Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905120
Beinkleider anlegte (41. 4. s); da die oberen Hosen nicht mit den unteren verbunden wurden, so 
konnte man die Spannung der letzteren beseitigen und doch Unterleib und Schenkel genügend bedeckt 
halten. Hartnäckig behauptete sich die Mode der farbigen Halbierung sowie der gestreiften Zeuge, 
deren Buntheit man noch durch aufgenähte Lappen mit andersfarbiger Karrierung zu erhöhen suchte 
(41. 9). Die widerspruchvollste Willkür machte sich an den Röcken geltend; denselben Rock, Welchen 
man hier zu verengen und zu verkürzen suchte, machte man anderwärts desto länger und weiter. Die 
Schecke, von Haus aus ein knappes Gewandstück, wurde aufs äusserste verkürzt, sowohl untenher, 
dass sie kaum noch bis an die Taille reichte (41. 2. s), als auch obenher, so dass Hals, Nacken und 
Schultern unbedeckt blieben und eine völlige nDekolletierungu unter dem männlichen Geschlechte 
Platz griff; desgleichen verkürzte man die Aermel bis zum Ellbogen. Um den festesten Anschluss zu 
erzielen, schnitt man das Rückenteil der Schecke nicht mehr im Ganzen zu, sondern stellte es aus zwei 
Stücken her, deren verbindende Naht mitten auf den Rücken fiel. Ueberdies wurde es Sitte, die 
Schecke auf der Brust auszupolstern. Damit nun das Atmen in solcher Zwangsjacke nicht unmög- 
lich werde, sah man sich genötigt, die Schecke auf der Brust und an den Aermeln zu Schlitzen 
oder auch ein ganzes Stück auf der Brust und selbst auf Brust und Rücken zugleich bis auf den 
Gürtel herauszuschneiden. Die Oeffnungen füllte man mit dem Hemde aus, nicht selten auch mit 
einem schön gesticktem Latze, welcher hinten und vorn über das feinstoffige Hemd zu liegen kam 
(41. 2). In der Verteilung der Schlitze an_ den Aermeln überliess man sich jeder Laune und 
suchte die Ueberreste der Schecke an ihren Oeffnungen und Schlitzen mit Schnüren zusammen- 
zuhalten (41. 1.  In solchem Schnürleibe und mit weitentblösstem Halse ging nicht bloss die 
stutzerhafte Jugend einher, sondern auch das weissgelockte Alter; so trug sich selbst der Kaiser 
Max, der letzte Ritter. Diese Tracht entpresste dem Sittenprediger Sebastian Brant den Ausruf: 
vPfui Schand der deutschen Nationlu Leute, welche auf Anstand hielten, verdeckten übrigens im 
öffentlichen Verkehr ihre Blösse mit den weiten Ueberröcken.  Wie man nun unter den höheren 
Ständen darauf ausging, die Schecke zu verkleinern, so beliebten die tagewerkenden Leute dieselbe 
zu erweitern und bequemer zu machen. Die grossen Armlöcher, welche um die Mitte des Jahr- 
hunderts aufgekommen waren (40. 11. Fig. 20. s), wurden häufiger angewendet, aber mit gleichmässig 
weiten Aermeln besetzt, die an der Hand offen waren (43. 2. a); am Hals erhielt die Schecke einen 
ziemlich weiten Ausschnitt, welcher durch das Hemd ausgefüllt wurde; der Schoss wurde entweder 
ganz weggelassen (43. z) oder eigens angesetzt, nicht selten auch etwas verlängert. Der Brauch, 
die Schecke im Kreuz in einige Falten zusammenzufassen, währte bis in das nächste Jahrhundert 
hinein (48. 1). Daneben erhielt sich namentlich unter älteren Männern und Leuten aus den niederen 
Klassen das bequeme über die Brust herab geschlitzte Wams (43. s), das mit einem Gürtel um die 
Hüften geschlossen wurde und sehr weite Aermel hatte; diese piiegte man nach Belieben an beiden 
Seiten oder nur an der linken Seite in lange zackige Riemen zu zerschneiden. Die Jugend der 
höheren Stände beliebte das Wams obenher dicht am Körper anliegend und ausgepolstert, von 
der Taille an aber bedeutend erweitert (Fig. 20. s) und in grosse regelmässige Falten gelegt, in den 
Aermeln kurz und gezaddelt (41.15). Der Schoss wurde durch Einsatzzwickel erweitert (Fig. 20. s) 
und der Aermel (Fig. 20. s) so eingesetzt, dass die Naht nach unten zu liegen kam. Ueber die Brust 
herab versah man das Kleid mit einem Schlitze, den man mit Bändern verschloss. Zum Waffen- 
rocke hergerichtet erhielt das Wams einen besonders angesetzten Schoss (43. e), weshalb man 
Wämsef dieser Art auch vSchosswamsu zu nennen pflegte. Der Schoss bestand aus einem ring- 
förmig zugeschnittenen Zeugstücke; dieses wurde rundum in dichte Falten geschoben und an das 
Wams befestigt, entweder überwendlich oder auf dessen innerer Seite. Auch die Aermel des 
Waffenrockes 155156 man, der Mode folgend, in lange Zaddeln auf (43. 1a). Nicht selten gab man 
den Aermeln des Wamses eine so bedeutende Länge, dass sie weit über die Hand hinausreichten 
(41- S); 5016116 Aermel nannte man nPieschenu; entweder versah man dieselben mit einem Schlitze 
zum Durchstecken der Hand oder man schlug den hinderlichen Teil zurück.  
        

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