Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904997
I1 
ganzen Kopf umgaben, am Halse anlagen und unter dem Kinne durch einen eisernen Bügel fest- 
gehalten wurden. Gegen Ende dieser Periode machte man den Topfhelm nach untenhin gleich- 
weit, spitzte ihn aber nach obenhin zu (28. 25. 20) und überzog ihn mit einer Decke, um ihn vor 
Rost und Erhitzung durch die Sonne zu schützen. Auch brachte man Hörner, Flügel, Geweihe, 
Tiere, Hände, Füsse und selbst Windmühlen und sonstige Gegenstände, die häufig von sehr phan- 
tastischen Formen, als auszeichnenden Schmuck auf dem Helme an. Gegen Ende des Jahrhunderts 
bedeckte man den Kopf nicht mehr mit der Kapuze des Panzerhemdes, sondern mit einer ge- 
spitzten Beckenhaube (33. 20), dem nBassineta, welche das Gesicht freiliess und rückwärts an die 
Halsberge des Panzers mittelst Oesen und durchgesteckter Spangen befestigt war. Der am Kinne 
herabhängende Lappen der Halsberge wurde über das Gesicht heraufgenommen und vorn am 
Bassinet mit einem Reiber befestigt. Die mit den Kettenhosen zusammenhängenden Schuhe waren, 
der Zeitmode folgend, häufig mit Schnäbeln von einem bis zwei Fuss Länge ausgestattet. Auch 
bedeckte man den Rist des Fusses mit einem Schnabelschuh aus Blechen, welche der Quere nach 
neben einander auf Leder genietet waren (35. 22); dieser Schuh hatte keine Sohle. 
Der lange Schild des 12. Jahrhunderts, welchen man mit einem Riemen am Halse zu tragen 
pflegte, wurde, da er namentlich zu Pferde schwer zu handhaben war, durch einen kleineren Schild von 
der Form eines gleichseitigen Dreiecks ersetzt (33. 20. 24. 25), den kleinen nEcüu, der zumeist völlig flach, 
selten halb cylindrisch gebogen war und am Arme getragen wurde. Das Schwert war zweischneidig 
und gespitzt; es verlängerte sich gegen Ende des Jahrhunderts zu einer gewaltigen Waffe, welche 
von den Hüften bis auf den Boden reichte. Die sonst gerade Parierstange wurde nicht selten mit 
ihren Endstücken ein wenig gegen die Klinge geneigt; diese Form ist charakteristisch für die 
Schwerter des 13. Jahrhunderts (28. 22-24). Dieselbe Biegung erhielt auch das Stichblatt des 
Dolches. Erst damals fing man an, Schwert und Dolch mit Schnallen zu befestigen. Die Lanze 
bewahrte noch ihre alte Form; der Schaft war etwa 12 Fuss lang, glatt und rund. Daneben kam 
damals der Turnierspeer auf, welcher bald auch in der Schlacht benützt wurde; derselbe hatte 
einen eisernen Griff in Gestalt einer Rundscheibe und verjüngte sich häuüg nach oben und unten 
hin, während er an der Stelle, wo die Scheibe sass, am dicksten war. Man begann in jener Zeit 
den Stachel am Sporn durch ein kleines Stachelrad zu ersetzen; doch war der Radsporn schon im 
9. Jahrhundert bekannt, wie ein Fundstück im Grabe von Ludwig des Frommen unglücklichem 
Oheime Bernhard beweist. Der Sattel hatte sehr hohe Vorder- und HinterpauSChen Oder Stege, 
welche Kreuz und Unterleib des Reiters schützten; die Rückenpausche erhielt Zu beiden Seiten 
nach vorn gewölbte Laschen oder Ohren, so dass sie ähnlich einer Sessellehne zugleich die Weichen 
deckte (35. s. 9. 19). Der Steigbügel behielt die alte dreieckige Form. Die Zäumung setzte sich zu- 
sammen aus Stirn- und Brustriemen, Kinnkette und Zügel mit StangengebiSS- Bfllstfiemen und 
Schabracken beliebte man oft reich verziert, mit Samet überzogen und mit Fransen, Schellen u. drgl. 
besetzt. Auch die sonstige Pferdeausstattung war noch die alte (siehe oben S. 30 u. 31). Ucber die 
gepanzerte nKuvertiureu pflegte man eine grosse Decke zu legen, welche ebenso, wie 1.9119, geteilt 
und geschlitzt, aus kostbaren Stoffen hergestellt, gestickt, mit Borten gitterWeiSfi bCSCtZt und 11H 
den Kreuzungspunkten mit metallenen Rosetten ausgeschmückt war. Es gab auch Rosspanzer, die 
völlig aus geflochtenem Ringwerke bestanden. 
Das Kostüm des 14. Jahrhunderts zeigte im Gegensatze zur Mode des 13. die Neigung, 
sich immer mehr zu verengen. Doch nahm diese Wendung erst nach den dreissiger Jahren dieser Epoche 
ihren Anfang; bis dahin blieben unter beiden Geschlechtern der wohlhabenden Stände die langen, 
würdevollen Gewänder mit dem grossen, Faltenwurfe üblich, welche noch immer an die römischen 
Trachten erinnerten, von welchen sie ausgegangen waren. Der ehrenfeste Bürger änderte Sein 
langes Oberkleid nur insofern ab, als er es vorn am Halsausschnitte bis auf den Leib (36. 1), Oft 
aber auch der ganzen Länge nach sowie untenher an den Seiten aufschnitt und den Vorderschlitz 
mit Knöpfen oder Nesteln verschloss. Der durchgehende Schnitt, welcher das Gewand vorn herab
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.