Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904739
skulptur aus demselben Jahrhundert überliefert uns das Bild eines Kriegers, dessen Panzer auf 
eine Weise verstärkt ist, die sich sonst nicht mehr nachweisen lässt (20. in). Uebcr dem Rocke, 
den wir als von Leder _oder Leinwand gemacht voraussetzen, liegt zuerst ein Gitterwerk aus flachen 
Riemen (21.16); über diesem sind der Länge nach seilartige Gräten befestigt, die ihrerseits wieder- 
um mit flachen Riemen um-   schwarz auf gelblichem oder sonst 
sponnen. Erst nach 1180 kam Flg" 12' einem hellen Grunde, die Figur 
in Frankreich das eiserne    eines Vogels, der für Odin's Rabe 
Maschenpanzerhemd in Gebrauch  gehalten wird. Die Schlacht bei 
(20- H)- Die Panzerringcß Welche  Hastings war die letzte, die unter 
wir noch aus jenen grauen Tagen i"  dem Rabenzeichen geschlagen 
besitzen, sind dick, plump und sehr  gfllfliitiii? wurde; das Kreuz verdrängte den 
ungleich. AlsBannerdienten bunt-  Raben und die Zungen der alten 
farbige Zeugstücke, die in Zungen  Banner erscheinen heute nur noch 
ausgeschnitten und an einem  an der dänischen Nationalfahne, 
Lanzenschaft angenagelt oder an-  demDanebrog. (Das Weiteresiehc 
geknüpft waren    Oben Seite 28-31)- 
banner derNormannen, wie es sich  Vergleicht man die Ueber- 
auf dem Teppiche von Bayeux  bleibsel des KunStgeWeYbe-S 
abgebildet Findet, hatte fünf  der Franzosen bis zum 12. 
Spitzen und in der Mitte, blau- Jahrhundert mit denjenigen, 
welche uns von den westeuropäischen Völkern mit Ausnahme der Spanier erhalten geblieben sind, 
so lässt sich eine durchschlagende Uebereinstimmung nicht verkennen; dies betrifft neben den krieg- 
rischen namentlich die kirchlichen Geräte. Es war vorzugsweise der überall sich gleichbleibende 
Einfluss der Kirche, welcher die gleichartigen Erfolge unter allen Völkern im ehemaligen Reiche 
Karl's des Grossen erzielte. Was rücksichtlich des deutschen Kunstgewerbes gesagt wurde (S.31u.ff.), 
lässt sich über das französische nur wiederholen; aus diesem Grunde mag hier ein Hinweis auf die 
oben gegebene Schilderung genügen. Beigefügt seien nur noch die Abbildungen einiger sehr merk- 
würdigen Gegenstände, welche für die verschiedenen Perioden der kunstgewerblichen Entwickelung 
in Westeuropa bis zum 12. Jahrhundert charakteristisch sind, nämlich die Abbildung eines Kästchens 
aus der merowingischen Zeit (Fig. 10), einer romanischen Glocke von durchbrochener Arbeit (Fig. 11) 
und eines dem 12. Jahrhundert angehörenden Kelches aus der Kirche St. Rerni in Reims (Fig. 12. 
Detail hierzu: 22.   Wie ein Menschenantlitz die Seele und die Erfahrungen des Menschen 
widerspiegelt, so bringt ein Kunstwerk den Charakter und die Vergangenheit eines Volkes zum 
Ausdrucke. Wenn wir unsern Blick auf das verschlungene Ornament jenes uralten Schmuckkäst- 
chens heften (Fig. 10), so fühlen wir uns versucht, das staunenswerte Durcheinander von Abenteuern 
zu entwirren, das seine Oberfläche wie eine Menschenstirne gekräuselt hat. Das Ornament aller 
germanischen Funde während und nach der Zeit der Völkerwanderung, selbst das der sächsischen 
und normannischen Funde in England, lässt erkennen, dass es einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt 
hatte, welcher mit dem des griechisch-römischen Ornamentes nicht zusammenflel. Nichtsdesto- 
weniger ist anzunehmen, dass beide Ornamente in einer ausser aller geschichtlichen Erinnerung lie- 
genden Zeit sich nahe gestanden haben und durch Spaltung eines Urornamentes entstanden sind, 
ähnlich wie die beiden Hauptdialekte der Sprache, der hamitische und der semitische, durch Spal- 
tung einer Grundsprache. Das Ornament von Tiryns ähnelt noch dem des nordischen Tir. Beide 
Ornamente nahmen für Jahrtausende ihren Weg durch verschieden geartete Völker, bis sie einander 
völlig fremd geworden sich erst in der frühchristlichen Zeit wieder begegneten und durch ihre Ver- 
mischung den romanischen Styl erzeugten, den Vater der Gothik.
        

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