Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905084
den damaligen Grabsteinen abgebildet, entweder auf den Arm der ritterlichen Figur (37.18) oder 
über den Schild gestülpt. Der Eisenhut war eine kleine Kesselhaube mit einem ringsherum vor- 
springenden Rand; er wurde schon Ausgangs des 12. Jahrhunderts getragen (20.13) und war noch 
im 17. anzutreffen. Der Schild glich noch dem kleinen Ecü oder dreieckigen Schilde des 13. Jahr- 
hunderts und war flach (37. 1o_12), beim Fussvolke auch gewölbt. Auf den Ecü folgte in der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts die nTartscheu oder der nFaustschildu, ein ebenfalls kleiner aber 
viereckiger Schild mit abgerundeten Ecken, am rechten Rande mit einer Einkerbung versehen, in 
welche man die Lanze einlegte (37.19). Das Schwert zeigte noch die alte Gestalt mit rundem 
Knauf und abwärts gebogener oder auch gerader Parierstange, nur war es noch länger als das Schwert 
der vorhergehenden Zeiten. Am Knaufe befand sich häufig eine lange dünne Kette, mit welcher 
das Schwert an die eiserne, unter dem Waffenrocke sitzende Brustplatte befestigt wurde. Ebenso 
befestigte man den an der rechten Seite hängenden Dolch (37. 19. 21). Die Scheiden dieser Waffen 
aber hingen am Gürtel oder an eigenen Hüftriemen, die zugleich mit dem Gürtel getragen wurden. 
Der Dolch war damals zu einer sehr tückischen Waffe geworden, die man DPZJHZCFbFCChGFu oder 
vMisericoi-diau nannte; seine Klinge war dreischneidig, dünn und unten derart zugespitzt, dass man 
damit leicht in die schwachen Stellen der Rüstung eindringen und dem Gegner den Gnadenstoss 
versetzen konnte (38. 30). Die Lanze änderte ihre Form fast gar nicht; neben der Lanze wurde 
der Reiterhammer allgemein (38. a4), eine Waffe, die der Ritter gleich dem Streitkolben an 
dem Sattel hängend mit sich führte. Die Hamn1erklinge hatte eine doppelte Schneide, von 
Welchen die eine schnabelartig geformt war; nach diesem Schnabel nannte man den Streithammer 
vPapageischnabelu, wenn die Klinge auf kurzem Stiele sass, wenn auf langem Stiele aber nFalken- 
schnabelu (vergl. 43. 20). Der Kriegsflegel hatte eine stacheliche Kugel, die mit einer Kette an 
langem Sehafte befestigt War. Der Sporn (38. amas) verlängerte die Spitzen seines Rädchens und 
vermehrte dieselben bis auf acht; sein Bügel, sonst halbrund, ging in einen spitzen Winkel über 
und schloss sich um den unteren Teil der Beinschiene, welcher Knöchel und Ferse bedeckte. 
Später, als die Beinschienen durch die Stiefel verdrängt wurden, kehrte auch der Bügel wieder zu 
seiner halbrunden Form zurück. Der Sattel erhielt einen weitherabreichenden Ansatz, hVOFbÜgCu 
oder nKanneu genannt, welcher schildartig gebogen war, um die Schenkel des Reiters zu schützen 
(38. 10_12). Die Pferderüstung war fast noch so wie früher; nur die Ueberdecken hatten sich 
verlängert und das Stirnblech, welches sonst unter der Decke lag, kam wieder auf dieselbe zu 
liegen; dasselbe wurde jetzt häufig als Schmuckstück behandelt und selbst mit Edelsteinen besetzt. 
Damals wurde auch die sonst nur spärlich vorkommende Trense allgemein, jener leichte Zaum mit 
seinen Zügeln und seinem gebrochenen Gebisse. 
Das 15. Jahrhundert erfand keine neuen Trachtenformen, aber es entwickelte die Tracht 
der abgelaufenen Epoche und löste sie endlich in eine Menge von widersprechenden Formen auf, 
welche in ihrem Ausgleiche eine völlig neue Tracht zur Folge hatten; diese aber gehört bereits dem 
16. Jahrhundert an. Die Veränderungen in der männlichen Tracht während der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts erstreckten sich auch aufdieBeinbekleidung. Diese bestand 
noch, wie seither, aus zwei Langstrümpfen von elastischer Wolle sowie von Leder oder von Tuch. 
Die elastischen Beinlinge waren zumeist oben zusammengenäht, die aus derbem Stoffe aber wurden 
einzeln angezogen. Man pflegte die Beinkleider obenher nicht mehr mit einem Gurte zu befestigen, 
Sendern SChIQSS Sie mit Knöpfen oder Bändern an das Hemd oder den Rock, jedoch nur vorn, da 
SOHSt bei der Enge dieses Kostümstückes das Bücken unmöglich geworden wäre; dabei war jedoch 
nieht Zu Vermeiden, dass es bei dieser Gelegenheit über den Hinteren herabglitt. Da nun auch der 
ROCk immer kürZer wurde, so sah man sich wenigstens hinsichtlich der Beinlinge aus unelastischem 
Zeuge zu einem neuen Schnitte genötigt und suchte den Unterleib hinten und vorn zwischen beiden 
Beinlingen dadurch zu decken, dass man die Aussenteile der Beinlinge obenher breiter machte als 
seither; doch erwies sich auch diese Verbesserung ungenügend und so ging (man um die Mitte des 
Hottenroth, Tä-achten. n. Band. 2. Aufl, 12
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.