Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905072
greifenden Plättchen, welche da, wo sie, die Gelenke der Finger bedeckten, die Form von kleinen 
Kacheln hatten. Je mehr man die Kunst in Eisen zu treiben erlernte, desto bequemer gestaltete 
man auch diese Fingerplättchen. Die Schienbeinhülse verlängerte man durch mehrere bewegliche 
Plättchen über das Fussblatt zu einem Schienenschuhe, welcher sich mit der Zeit zu einem Glieder- 
schuhe mit langer Spitze ausbildete; da sich diese Spitzen aber beim Fusskampfe hinderlich er- 
wiesen, so kam es vor, wie bei Sempach (1386), dass die Ritter, nachdem sie abgesessen, sich die- 
selben von ihren Eisenschuhen hinweghieben. Statt der Schnabelschuhe bediente man sich auch 
anderer kürzerer Eisenschuhe mit lanzettbogenförmiger Spitze (38. so). 
Der ärmellose Waffenrock, welchen man über den Panzer zu legen pflegte und der seither lang 
und faltig gewesen, folgte dem Zuge der bürgerlichen Mode und wurde allmählich enger und kürzer; 
er reichte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts gewöhnlich bis an die Kniee und war vorn, bis- 
weilen auch an den Seiten, von den Hüften an bis untenhin aufgeschlitzt. Man verfertigte den 
Rock aus Tuch, nicht selten auch von Sammet oder Seidenzeug, fütterte ihn überdies nach Vermögen 
mit kostbarem Pelzwerke und verzierte ihn mit dem eingestickten Wappenbilde des Besitzers. Noch 
mehr verengte und verkürzte man den Waffenrock in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, so dass 
er endlich den Körper fest umschloss und kaum noch den Unterleib bedeckte; in dieser Form 
nannte man ihn nLendneru. Er wurde nicht mehr von Tuch, Sondern von dickem, weichem Leder 
gefertigt, teils ohne Aermel, teils mit kurzen Aermeln, und vorn oder auch an der Seite und selbst 
hinten zugeschnürt oder verknöpft. Man liebte es, den Lendner möglichst glänzend auszustatten, 
ihn nach der Farbe des Wappenschildes zu färben oder mit farbigem Sammet zu überziehen, in 
welchen dasWappenbild eingestickt war. Wo der Lendner lediglich als Schutzhülle diente, liess 
man ihn schmucklos und verstärkte ihn mit ilngerdickem Leder, welches seinerseits wiederum 
mit eisernen Schienen beschlagen war oder mit kleinen Rundblechen und jener eisernen Brustplatte, 
die man sonst unter der Brünne auf dem Gambeson zu tragen pflegte. Der ritterliche Gürtel 
war ein sehr charakteristisches Schmuckstück des 14. Jahrhunderts; an den Grabdenkmalen aus 
jener Zeit erscheint der Gürtel stets als ein kunstvolles Kleinod, selbst wenn die übrigen Gewand- 
stücke noch so einfach sind. Der ritterliche Gürtel wurde gleich dem bürgerlichen ziemlich tief 
unter die Hüften angelegt. Zur Zeit, da er noch nicht durch Beschläge seine Geschmeidigkeit cin- 
gebüsst hatte, wurde er mit einer Schnalle geschlossen, mit dem vorderen Ende untergesteckt und 
knotenartig verschlungen. Später, als man den Gürtel bis zur Unförmlichkeit verbreiterte und völlig 
mit Metallplatten besetzte, geschah sein Verschluss mittelst einer grossen Agraffe. 
Helme kommen während des 14. Jahrhunderts in mehreren Formen vor: als kleine Kessel- 
haube oder Bassinet, als grosse Kesselhaube oder Visierbassinet, als Topfhelm und als Eisenhut. 
Das Bassinet war anfangs am unteren Rande gerade abgeschnitten (37. 24.11); in der zweiten Hälfte 
des Jahrhunderts aber stieg es über Wangen und Nacken herab (37.1a_19. 21). Dieser Helm hatte 
häufig ein spitz vorspringendes Visier, welches man über das Gesicht herunterschlagen und gegen die 
Spitze der Glocke hinaufschlagen (37. 18) oder auch vermittelst eines Scharnieres an der linken Seite 
öffnen konnte (38. 2a); dies war der eigentliche Schlachthelm in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
(38. 9. Schlacht bei Sempach). Zuvor war es üblich, wie schon oben bemerkt wurde (S. 75 und 76), 
den Topfhelm über das einfache Bassinet zu stülpen (38. 2. Schlacht bei Ampfing). Der Topfhelm 
reichte anfangs nicht bis auf die Schultern; später aber wurde er derartig verlängert, dass er auf den 
Achseln aufsass und auf Brust und Rücken befestigt werden konnte (43. 10. 17); er hatte einen oft mit 
Messing eingefassten Spalt für die Augen und an der Seite kleine Löcher, häufig auch einen kreuz- 
förmigen Einschnitt zum Einströmen der Luft. Die Scheiteldecke des Helmes war anfangs flach, 
später aber kegelförmig; auf diese Hirnplatte pflegte man das ritterliche Emblem, das sogenannte 
nKleinodu, zu setzen (37. 20), ebenso die nHelmdeCkenu, welche mit der Zeit immer grösser gemacht 
und am Rande ausgezackt wurden (38. 10.12). Der Topfhelm war der eigentliche Turnierhelm des 
späteren Mittelalters und wurde deshalb auch w-Stechhelm-x genannt; er Findet sich fast immer auf
        

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