Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904806
Mittelalters als notwendige Ergänzung im Einzelnen nachgeschlagen werden. Es war vor Allem das 
niederdeutsche Kostüm, wie solches sich an den Küsten der Nord- und Ostsee herausgebildet 
hatte, welches bei den Skandinaviern willkommene Aufnahme fand, da es dem Klima sowie ihrer 
Hauptbeschäftigung als Seefahrer besser entsprach als das hochdeutsche; das letztere war Luxus- 
tracht. Man kann behaupten, dass das deutsche Kostüm eher eingewandert ist, als die Deutschen 
selbst. Schon im 11. Jahrhundert, namentlich unter Olaf dem Ruhigen, hatten sich mit dem 
steigenden Luxus auch die neuen Moden entwickelt. Die Kostüme wurden entweder fertig ein- 
geführt oder doch nach fremden Mustern im eigenen Hause beschafft. Die skandinavischen Eigen- 
heiten, welche uns in den abbildlich überlieferten Kostümen begegnen, sind nur Abänderungen, 
wie sie das nordische Klima verlangte. Im Grunde genommen ist nur das Kostüm der hoch- 
nordischen Völker, der Lappen und Finnen, als urtümlich zu betrachten; nur dieses wurde von 
altersher ausschliesslich durch das Bedürfnis und niemals durch fremde Moden bestimmt. 
Es ist vorauszusetzen, dass die Leute aus dem Volke, namentlich die Ansiedler in den 
weltverlornen Gebirgsthälern, von lder Mode nur wenig berührt wurden. Sicherlich trugen diese 
auch noch im 13. Jahrhundert die altväterischen Leinwandhosen, welche um die Beine verschnürt 
wurden, oder die kürzeren Hosen mit Strümpfen, sowie den Rock, der zugleich Hemd war (28. 1), 
darüber nach Bedarf eine Felldecke, den Feldr, in beliebiger Weise umgeschlagen (28. 5), oder statt 
der Decke einen zweiten Rock mit fester oder besonderer Kapuze, mit langen Aermeln oder auch nur 
mit Armschlitzen (28. 2), Schnürschuhe an den Füssen und auf dem Kopf einen Hut mit hängender 
Krempe. Das Oberkleid mit Kapuze wird unter allen Ständen dieselben Wandlungen durch- 
gemacht haben wie auch in den südwestlichen Nachbarlanden (vrgl. 6. 23. 25. 18. 22. 24. 33. s. 34. 7). 
Den wenigen Abbildungen aus jener Zeit zufolge trugen die Mann er aus den besseren Ständen (28. 
c. s) knappanschliessende Langstrümpfe oder Beinlinge ohne Schuhwerk, aber vermutlich mit einem 
Lederstücke auf den Sohlen, einen Rock, welcher bis an die Kniee oder Fussknöchel reichte, und 
einen rechteckig zugeschnittenen Mantel, die Juden ausserdem den spitzen Hut (28. 7. s). Das Haar 
liessen die freien Skandinavier lang auf die Schultern herabfallen, während Knechte und unfreie Leute 
gezwungen waren, es kurz zu verschneiden  Ebenmässig verhielt es sich damals mit der 
Weiblichen Tracht. Die Frauen trugen, wie dies auch unter den deutschen Frauen üblich, als 
Hemd wie als Hauskleid ein bis auf die Füsse fallendes oder auf dem Boden schleppendes Gewand 
(Fig 14. 2) mit langen engen Aermeln und weitem, bis auf die Brust ausgeschnittenem Kopfloche, 
das mit einem Tuche verhüllt wurde, und über dem Hausrocke nach Bedarf einen zweiten, gewöhnlich 
etwas kürzeren Rock (28. a. 4. vrgl. ll. 2. 21); der letztere umschloss den Körper bis auf die Hüften 
herab ziemlich genau (Fig. 14. 1) und war mit kurzen Aermeln versehen (28. s) oder mit langen 
Aermeln, welche sich nach unten hin bedeutend erweiterten (28. 4. Fig. 14. a. vrgl. 8. 11. 11. 20. 
19.12. 1a). Vornehme Frauen liebten ihren Hausrock am Ende der Aermel mit goldenen Borten, 
auf der Brust aber unter der Halsgrube mit einer grossen Agraffe besetzt (28. ii. 19. vrgl. 33. 
1a. 14); um dem oberen Teile des Kleides einen festen Anschluss zu geben, verschnürten sie es 
unter beiden Achseln mit Nesteln (vrgl. 11. 20). Das lange Haar banden sie in die Höhe und um- 
wanden Kopf und Hals nach altgermanischer Sitte, welche schon unter den angelsächsischen Frauen 
herrschend gewesen, mit einem feinen Tuche (28. a. vrgl. 4. 1a. 22), oder sie wickelten das Tuch turban- 
artig alS Haube um den Kopf; auch pflegten sie ein kleineres Tuch wie einen Schleier einfach über 
den Hinterkopf zu hängen; Jungfrauen aber liessen das Haar frei (28. 4) oder mit einem Hute bedeckt 
hembfauen- Diese Tracht entspricht durchaus der Schilderung, welche das nRigsmaalu von einem fürst- 
liChell Eheweibc giebt: wAuf dem Haupt die Haube, am Hals ein Schmuck, ein Tuch um den Nacken, 
Nesteln an (unter) der Achseln -und an einer andern Stelle: vvim Sehleielßsass Sie, ein Gesehmeid 
an der Brust, die Schleppe wallend am blauen Gewand (Hemdyi. Als Schutzkleid bedienten sich die 
Frauen des altgewohnten Ueberhanges, welcher obenher ringsum geschlossen, seitwärts in der 
unteren Hälfte dagegen aufgeschnitten war (28. s. vrgl. 4. 1a. 19. s), bei feierlichen Gelegenheiten 
Hottenroth, Trachten. n. Band. 2. Aufl. 8
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.