Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905002
vollständig auftrennte, ist die Schcidelinie, welche das moderne Kostüm von dem antiken trennt; 
dieser Schnitt machte aus der Tunika, die man überzog, einen Rock, den man anzog. Zwischen 
den dreissiger und vierziger Jahren griff die in Frankreich entstandene Mode der engen Kleider in 
Deutschland immer weiter um sich. Man begann seine Kleidung ebenfalls enger und kürzer zu machen, 
zu schlitzen, mit Knöpfen zu besetzen und an den Rändern in kleine Lappen zu zerschneiden (36. 7. 14). 
Namentlich die vornehme Jugend beliebte den Rock nach und nach so enge, dass er sich genau 
und faltenlos um Arme, Brust und Hüften anschloss, und so kurz, dass er nicht mehr die Knie- 
scheibe erreichte (36. 10. 18. 55. 14. 16. Fig. 20.  Der Rock wurde vorn bis zur Herzgrube oder 
bis zum Unterleibe, nicht selten auch der ganzen Länge nach aufgeschlitzt, ebenso untenher an beiden 
Seiten, desgleichen an der Rückseite seiner Aermel vom Handgelenke bis zum Ellbogen, und nament- 
lich vorn und an den Armen mit kleinen Knöpfen verschlossen. Häufig liess man die Aermel über 
die Handwurzel manschettenartig herabsteigen (36. s. 10. 1a) und schmückte sie an den Achseln mit 
Lappen oder mit langen Schnüren, die mit Quasten besetzt waren und hinten von den Schulter- 
blättern bis auf den Boden reichten (36. 13). Der Rock war von solcher Enge, dass man sich kaum 
noch darin bücken und bewegen konnte; selbst die ritterlichen Uebungen litten unter dieser Enge; 
es wird ausdrücklich berichtet, dass Laufen, Springen und Werfen unmöglich und die jungen Ritter 
steif wie Holzscheite gewesen wären. Der Name dieser Zwangsjacke war nScheckeu, eine Be- 
zeichnung, die vermutlich von dem nach englischer Weise ausgesprochenen Worte nJackeu stammt. 
Der bürgerliche Rock (36. 1.1) war länger und führte den Namen nWamsu; dieser Name war von 
dem Unterfutter der Panzerrüstung, welches Gambeson oder Wambeson, auch Wammesin hiess, 
auf die bürgerliche Kleidung übergegangen. Leute ritterlichen Standes legten die Schecke statt des 
bisher üblichen Schapperun über den Panzer; in dieser Anlage nannte man die Schecke vLendneru. 
In der letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand die Schecke ritterlicher oder vornehmer Leute 
aus zwei übereinander angelegten Röcken; der eine, welcher unten lag, hatte lange Aermel und eine 
Kapuze oder Gugel, der obere aber hatte kürzere Aermel, welche anfangs nicht über den Ellbogen 
(36. 1a), später jedoch vorn bis in die Armbeuge und hinten über den Ellbogen herabstiegen, so 
dass sie nicht selten den Boden berührten; Stutzer trugen solche Aermel mit Seidenzeug oder 
Pelzwerk gefüttert, sowie am Rande in Lappen zerschlitzt (36. s. 11). Auch die Knöpfe wurden 
dergestalt Modesache, dass mancher Fant fünf bis sechs Schock derselben auf dem Leibe trug. Der 
Gürtel blieb, obschon er bei der grossen Enge des Rockes überliüssig geworden, gleichwohl als 
Schmuckstück fortwährend in Gebrauch; er wurde meistens aus Metallplatten zusammengesetzt, aber 
nicht mehr über, sondern unter die Hüften angelegt und hier durch verdeckte Haken in seiner 
Lage gehalten (36. s. 10. 11. 13). Ja der Gürtel hatte damals so sehr an Bedeutung gewonnen, 
dass er als standesgemässe Auszeichnung namentlich unter den ritterlichen Geschlechtern in Ehren 
stand; man pflegte Tasche und Dolch am Gürtel zu befestigen (36. 1. s. 14. 52. 19. 20). 
Das tagewerkende Volk konnte von der engen atemraubenden Schecke keinen Gebrauch 
machen und verblieb bei seinem gewohnten weiten und bequemen Rocke. So kam es, dass der 
längere Rock, welcher im 13. Jahrhundert das Vorrecht der Herren gewesen, jetzt den niederen 
Mann kennzeichnete. Auch bethätigte sich der Umschlag in der Mode noch darin, dass die Kapuze 
oder Gugel, welche seither nur von dem niederen Volke und von denlMönchen getragen worden, 
von Herren und Damen aber nur auf der Jagd oder Reise, jetzt auch unter den oberen Ständen 
allgemein wurde. Früher war die Gugel zumeist ein Teil des Rockes; sie wurde mit diesem aus 
dem Ganzen geschnitten (S. 71. Fig. 19. 1), an beiden Seiten zusammengenäht und mit einem 
Querschlitze für das Gesicht versehen. Jetzt trat die Gugel fast durchweg als selbständiges Gewand- 
stück auf (Fig. 19.  sie wurde zuweilen vom. Kinne bis zum unteren Rande geschlitzt und mit 
Knöpfen geschlossen (ngeknäufte Gugelu 36.10), ja selbst über das Gesicht herauf verknöpft, so 
dass man Sie hier öffnen musste, wenn man sprechen oder essen wollte. Die Neigung, den Körper 
länger erscheinen zu lassen, als er war, liess auch die Spitze der Gugel verlängern, so dass die- 
Hottenroth, läachten. II. Band, 2. Auü. 11
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.