Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905057
 Für das 14. Jahrhundert lassen sich nur sehr wenige kostümliche Merkmale nachweisen, 
durch welche sich die einzelnen Klassen der bürgerlichen Gesellschaft von einander unter- 
schieden. Die Juden mussten, wie schon früher, nach kirchlicher Satzung durch ihre Kleidung von 
der übrigen Gesellschaft abgesondert erscheinen. Vorgeschrieben waren ihnen lange Gewänder mit 
gelbem oder gelbrotem Besatz in Gestalt eines Rades oder eines Viereckes auf der Brust des Leib- 
rockes (29.15) oder auf. einer Schulter des Mantels, sowie ein kegeliger oder hornartig gebogener 
Hut von derselben Färbung (vergl. 11. 22); doch wechselten die Abzeichen mit dem Orte (vergl. 
11. 24. 27). Die Unterschiede in der Tracht der Handwerker wurden durch das Handwerk selbst 
bedingt; als handwerkliches Merkzeichen kam hier und da schon die Schürze vor (55. 2a). Im Wider- 
sprüche mit der nun rascher wechselnden Mode verharrte der Stand der Geleh rten bei dem würde- 
vollen Kostüm des 13. Jahrhunderts. Die Gelehrten trugen fast durchgängig ein bis zu den Füssen 
reichendes Gewand von massiger Weite, meist ringsum geschlossen und nur mit einem Brustschlitze 
versehen, in den Aermeln lang und ziemlich weit; dazu noch einen Gürtel und die Gugel. Wo sich die 
Gelehrten der Mode anschlossen, geschah es bedächtig und mit Mass (vergl. 36. 9). Möglich, dass 
sich damals schon die verschiedenen Stände der Gelehrten durch die Farbe der Gewänder von ein- 
ander unterschieden. Auch die amtliche Kleidung der städtischen Behörden war noch 
so, wie sie allerwärts getragen wurde; doch machten sich schon um die Mitte des Jahrhunderts in 
den grösseren Städten Ausnahmen bemerklich. In Augsburg waren für die Ratsherren weite, mit 
dunkelem Pelze verbrämte Ueberröcke von schwarzer Farbe vorgeschrieben, sowie schwarze Mützen 
oder fiache Hüte nebst Schuhen und Strümpfen aus einem Stücke. Die niederen Beamten, 
wie Boten, Büttel und Profosen, trugen die gewöhnliche Kleidung in den Wappenfarben der Stadt 
oder mit dem städtischen Wappen in Stickerei. 
Der Ornat der Reichsfürstcn hatte im 14. Jahrhundert noch immer keine feststehenden 
Formen angenommen, wenn er auch manche Besonderheiten aufwies, durch welche er sich von der 
allgemeinen Tracht unterschied; diese Merkmale waren aber schon am Schluss des 13. Jahrhunderts 
vorhanden (vergl. 34. 4045). Darstellungen der kurfürstlichen Tracht während der ersten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts liefert uns das sogenannte Balduineum, eine mit Kleinmalereien geschmückte 
Handschrift des Trierer Erzbischofs Balduin von Lützelburg, welcher dieselbe zur Erinnerung an 
seinen Bruder, den Kaiser Heinrich VII., hatte anfertigen lassen (38.1.  Hier erscheinen die 
Kurfürsten (37. a. 4. 38. a. 4) in gleichmässiger Tracht und zwar in langem, weitem Unterkleide mit 
Kapuze oder einer eigenen Gugel, einem etwas kürzeren Oberkleide, dem Tappert, das an den 
Seiten herab geschlitzt ist und die Pelzfütterung erkennen lässt, mit welcher auch die Kapuze aus- 
gestattet, und mit einem einfachen Rundkäppchen von roter oder gelber Farbe. Ihr auszeichnender 
Schmuck ist ein breiter Schulterkragen von Pelz, über Welchem die Kapuze liegt. Eine Steinskulptur 
am Mainzer Dom aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts (38. 5.41) lässt uns den königlichen Ornat 
noch in völliger Uebereinstimmung mit dem der abgelaufenen Epoche erkennen (38. v. vergl. 34. 35). 
Derselbe Dom beherbergt ein weiteres Zeugnis für den königlichen Ornat in dem Grabmale 
des Erzbischofs Peter von Aspelt (oder Aichspalt), welches den zwanziger Jahren dieser Epoche 
angehört und zugleich die Bildnisse der von Aspelt gekrönten Könige Heinrich VII., Ludwig dem 
Baier und Johann von Böhmen aufweist. Auch hier stimmt die Tracht im grossen und ganzen mit 
der damals unter den höheren Ständen herrschenden Mode überein: Schuhe und Strümpfe (37.  
ein bis in die halben Waden reichendes Unterkleid von mässiger Weite mit langen engen Aermeln 
und Kapuze, ein weiter halbkreisförmiger Schultermantel, die Hoike, an der rechten Seite offen, 
über die Achsel her aber geschlossen. Einen besonderen Schmuck bildet nur der breite Schulterkragen 
von. Hermelin, über welchem die Kapuze hervorsieht, und das auf dem Kragen sitzende Wappen; 
dazu kommen noch Krone, Scepter und Reichsapfel. Die genannten Könige sind bartlos und haben 
halblanges, welliges Haar. Ein gewichtiges Zeugnis für den Ornat Ludwig's des Baiern bietet eine 
dem Jahre 1337 angehörende Urkunde mit einem Belehnungsbilde als Initial (38. 16.11) und einem
        

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