeiten des jungen Künstlers wuchsen schnell an Zahl und innerem Verdienst, und erwarben 
ihm Beifall und Anerkennung. Die kriegbewegten Jahre, in welche die Bildungsperiode dessel- 
ben fiel, hatten gleichfalls einen nicht unbedeutenden Einfiuss auf die Richtung seiner Studien. 
Die Truppendurchmärsche, die malerischen Scenen und Gruppen, welche die Trains der ver- 
schiedenen Militärgattungen darboten, die Soldaten der mancherlei WVaffenarten und Heere selbst, 
oder das Leben und Treiben im Bivouak oderLager waren und blieben für ihn ein zu anziehendes Feld, 
als dass er nicht alle die lebendigen Details, die sein beobachtendes Künstlerauge so leicht heraus- 
fand, hätte aufzufassen und wiederzugeben sich versucht fühlen sollen. Er sammelte sich von 
solchen Scenen des, man möchte sagen ruhigeren Kriegerlebens, wenn man Märsche gegen Schlach- 
ten vergleicht, sehr interessante Skizzen, die er zum Theil mit überaus viel Leben nachher aus- 
"führte, zum Theil noch in seinen Studienbüchern aufbewahrt.  Im Jahre 1811, bald nach dem 
Tode seiner Mutter, welche im 54. Jahre ihres Lebens starb, verliess er die Vaterstadt und 
reiste, von dem Kunsthändler Frauenholz auf's beste an die vorzüglichsten Künstler Adam 
Bartsch, Molitor, Fuger und Rahl etc. empfohlen, nach Wien. Nun stand der junge Mann allein, 
blos auf seine Talente gewiesen. Er studirte auf der Kaiserl. Academie, zeichnete und sammelte 
überaus emsig die reichhaltigsten und mannichfachsten Studien und Scenen nach dem Leben, Wo- 
zu ihm das Menschengewühl einer so grossen Stadt, und besonders das Gemenge der vielen Völ- 
kerstämme des Oesterreichischen Staates und der Ausländer, unerschöpflichen Stoff neben den 
militärischen Scenen, Viehstudien und landschaftlichen Gegenständen darbot, welche er mit dem 
nämlichen Fleisse, mit Geist und Lebendigkeit vor vielen andern zu behandeln lernte. Auf meh- 
reren Reisen und Fussivanderungen nach Steyermark und Ungarn fertigte er zahlreiche Land- 
schaftszeichnungen der malerischsten Naturschönheiten, Ruinen, Berggegenden, Wasserfälle u. 
s. w., die er zum Theil in Aquarell leicht und soweit ausführte, dass sie ihm zum Studium für die 
Zukunft nützten. WVährend seines Aufenthalts in Wien radirte er eine grosse Anzahl seiner geist- 
reichen Arbeiten und darunter auch viele von denen, welche dieser Skizze seines Lebens beige- 
geben sind und gar bald dem Künstler einen sehr geachteten Namen erwarben.  Das Jahr 
1815 brachte er theiliveise wieder in der Vaterstadt zu; er machte von da aus eine Reise nach 
Frankfurt und an den Rhein, im Auftrag des Herrn Grafen Erwin von Schönborn, und kam mit 
reich angefüllten Studienbüchern nach Hause. Er kehrte im darauf folgenden Jahre 1816 nach 
Wien zurück, wo er neben Reissfeder, Bleistift, Radirnadel und Stichel auch den Pinsel mehr 
zur Hand zu nehmen anfing und sich im Oelmalen versuchte. 1817 starb sein Vater, 74 Jahre 
alt. 1n diesem Jahre erhielt er viele Aufträge zu kleinen Oelgemälden und Aquarellzeichnungen 
von mehreren hochgestelltenPersonen vomWiener undUngarischen Adel, sowie vom damaligen französi- 
sehen Gesandten in Wien ,Marquis de Caramann, und dem Staatsminister, Fürsten vonMetternich,welcher 
ihn, um Studien von edlen Pferden zu malen, nach dem Kaiserl. Hofgestüt Coptzän in Ungarn reisen 
liess. Im Sommer des Jahres 1818 zog ihn Reiselust und der Wunsch aus den malerischsten 
Gegenden das Schönste zu sehen, zu zeichnen und zu studiren nach dem an Abwechslung der
        

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