Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904982
Kaiser tragt, darüber die Kapuze des Unterkleides, die geistlichen Herren mit einem Rundkäppchen, 
die weltlichen mit der Kapuze des Unterkleides oder mit der gewöhnlichen Mütze bedeckt. In den 
handschriftlichen Abbildungen erscheinen Mantel und Kappchen rot gefärbt, jedoch nicht durchweg. 
Die damals gebräuchliche Mütze mit breiter, ringsum aufgestülpter und pelzbesetzter Krempe (34. 2) 
wurde erst später ausschliesslich zum kurfiirstlichen Barette. Die Auszeichnung des niederen Hof- 
staates bestand damals wohl zumeist in Gewändern mit den Wappenfarben seines Herrn; der Hof- 
narr, welcher auch zum Hofstaate zählte, wird uns in einem gleichzeitigen Gedichte mit einem 
Kukuk an dem Zipfel seiner Kapuze und mit Hosen von behaartem Kalbsfelle vorgeführt. Auch 
die städtischen Beamten mögen die Farben ihrer Stadt getragen haben. 
Die ritterliche Tracht erfuhr im 13. Jahrhundert nur geringe Abänderungen. Herrschend 
blieben noch durchweg die Panzer aus Ringen und Schuppen. Die Ringe wurden in senkrechten 
oder wagrechten Reihen auf Leder oder Leinwand festgenäht, und zwar dergestalt, dass sie sich 
stets zur Hälfte deckten, abwechselnd in der einen Zeile auf der rechten, in der andern auf der 
linken Seite; auf diese Weise wurden Rock, Hosen und Kapuze besetzt. Rüstungen dieser Art 
pflegt man ngeschobeneu Harnische zu nennen. Die Kapuze liess nur das Gesicht von den Augen 
bis unter den Mund frei. Die Aermel waren häufig mit Handschuhen verbunden; diese bestanden 
Zumeist in Fäustlingen, welche an der inneren Fläche ohne Ringe, hier aber mit einem Schlitze 
versehen waren, durch welchen man sie über die Hand an- und ausziehen konnte (33. is). Um 
die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts fing man an, die geschobenen Ringharnische mit Leder- 
streifen zu besetzen, so dass immer eine Reihe von Ringen mit einem Streifen von Leder ab- 
wechselte (8. 20. 2a). Als Unterfutter der geschobenen Harnische diente ein gepolstertes Wams 
(GambC-Son); auch um Kniee und Schienbeine legte man dicke, mit Werg gefütterte Lederwulste, 
um dem Druck des Harnisches zu begegnen. Eine Rüstung dieser Art war aber so schwerfällig und 
atemraubend, dass sie fast ebensoviele Leute zu Grunde richtete als das feindliche Schwert. Dai- 
her wurden sie nach und nach abgeschafft und schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
trugen wenigstens die begüterten Ritter fast alle Maschenpanzerhemde, welche lediglich aus in- 
einandergeflochtenen Ringen bestanden. Auch die Hosen waren aus Ringen (33. 1a. 2o__24); der Rock 
hatte gleichfalls eine Kapuze (33. 21. 24) und an den Aermeln ein Futteral für die Hand, zuweilen 
mit einem Nebenfutterale für den Daumen. Auch scheint es damals schon, wenn die Abbildungen 
richtig gedeutet werden, Handschuhe mit getrennten Fingern gegeben zu haben (Fig. 16. 6). Unter 
dem Haubert pflegte man auf der Brust noch eine grosse eiserne Platte zu tragen. Gegen Ende 
des Jahrhunderts wurde das Panzerhemd verkürzt und durch besondere Rüststücke aus gepresstem 
Leder oder Eisen verstärkt (33. 20. 22). Dies war der Anfang einer völligen Umgestaltung, die 
im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts den Ringelharnisch durch den Harnisch aus eisernen Platten 
verdrängte. Um das Erhitzen des Ringelharnisches durch die Sonne und seine die Augen schä- 
digende Blendung zu verhindern, legte man einen ärmellosen Rock, den nSchapperuna, darüber 
(33. is. 2a. 24), welcher vorn und hinten am unteren Saume geschlitzt war, zuweilen auch an den 
Seiten herab offen stand. Man gab dem Rocke dieselbe Farbe, die das Schildfeld des Wappens 
hatte, und stattete ihn gegen Ende des Jahrhunderts auch mit dem Wappen selbst aus. Neben 
dem Ringelharnische blieb noch der Jazeran in Gebrauch, jene Jacke, welche mit ziegelförmigen, 
nach dem Leibe gekrümmten Schuppen besetzt war. Als Kopfputz diente vor allem die Kapuze 
des Panzerhemdes; unter dieser lag eine mit Watte gepolsterte Haube (Bunthaube, Harnischkappe), 
welche unter dem Kinne gebunden wurde, oder statt der Haube eine eiserne, nach dem Schädel 
gewölbte Platte. In der Schlacht oder bei ritterlichen Spielen stülpte man über die Ringelkapuze 
statt des konischen Helmes, der früher üblich gewesen, einen topfartigen Helm von cylindrischer 
Form, welcher oben glatt, zuweilen aber auch abgerundet war (6. 22. 20. 22), bis über das Kinn 
reichte und Schlitze für die Augen hatte. Helme dieser Art waren schon am Schlüsse des 12. Jahr- 
hunderts bekannt; im 13. entwickelten sie sich zu völlig geschlossenen Helmen mit Visier, Welche den
        

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