Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905046
Als Kopfbedeckung stand unter den Frauen die Gugel allgemein in Gunst (36. 1a. 52. a1). 
Daneben kam in der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter den verheirateten Frauen eine eigene 
Art von Kopfhüllen auf, welche sich zwar aus gegebenen Stücken entwickelt hatten, in ihrer 
jetzigen Form aber durchaus neu waren, nämlich die Kruseler oder Hüllen; der erste Name 
stammt von der Krause, der zweite besagt so viel wie Hülle. Der Kruseler war eine Haube von 
weisser Leinwand oder Seide, welche den Kopf möglichst eng umschloss und um das Gesicht her 
einen Besatz von gekräuselten Streifen hatte. Mit diesen Streifen wurde grosser Luxus getrieben, 
indem man ihre Anzahl dergestalt vermehrte, dass ein dicker Wulst daraus entstand; diesen liess man 
auch auf die Achseln herabfallen (36. 17). In Verbindung mit dem Kruseler pflegten die Frauen eine 
weitere Hülle anzulegen, einen Gimpf, mit welchem sie Kinn und Hals verhüllten (Fig. 18.  auch 
der Gimpf war nicht selten an seinem unteren Rande mit einem Wulste von Krausen ausgestattet 
(36.21. 37.1); mit diesem Besatze versehen legte man ihn über den Mantel an, ohne denselben aber 
unter den Mantel. Der Gimpf Fig. I3 man den Schleier am Kinne 
scheint seit Ausgang des 1 2 3 zusammen (Fig. 18.s_ri) und 
13. Jahrhunderts als ein nur       befestigte ihn mitNadeln am 
denWitwen zustehendesGe-  Ygäffjffi, ü" Gimpfe; der Schleier war 
wandstück aufgekommen zu       kreisrund und nur an dem 
sein; doch wurde er später   Fr   das Gesicht umschliessenden 
bei vielerlei Gelegenheiten  i "    l Teile des Randes gerade ge- 
     H.      
getragen und begegnet uns  V I   11- l schnitten (Fig. 18. s); hier 
in den Abbildungen auch bei  fette  ,  i, wurde erauchleicht gefaltelt. 
Frauen, welche vor ihren  i; K "i   l i  5 Ein anderes Kopftuch, wel- 
Männern gestorben sind. A    7 ches man gegen Ende des 
Eine andere Kopfbedeckung   g  14. Jahrhunderts über den 
glich einem kurzen Schleier,    x r Kruseler zu legen pflegte, 
Weichen man haubenartig   R.- i a;  warrechteckigimZuschnitte; 
umlegte; man liess denselben    dasselbe wurde doppelt ge- 
über die Stirne herab bis auf l .143, Ä,  nommen, in der Bruehfalte 
die Augenbrauen fallen und    ein wenig gerollt und hier 
seitlich über den Gimpf(Fig.  KT"! sFi-l   Ä? über der Stirne dachförmig 
18. i. 2). Im letzten Drittel   ,  8 gebieeheii (a7. i). Häufig 
des 14. Jahrhunderts nahm begegnet uns in den Abbil- 
dungen noch eine Art von Kinnband, das über den oberen Rand des Gimpfes hervorsieht 
(Fig. 18. a. 4. 5. 1); dieses Band scheint ein Abzeichen der Trauer gewesen zu sein. 
Die weibliche Jugend benützte ausser der Gugel keine der genannten Kopfhüllen, sondern 
behielt noch lange den Schmuck der verschiedenartigen Kränze und Reife aus dem vorigen Jahr- 
hundert bei. Auch liess sie noch wie damals das Haar frei und in aufgelöster Fülle herabfallen, 
eine Mode, welche früher allen Damen gemeinsam gewesen; erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts 
begannen auch die Mädchen das Haar gleich den verheirateten Frauen in Zöpfe zu verflechten und 
dieselben frei hefabhängen zu lassen oder, wie jene, spiralförmig um beide Ohren (36. s. 15) oder 
um den Kopf zu winden. Frauen, welche vor Gericht einen Eid abzulegen hatten, mussten auf 
ihre Zöpfe schwören. Vor der Eidesleistung wurden die Zöpfe auf ihre Echtheit untersucht; denn 
ebenso ausgiebig, wie heute noch, pflegten die Frauen jener Tage den Mangel an natürlichem Haare 
durch fremdes zu ersetzen. Die Frau musste bei der Eidesleistung ihre Flechten um die linke 
Hand wickeln und diese auf die Brust legen, die rechte Hand aber auf den Amtsstab des Richters, 
welcher ihr den Eid abnahm. Die schwäbischen Frauen wickelten nur einen Zopf um die Hand, ver- 
mutlich, weil sie ihr Haar überhaupt nur in einen Zopf zu verflechten liebten. Die Fussbekleidung 
der Frauen glich jener der Männer und hatte vorn einen Schnabel.
        

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