Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905093
15. Jahrhunderts zu dem Beinkleiderschnitte der Franzosen und Engländer über; man verband 
hinten beide Beinlinge durch einen eingeschobenen Zwickel von genügender Breite, vorn aber brachte 
man einen kleinen Sack zur Aufnahme der Geschlechtsteile an (Fig. 20. 19); dieser Sack wurde unten- 
her festgenäht, auf beiden Seiten aber mit Knöpfen. an die Beinlinge geschlossen. Vorherrschend 
blieb noch der Gebrauch, für jeden Beinling eine andere Farbe zu wählen; auch begann man jetzt 
sich gestreifter Stoffe zu bedienen. Ebenmässig wurden Wams und Schecke einer Umgestaltung 
unterworfen. Das Wams, das im allgemeinen eine bequeme Weite hatte und darum vorzugsweise 
von den tagewerkenden Leuten getragen wurde, erhielt jetzt bedeutend weitere Aermel (40. 1), welche 
nach Art unserer Hemdärmel vorn am Handgelenke mit einer knapp anliegenden Binde zusammen- 
geschlossen oder mit einem Bande so zusammengefasst wurden, dass sie hier eine Art von Krause 
bildeten (40. 2). Damals kamen auch sackartige Aermel in Mode; man formte diese Aermel als 
wirkliche Säcke, welche unten völlig geschlossen waren (40.11), oder doch zugebunden wurden 
(40. 4), und versah dieselben mit einem Schlitze zum Durchstecken der Arme. Solch ein Sack- 
ärmel bestand aus zwei Stücken von fast gleichem Zuschnitte, die hinten und vorn zusammengenäht 
wurden, häufig dergestalt, dass man in die Naht zugleich einen gezaddelten Zeugstreif mit befestigte 
(40. s); nur am Armloche wurde der aussenliegende Teil des Aermels nach oben hin abgerundet, 
der unter der Achsel anschliessende aber nach unten hin ausgeschweift. Die Sackärmel, welche 
man unten verschnürte (40.  wurden wohl aus dem Ganzen geschnitten und zwar völlig gerade, 
so dass die Naht nach hinten oder vorn zu liegen kam. Zur völligen Bedeckung der Arme machten 
die Sackärmel noch ein zweites Aermelpaar nötig, das man in den Säcken selbst befestigte, oder 
durch eine eigene Unterjacke ersetzte; auch diese Aermel wurden ziemlich weit gemacht und am 
Handgelenke zusammengefasst. Der Gürtel kam völlig an den unteren Rand der Schecke zu sitzen. 
Das Wams folgte, soweit es nicht als Arbeitskleid benutzt wurde, der Tagesmode und verengte 
sich dergestalt, dass es von der Schecke nicht mehr zu unterscheiden war und von dieser Zeit an 
auch den Namen Schecke führte. Es bildete sich bei dieser Gelegenheit ein Mittelding zwischen 
Wams und Schecke heraus, dessen Rückteil noch in der Weise des alten Wamses zugeschnitten, 
im Kreuze aber in zwei oder mehrere feste Falten zusammengeschoben wurde (40. 11). Derartige 
Röcke hatten zwar enge Aermel, aber sehr weite Armlöcher, so dass man beim Zuschnitte die 
Aermel gegen oben hin plötzlich um ein gutes Stück verbreitern musste (Fig. 20. 6); die Aermel 
wurden von innen nach aussen hin durchgesteckt und inwendig festgenäht, die Längsnaht nach 
unten gekehrt. Es gab noch eine andere Form der wamsartigen Schecke, deren Schoss besonders 
zugeschnitten, hinten und vorn gefaltet (40. 111) und an der Seite geschlitzt wurde. Diese Schecke 
pflegte man über die Brust herab bis zum Gürtel völlig zu öffnen und nur leicht zu verschnüren, 
so dass hier das Hemd zum Vorscheine kam. Häufig zeigen sich um diese Zeit die Röcke jeder 
Art mit kleinen Stehkragen ausgestattet (40. 2. a. s. 10). Das Hemd fing damals an eine grössere 
Rolle zu spielen als seither. 
Der am Schlusse des 14. Jahrhunderts aufgekommene lange Ueberrock, der Tappert, 
hatte sich, wie schon bemerkt, aus dem geschlossenen Umhange, der Glocke, dadurch entwickelt, 
dass man die Glocke an beiden Seiten mit Armschlitzcn versah oder von den Schultern an bis an 
den unteren Rand völlig aufschlitzte (40.14.15); an den Schlitzen sowie am unteren Rande besetzte 
man den Tappert nach Belieben mit Pelz; überdies stattete man den Tappert mit einer Kapuze aus 
(40.15); in dieser Form und mit Pelz gefüttert gebrauchte man ihn als Schutzkleid gegen üble 
Witterung. Seine Länge war beliebig, so dass er bald bis auf die Füsse reichte, bald nur bis unter 
die Kniescheibe. Der völlig geschlitzte Tappert wurde zum Zeremonienkleid des 15. und selbst 
noch des folgenden Jahrhunderts; als solches liess man häuüg das vordere Stück die Füsse berühren, 
indess man das hintere zu einer Schleppe verlängerte. Man versah den ringsum geschlossenen 
Tappert auch mit Aermeln in allen damals gebräuchlichen Formen, mit gerade geschnittenen (40. 12) 
sowie mit sackförmigen (40.21); oben brachte man einen Brustschlitz an, der genügend war, um das
        

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