Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905024
lieh verhaftelt. Jede Haftel (Krappe, Krampe) bestand aus zwei Stücken (Fig. 17. l- a); das eine Stück, 
an welchem sich der Haken befand, war an einem Rande des Schlitzes inwendig, das andere am 
gegenüberliegenden Rande auswendig festgenäht. Rüdenknechte und Jäger zu Fuss trugen Ledersen, 
welche das Knie freiliessen und über das Schienbein herab vernestelt wurden; die kurzen Ledersen 
waren noch im nächsten, die langen noch im übernächsten Jahrhundert in Gebrauch (48. 5. 60.15). 
Eine eigene Fussbeklcidung war minder üblich als früher; namentlich während der zweiten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts begnügte man sich häufig mit ledernen Sohlen an den Füssen der Beinlinge. Die 
Schuhe umschlossen entweder den ganzen Fuss bis zum Knöchel oder waren auch tief ausgeschnitten 
und mit schmalen Seitenlaschen versehen, welche man über dem Spanne verknöpfte. Bei der Neigung, 
den Körper so lang und schlank als möglich erscheinen zu lassen, liess man sowohl die Spitzen der 
Schuhe wie der Beinlinge in immer längere Schnabel auswachsen; und so zeigte sich am Ende des 
Jahrhunderts die männliche Tracht an den Füssen, am Kopfe und an den Aermeln mit Schwänzen 
versehen. Nicht selten stellte man die ganze Kleidung von der Spitze der Gugel bis zur Spitze des 
Fusses in gleicher Farbe her, oder man verteilte möglichst grell von einander abstechende Farben 
über den ganzen Körper, dergestalt, dass die Farben auf der einen Seite oben den Farben auf der 
anderen Seite unten entsprachen oder umgekehrt. Häufig wählte man für jedes Bein einen anders- 
farbigen Stoff; der beliebteste Stoff war ein aus feinster Wolle hergestellter Scharlach in Rot und 
Braun, sowie in Grün, Blau, Weiss und Schwarz. Der Name des Stoffes ging mit der Zeit vorzugs- 
weise auf den rotfarbigen und von diesem auf die rote Farbe selber über. 
Der M ant el kam immer mehr ausser Gebrauch; man beliess ihn bei seiner alten Halbkreis- 
form und verschloss ihn auf der rechten Schulter mit einer Agraffe oder der Mode entsprechend 
mit mehreren Knöpfen (36.14.14). Auch bediente man sich kreisförmiger Ueberhänge, welche in 
der Mitte mit einem Kopfloche versehen (41. e) oder vorn herab völlig geöffnet und mit Knöpfen 
besetzt waren. Die halbkreisförmigen Mäntel hiessen nHoikenu, die runden nGlOCkCnu. Aus der Glocke 
machte man einen Rock zum Ueberziehen, indem man sie an den Seiten mit Schlitzen für die Arme 
versah (33. ß. 52. 4. 55. 5. 24), oder auch völlig aufschnitt (37. 2_4. 40. I5. 4]. s). Dieser Ueberrock er- 
hielt im 14. Jahrhundert den Namen nTappertu (Trapphart, Trappert) und eine vielfach wechselnde 
Form. Man versah den Tappert mit Aermeln, die kurz oder lang, weit oder enge waren und selbst 
mit Aermeln in Form von Säcken (40. s). Der Tappert reichte gewöhnlich bis auf die Füsse (37. o) 
und war häufig vorn vom Gürtel an abwärts geschlitzt (316). Die Jugend beliebte einen kurzen 
Ihppert, Welcher nur bis zu den Knieen herabstieg. 
Neben der Gugel kamen gegen Ende des Jahrhunderts noch andere Kopfbedeckungen 
auf, über deren Form und Herstellung weiter unten berichtet wird (S. 87). 
Die Art, Haar und Bart zu tragen, veränderte sich gegen früher in einer mehr natur- 
gemässen Richtung. Von den Karolingerzeiten an war man dem Barte wenig zugethan, ja der Bart 
galt zeitweise sogar als ein Zeichen der Schmach, sodass man den Uebelthätern verbot, ihn hinweg 
zu rasieren, und dass diejenigen, welche sich entehrt glaubten, ihn so lange ungeschoren liessen, 
bis sie Sühne gefunden hatten, Jetzt aber kam dieser Schmuck des Mannes zu seinem Rechte, ent- 
weder in ganzer Fülle oder als Knebel. Kaiser Ludwig der Baier (38.16. is) war noch glatt im 
Gesichte, seine Nachfolger aber trugen Bärte. Das lange Haupthaar wurde verkürzt, aber wohl- 
gepflegt, gescheitelt und gelockt; nur die Stutzer verharrten bei dessen weibischer Länge. Gegen 
Ende des 14. Jahrhunderts kam unter beiden Geschlechtern die wundersame Mode der Schellen in 
allgemeine Aufnahme. Die Schellen waren schon im vorigen Jahrhundert unter ritterlichen Jünglingen 
als Schmuckmittel bekannt; im Parzival erscheint der junge Ritter Segramors mit Schellen behängt, 
und Ulrich von Liechtenstein erzählt von einem Herrn Ilsung, dass er gegen fünfhundert Schellen 
an sich getragen habe. Doch gehörte solch ein klingender Schmuck zu den Ausnahmen und wurde 
auch noch lange Zeit hindurch nur als Herrenzierde betrachtet. nWQ die Herren sind, da klingeln 
die Schellenu, sagte man damals im Sprichworte. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts aber wurden
        

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