Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904947
Zur Tracht der Männer aus vornehmem oder ritterlichem Stande gehörten 
Hemd, Bcinkleider mit Schuhen, Rock, Mantel und Kopfbedeckung. Das Hemd war im Mittelalter 
ein Gewandstiick so gut wie Rock und Mantel; es ersetzte im häuslichen Verkehr den Rock; bei 
Nacht wurde es ausgezogen". Das Linnenhemd, wie es heute Brauch, ist weniger ein Gewand, als 
ein Unterfutter der Gewandung. Als solches kam es damals wenig vor und blieb bis um die Wende 
des Mittelalters und der Neuzeit ein Luxusartikel selbst in fürstlichen Hausern. Die Königin Elisa- 
beth von England besass nur sechs Hemden und selbst noch Ludwig XIV. hatte Mangel an 
Leibwäsche. Das Hemd wurde erst im 18. Jahrhundert allgemein. Im Mittelalter galt das Hemd 
als Hausrock; es war, wie schon sein mit nHeima verwandter Name andeutet, für den Einzelnen 
das, was für die Familie das Haus war: eine schützende Hülle. Das Hemd wurde, soweit es an- 
ging, in die Beinlinge untergesteckt (11. 14). Die Llrväterlichen Leinwandhosen waren in den höheren 
Schichten damals nicht mehr gebräuchlich. Ueber das Hemd kam der Rock; auch der Rock wurde wie 
das Hemd über den Kopf herab angezogen; er lag obenher ziemlich fest und faltenlos am Körper; 
bei grösserer Weite aber wurde er mit einer Zugschnur am Kopfloche in Falten zusammen- 
gezogen und der Zug durch eine Borte verdeckt (33. s. 11). Von den Hüften an erweiterte sich 
der Rock allmälig nach unten hin; er stieg bis auf die Füsse herab, ohne dieselben zu verbergen 
(33. s. 11. 19). Die Aermel waren im Unterarme ziemlich eng, oben jedoch bedeutend weiter; sie 
wurden noch immer in die Seitennähte des Rockes eingesetzt; doch gab es damals schon, wenn 
nach den Abbildungen ein Urteil gestattet ist, dreieckig ausgeschnittene Armlöcher, infolgedessen 
der Rock in den Achseln sehr breit und vom Halsloche an ein wenig abfallend erschien. Der 
Rock führte auch kurze Aermel, welche die Acrmel des Hausrockes oder Hemdes blicken liessen 
(33- ß); C1" Wurde gegürtet; auf der Jagd aber oder bei ritterlichen Spielen zog man ihn unter dem 
Gürtel in die Höhe und liess ihn mit einem Bausche über denselben herabfallen (Fig. 1G. i). Der 
Rock des armen wie des.reichen Mannes war untenher geschlitzt und in Schösse geteilt; der 
K061i dCS unfreien Mannes hatte keine Schösse. Hinten und vorn sowie an beiden Seiten auf- 
geschlitzt war das Gewand des reichen Mannes in vier Schösse zerlegt, des armen Mannes Gewand 
durch Vorder- und RÜCkCnSChÜtZ aber nur in zwei; so wollte es das Gesetz. Die Rockschösse oder 
nGCrCna spielten damals eine wichtige Rolle; sie waren gleichsam zu einem Symbole geworden. 
Das Ablegen der Geren bedeutete den Verzicht auf ein Gut. Wollte der Forderer den Geforderten 
rechtlich greifen, so musste er ihn mit zwei Fingern in sein oberes Gewand oder an den Geren 
fassen. Auch wurde der Verurteilte am rechten Geren dem Vogt überantwortet. Da die Röcke 
von lederartigem starkem Zeuge waren, so vererbten sie sich häufig von Geschlecht zu Geschlecht; 
solch ein Erbstück stand innerhalb des Familienkreises in hoher Achtung, so dass man es selbst 
in abgetragenem Zustande noch für würdig hielt, eine religiöse Bestimmung zu erfüllen. So heisst 
es nicht selten in mittelalterlichen Testamenten: nIch vermache meinen besten Rock, den schwarzen, 
roten, blauen, dem Gotteshause zu N., damit aus ihm zum Heile meiner Seele eine Altardeeke, 
eine Priesterkleidung gemacht werden Auch gab die Dauerhaftigkeit des Stoffes Veranlassung zu 
einem Kleiderzinse.   
Schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts waren verschiedene Nebenformen des Rockes auf- 
gekommen, Ueberziehklcider, deren man sich statt des Mantels bediente. Da gab es einen Rock, 
der war weit und ärmellos wie ein Frauenoberkleid (33. u. 25). Man legte denselben auch als 
Waffenrock über die Rüstung (33.18), um die Augen vor dem reflektierenden Glanze des Metalls 
zu schützen; der Waffenrock reichte bis in die halben Waden und wurde gegürtet. Gegen Ende 
des 13. Jahrhunderts versah man ihn zuweilen mit weiten, ungefähr bis an die Ellbogen reichenden 
Aermcln; auch schnitt man ihn an der Vorderseite auf, zunächst bis in die Mitte der Oberschenkel 
(33. 15), später bis an den Leib (33. 21). Man zierte ihn damals noch selten mit Besatz, wohl aber 
brachte man schon hie und da sein Wappen darauf an. Eine andere Nebenform des langen Rockes 
war mit einer Kapuze ausgestattet und sehr weiten, mehr oder weniger langen Aermeln, in deren
        

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