Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905137
Ebenso machten sich an den Oberkleidern die beiden Moderichtungen der Verengung 
und Erweiterung bemerklich. Der Tappert in der Form eines massig langen, mit Aermeln be- 
setzten und ringsum geschlossenen Ueberrockes gewann namentlich in den unteren Schichten der 
Bürger und Handwerker immer grössere Verbreitung (41. 7. 14), ebenso der Tappert, welcher kürzer 
als jener und an den Seiten völlig geschlitzt war (41. s) oder bis gegen die Knöchel reichte und nur 
Schlitze für die Arme hatte (41.  zuweilen auch Schlitze unten an der Seite. Der Tappert in allen 
Formen wurde gegürtet und ungegürtet getragen (vergl. 37. 2). Neben den Sackärmeln, mit welchen 
man den geschlossenen Tappert versah (vergl. 40. s), kamen in derselben Zeit weite, an ihren Enden 
offene Aermel zur Geltung, oder sackartige Aermel, deren Boden einen Schlitz für die Hand hatte 
 Auch bei dem Tappert war, wie bei der Schecke und den Beinkleidern, die Halbteilung 
üblich, derzufolge man jeden Teil des Gewandes aus einem andersfarbigen Stoffe herstellte (41.18); 
überdiess besetzte man den Tappert reich mit Zaddeln oder zerschnitt alle seine Ränder zu Zaddeln. 
Das Zaddeln wurde in jener Zeit auf die Spitze getrieben; man beliebte nicht nur Schecken und 
Tapperte (41. 11.  sondern auch die ringsum geschlossenen Umhänge, die Glocken, an allen 
Kanten und Rändern mit Zaddeln und Lappen zu besetzen, die Lappen nicht nur reihenweise über 
und nebeneinander zu ordnen, sondern auch die Gewänder völlig damit zu bedecken, so dass die- 
selben in zahllose Lappen aufgelöst schienen (56. a2). 
Der Tappert erstand, wie mehrfach bemerkt, aus der geschlossenen Glocke, indem man die- 
selbe mit Armschlitzen oder mit Aermeln versah, sonst aber vornherab bis auf einen kurzen Brustschlitz 
geschlossen hielt; aus dem Tappert entwickelte sich die Schaube, indem man den Tappert vorn- 
herab völlig öffnete (41. 11). Der Tappert war eine Tunika, welche man überzog; die Schaube war 
ein Rock, den man anzog. Ebenmässig wie der Tappert hatte die Schaube nur Armschlitze oder 
auch Aermel (41. 20-22.. 47. 1. 2. .1. s. 10. 12); die ärmellose Schaube (41. 21. 47. 1) glich einem mantel- 
förmigen Umhange, der im Zuschnitte mit seinen beiden Flügeln mehr oder weniger über einen 
Halbkreis hinausging (Fig. 20.11). Waren die Aermel der Schaube lang und weit, so versah man 
sie vorn in ihrem oberen Teile mit einem Armschlitze, so dass man jeden Aermel beliebig anziehen 
oder frei herabhängen lassen konnte (41. 2a. 47. 2. 1. 59. 1). Man führte auch Aermel mit zwei oder 
mehreren Schlitzen übereinander (47.12. 50. s), desgleichen bauschige Sackärmel, welche mit zwei 
grossen Schlitzen kreuzweis aufgeschnitten und mit den Spitzen ihrer Lappen im Kreuzpunkt der 
Schnitte an das Unterfutter festgeheftet wurden (47. 10), sowie in jeder beliebigen Weise geschlitzte 
Aermel, deren Schlitze man vernestelte oder verknüpfte. Hängende Sackärmel waren, als die 
Schaube aufkam, im Verschwinden begriffen. Anfangs verknöpfte man die Schaube vornherab (41. 11), 
später aber liess man die Knöpfe hinweg und schlug die Schaube am Schlitze nach aussen um, so 
dass sich der Umschlag nach obenhin zu einem Aufschlage (41. 22) und bald zu einem völligen 
Kragen erweiterte, welcher auch um den Hals herum lief (41. 20. 2a). Man pflegte die Schaube 
durchgängig mit Pelz zu füttern oder vorwiegend an Umschlag und Kragen aus Pelz herzustellen, 
sie auch sonst an ihren Rändern mit Pelz zu besetzen (47. s). Die begüterten Bürger liessen 
die Schaube etwa bis gegen die Kniescheibe, höchstens bis zur Mitte der Unterschenkel reichen 
und nur die höchsten Stände bis über die Füsse herab; man trug sie in Rot oder Schwarz, unter 
fürstlichen Personen auch in Violett; eine Gürtung war selten. Farbige Zweiteilung, wie bei dem 
Tappert, kam bei der Schaube selten (56.11) und Zaddelwerk gar nicht mehr vor, jedoch fast 
immer ein andersfarbiger Besatz an den Rändern (47. 1. 2. 1). Zur Herstellung der Schaube benutzte 
man Tuch oder Sammet, unter höheren Ständen auch Seide und zum Besatze Damast. 
Es ist unmöglich, hier die mannigfachen Formen der Ueberziehkleider zu verfolgen, welche 
in jener Zeit sich durcheinander drängten; nur auf eine Form sei ihrer Absonderlichkeit wegen an 
dieser Stelle noch näher eingegangen. Das Kleid dieser Form war eine Art von Schosswams, 
dessen Schoss in orgelpfeifenartigen Falten lag (41. 9. 10. Fig. 20. 12. 14). Den Schoss setzte man be- 
sonders an, indem man das Kleid an seinem unteren Saume mit senkrechten Schlitzen versah (F ig. 20.12),
        

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