Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904875
 
 
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5. 
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gundischer Mode ein besonderes Ueberziehleibchen, das ärmellos, an den Seiten tief ausgeschnitten 
und an allen Rändern mit Pelz oder mit breiten geperlten Borten besetzt war (32. 21). Bezüglich der 
Kopfbedeckungen ist uns abbildlich fast nichts überliefert; es scheint indes, dass die unzähligen 
Formen der in Deutschland sich drängenden Kopfpütze in Skandinavien Wenig Eingang fanden und 
die Frauen namentlich in den Städten auch in diesem Punkte sich mehr den niederdeutschen Trachten 
zuwandten, die ja von altersher bevorzugt waren. In Niederdeutschland wurde häuüg das Kopftuch 
allein angewandt, verdoppelt und verdreifacht, das Kinn umschliessend und die Schultern mit be- 
deckend. Auch pflegte man hier das Tuch durch eine Einlage von starkem Stoffe gerade mitten 
über der Stirne dachartig aufzusteifen. Sehr häufig war ein turbanähnlicher Kopfputz, ein 
breiter Wulst mit einer Sendelbinde umwickelt, welche unter dem Kinn herlief (vrgl. 42. 23). 
Dienende Weiber trugen einen Aufsatz in Form eines abgestumpften Kegels, darüber ein durchsichtiges 
Tuch, welches schirmartig über die Stirne reichte und hinten herabfiel (vrgl. 42. 7). Skandinavische 
Abbildungen, deren Ursprung aber, wie es scheint, in den Niederlanden zu suchen ist, lassen uns 
noch anderweitige Kopftrachten begegnen: ein knapp anliegendes Rundkäppchen, unter welchem die 
langen Flechten an den Schläfen hervortreten (30. a1) und einen gespitzten diademartigen Aufsatz, 
an beiden Schläfen mit Scheiben von getriebener Arbeit und mit Gehängen besetzt, das Haar in 
Flechten um den Hinterkopf gewickelt (32. 21). Damals kamen auch die langen wallenden Schleier von 
durchsichtigem Gewebe auf; dieselben wurden am Hinterkopfe befestigt. Die Abbildungen aus der 
zweiten Hälfte des 1G. Jahrhunderts (31) liefern den Beweis, dass es unter dem Landvolke noch eine 
Fülle von eigenartigen Kopftrachten gab, welche durch den Verkehr mit den slavischen Völkern in 
das Land gekommen waren. Das Landvolk war bezüglich der Tracht vielfach seine eigene Wege 
gewandelt. Modeformen, welche sich anderwärts schon lange ausgelebt hatten, Reste von ver- 
schwundenen Trachten fristeten auf den Inseln und in den abgelegenen Gebirgsthälern ein eigenes 
farbenreiches Dasein; man hatte sie dem Bedürfnisse angepasst und alte wie neue Schmuckstücke 
hinzugefügt. Dazu gesellten sich namentlich in den verkehrsreichen Städten die unablässig aus 
Süden heranflutenden Zeitmoden. Aus diesem Gemisch entstanden die skandinavischen 
Volkstrachten des 16. Jahrhunderts. Unberührt von der Mode verharrte nur, wie schon 
bemerkt, die Tracht der polarischen Völker bei dem, was Klima und Bedürfnis verlangten; sie ist 
aus diesem Grunde als die einzige urtümliche Volkstracht in Skandinavien zu betrachten. 
Die Lapp en (31. 1, 2), ein den Mongolen ähnlicher kleiner Menschenschlag mit Schlitzaüß n, 
gelblicher Haut und schwarzem straffem Haare, bekleideten sich damals, wie heute noch, miiätie- 
schlossenen Röcken, Hosen und Mützen oder Kapuzen, sämtliche Gewandstücke von Fell, im 
Sommer auch von Tuch. Obwohl neun Monate im Jahre der Boden ihrer Heimat mit Schnee bedeckt, 
herrscht doch im Hochsommer eine so grosse Hitze, dass die Lappen alsdann keines Schuhwerkes be- 
dürfen (31. i). lm Winter aber trugen sie damals lange, auf der Sohle platte, sonst aber wie ein Horn 
zugespitzte und gebogene Schuhe, Welche ihnen das Wandern über die Schnee- und Eisfelder er-_ 
möglichten. Ihre beliebteste Jagdwaffe war der Bogen samt Pfeilen; die Spitzen der Pfeile waren 
aus Stein. Noch vor einem halben Jahrhundert begegnete man in den Händen der Lappen steinernen 
Waffen und Werkzeugen. Wie die Männer waren auch die Weiber gekleidet. Am Tage der Hoch- 
zeit aber legten die Weiber mehrere Röcke übereinander an (31. 2), die reich mit Zobel oder 
Hermelin sowie mit bunten Tuchstreifen besetzt waren; das Oberkleid war kurz mit weiten Aermeln, 
untenher ausgezackt. Dazu kam noch ein Gürtel, um den Hals ein Schmuck aus durchbrochenen 
Blechstücken und jenen Perlen, die man in den heimatlichen Flüssen findet, auf den Kopf ein Hut, 
dessen Rand mit buschigen Wildschwänzen oder auch mit blattartig ausgezackten Fellstücken be- 
hängt war. Der Urbewohner des hohen Nordens ist der Finne; er hat blondes, rötliches oder 
völlig rotes Haar. Auch die Finnen bekleiden sich wie die Lappen vorzugsweise mit Fell. Damals 
trugen sie statt der Hosen Strümpfe aus Pelz (31. s), die ebenso wie die Aermel mit Riemen aus Elenhaut 
umwickelt waren; den Kopf umschlossen sie mit einer Pelzhaube. Ihre Schneeschuhe glichen denen der
        

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