Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904813
aber eines Mantels (28. 11). Der Mantel war häufig mit Pelz, dem sogenannten nKleinspaltu, gefüttert 
und halbkreisförmig im Zuschnitt; er wurde von hinten her leicht über beide Schultern gelegt und 
oben auf der Brust mit einem glatten Bande oder einer Doppelschnur festgehalten. Es war Sitte, 
die rechte Hand in die Mantelschnur zu legen, um sie straff zu spannen und den Mantel in seiner 
Lage zu halten (vrgl. 33.14). Vorauszusetzen ist noch, dass damals die Frauen, alter Gewohnheit 
folgend, unter dem Hemde eine Kniehose trugen, die ohne Boden und im Schlitze offen war; ferner, 
dass unter den tagewerkenden Frauen die Schleppen am Hauskleide nicht gebräuchlich waren, sondern 
Röcke, die höchstens bis auf die Knöchel Helen. In rauher Jahreszeit bediente sich das weibliche 
Geschlecht sämtlicher Arten von Ueberhängen, die auch unter den Männern ublich. 
Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts hinein wurde die Tracht der abgelaufenen Epoche 
mit geringen Veränderungen beibehalten. Die Abbildungen, welche der zweiten Hälfte dieses Jahr- 
hunderts angehören, lassen auf das Deutlichste den Anschluss der skandinavischen Tracht an die 
niederdeutsche erkennen. Die meisten Abbildungen sind noch ein Spiegelbild des Kostüms, das in 
der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Mode gewesen und nur ein kleiner Teil derselben gibt von dem 
Umschwunge Zeugnis, der sich bezüglich der skandinavischen Tracht in der letzten Hälfte dieser Epoche 
vollzog. Damals bestand die männliche Kleidung ausser dem Hemde zunächst aus engen, 
langen Beinlingen, welche sich oben zusammenschlossen und mit einer Schnur auf dem Leibe fest- 
gebunden wurden. Brauch war es, jeden Beinling von andersfarbigem Stoffe herzustellen. Zu den 
Beinlingen kam ein Rock, welcher bis an oder unter die Kniee reichte (28. 43. 45. 29.1. 21 u.  
obenher ziemlich anlag, unten aber durch Fältelung und einen Hüftgürtel zusammengefasst wurde 
(Fig. 14. 4); die Aermel des Rockes waren lang und eng (Fig. 14. s.) oder auch VOH beträchtlicher Weite 
(29. 21). Ueblich blieb namentlich unter den Tagewerkern und Seeleuten die alte Kapuze, die mit 
dem Rocke durch eine Naht verbunden war, häufig aber auch ein eigenes Gewandstück bildete 
mit einem Kragen am unteren Teile, welcher die Schultern bedeckte (29.1.3s. as). Das Oberkleid, 
das die besseren Stände über den Rock legten, reichte häufig bis auf die Füsse und erweiterte 
sich gleichmässig nach unten hin; man beliess dasselbe entweder gänzlich ohne Aermel (28. 48) oder 
erweiterte die Aermel (28_ 50), anfangs nur mässig, später aber so bedeutend, dass sie fast den Boden 
berührten. Dieser Ueberrock war vom Halse bis zur Brust aufgeschnitten (28. 4c) oder auch bis 
zum Gürtel und mit Nesteln oder Knöpfen besetzt; vornehme Leute trugen ihn mit Kleinspalt 
besetzt (28. 46. 48). Der Gürtel war noch durchweg nach alter Sitte von Metall und wie eine breite 
Charnierkette mehrfach gegliedert; doch wurde er nicht mehr ausschliesslich nur um die Taille 
(28. 44.  sondern auch als blosser Zierrat locker um die Hüften gelegt (29. 21). Der Mantel, welcher 
damals noch durchweg als ein vor der Brust geschlossener Rückenumhang im Gebrauch war, behielt 
zwar noch seine hergebrachte halbkreisrunde Gestalt (29. 10), wurde aber später verkürzt (28. 41. 42. 
29. 4a). Als Schutzkleid diente ein ähnlich zugeschnittener Mantel, welcher über die rechte 
Schulter herab zusammengenäht oder zum beliebigen Oeffnen und Schliessen mit Knöpfen aus- 
gestattet war (vrgl. 36.14); dieser Mantel führte gewöhnlich eine Kapuze und unterschied sich nur 
wenig von dem altväterischen Kapuzenumhange. Auf den Abbildungen findet Sich ausser den in 
Strümpfe endigenden Beinlingen keine Fussbekleidung angedeutet; gleichwohl dürfen wir wenigstens 
für die Leute aus dem Volke das von altersher übliche Schuhzeug voraussetzen. Die Beinlinge waren 
an den Zehen gespitzt und ausgestopft, auf der Sohle mit Leder unterlegt. Als Kopfbedeckung gab 
es neben der Kapuze verschieden geformte Mützen: Zipfelmützen mit aufgestülpter Krempe, die 
seitwärts geschlitzt (28. 41. 42. 29. 12. 1a), Sackmützen mit gesteiftem Rande (28. 4a. 45. so. 29. 
21.26. a4); dann aber, wenn auch seltener, die namentlich im 13. Jahrhundert in den südwestlichen 
Nachbarlanden sehr gebräuchliche, glattanliegende Haube, die unter dem Kinne gebunden wurde 
(29. 15). Das lange Haar als auszeichnender Schmuck verblieb nur noch den Königen (28. 4a). 
Die genannten Kleidungsstücke blieben etwa bis zur Mitte des Jahrhunderts in Schnitt und 
Form" ziemlich unverändert"; aber in der zweiten Hälfte dieser Epoche kam die Neigung, die Gewänder
        

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