Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905115
gegen das Ende des 14. Jahrhunderts bekannt. Von 1400 bis etwa 1480 wurde es üblich, einen 
beträchtlichen Teil des Gugelschwanzcs seitlich über den aus einer einzigen Windung bestehenden 
Wulst herabfallen zu lassen; die Gesichtsöffnung sass dann näher als sonst am unteren Rande des 
Kragens und der Schweif fiel als eine lange, unten offene Röhre in Gestalt eines Stoffbandes bis 
auf die Fersen herab. Setzte man diese Gugel mit ellenlangem Schweife als Mütze auf, den Gesichts- 
schlitz über den Schädel nehmend, so konnte dies in dreifacher Weise geschehen: man strich ent- 
weder den Kragen in Form eines Hahnenkammes in die Höhe und nahm den langen Zipfel über 
den Arm oder in die Hand, damit er beim Gehen nicht nachschleife (Fig. 19. 12); Oder man WiClCCltC 
den Zipfel um den Hals (Fig. 19.14), die auf der Seite herabhängende Stoffmasse des Kragens zu- 
gleich mit unterfassend, und liess den Rest auf der anderen Seite über die Schulter herabfallen; 
nach dritter Manier wickelte man den Schweif um den Kopf, untersteckte den Rest und liess ihn 
dem seitlich herabhängenden Kragen gegenüber gleichfalls herabfallen (40.14. Fig. 19.11). In den 
vierziger Jahren erhielt unter Beibehalt seiner beliebigen Verwendung dieses Gewandstück eine 
feste Form, so dass man die Gugel einfach wie einen Hut aufsetzen konnte. Die Gugel wurde 
nämlich mit dem Rande ihrer Gesichtsöffnung auf die Innenseite eines dicken faltenlosen Wulstes 
festgenäht (Fig. 19. 1a), so dass die übrige Stoffmasse noch wie sonst über den Kopf emporragte und 
mit dem schlauchförmigen Schweife seitlich herabfiel. Das war das Ende der Gugel nach dieser 
Richtung hin; in ihrer einfachen Form und Anlage aber wurde sie noch wie sonst als Schutzkleid 
bei schlechtem Wetter und auf der Jagd verwendet. Bald nach dem Auftreten des dicken Kopf- 
wulstes ersetzte man den langen bandartigen Schlauch durch ein wirkliches Band, das aus Seide oder 
Sendel, wie man damals sagte, bestand und nach seinem Stoffe vSendelbindeu genannt wurde. Die 
Sendelbinde war beliebig lang, etwa zwei Hände breit und am unteren Ende, später auch ihrer 
Länge nach ausgezaddelt; man wickelte sie um den Wulst und liess sie seitlich herabfallen; so 
trug man die Sendelbinde noch am Schlusse des Jahrhunderts. Man legte die Sendelbinde wohl 
auch um den unteren Rand der schirmlosen Rund- oder Zipfelmütze und liess das gezaddelte Ende 
auf eine Schulter oder in den Nacken herabfallen (40. 1. 9). Statt des hahnenkammartigen Ueberfalles 
brachte man in dem dicken Wulste eine Kappe an, welche gleich einem Sacke seitwärts herabfiel 
(40. s), oder eine sackartige Röhre ohne Boden, die in ihrer unteren Hälfte in lange Laschen zer- 
schlitzt war (40. a). Seine Bequemlichkeit machte den einfachen Hut zur beliebtesten Kopfbedeckung 
jener Zeit; man stellte ihn aus schwarzem oder lebhaft gefärbtem Filze her, im Kopfe nicht allzu hoch, 
in der Krempe aber ziemlich breit und seitlich geschlitzt, so dass man das Vorderstück herab- und 
das Hinterstück hinaufklappen konnte (40.14) oder umgekehrt. Namentlich unter dem Kaufmanns- 
sta-nde wurde es Sitte, die Krempe sehr breit zu machen und zu einem mächtigen Wulste aufzu- 
rollen, der den Hutkopf nahezu verschwinden liess (40.15). Handwerker bedienten sich einfacher 
Rundmützen ohne Schirm (40.  Weniger zum Schutz als zum Putze wurde unter jungen Leuten 
ein Kopfreif beliebt (40.10), der mit farbigen Bändern umwickelt und auf der Stirnseite mit einer 
Agraffe und einigen steifen Federn verziert war. Das Haar trug man mässig lang, unter vor- 
nehmen Leuten bis auf die Schultern fallend (4O.2.1o_12) und über der Stirne gescheitelt, unter 
der Jugend wohl auch zu Ringellocken gedreht. Gegen den Bart bestand noch immer ein ge- 
wisses Vorurteil; doch trugen ihn selbst die damaligen Kaiser. Der Bart wurde ziemlich spitz 
geschnitten (40. 12) oder am Kinne geteilt und so in zwei Spitzen getragen (4041). 
Die männliche Tracht in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts löste Sich in 
eine widerspruchsvolle Mannigfaltigkeit von Formen und Farben auf, so dass es schien, als ob jeder- 
mann nur seinem eigenen Kopfe folge. Am wenigsten von diesem Wechsel berührt wurden die 
Beinkleider; diese beliess man noch bei dem oben angegebenen Zuschnitte (S. 85. Fig. 20.19), 
suchte aber ihre Spannung dadurch zu mildern, dass man sie nach französischer Sitte zuweilen über 
der Kniescheibe trennte und die Schlitzränder locker mit Nesteln verband. Häufig bediente man 
sich jetzt eigener Oberschenkelhosen in Form unserer Badehosen, welche man über die langen
        

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