Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904645
nannt wurde (woher pelisson, pelisse). Die Kleider sassen völlig passend auf dem Körper; die gallischen 
Schneider waren berühmt wegen ihrer Geschicklichkeit, mit welcher sie Nadel und Schere führten. 
Eine Kopfbedeckung muss selten und nach dem Namen nPileuscc, den sie in den Schriften führt, 
von kegelicher Form gewesen sein. Die gallischen Bauern schützten bei rauhem Wetter Kopf und 
Oberkörper mit dem Bardocucullus, jener Kapuze, denen Kragen über. die Schultern Fiel (18. 4); die 
Füsse steckten sie in geschlossene Schuhe, deren Sohle von Holz, Leder oder Binsen, deren Ober- 
teil aber von Leder oder grober Leinwand war, und befestigten dieselben mit Riemen, welche sie 
zugleich um die Unterschenkel wickelten (18. x23); dieses Schuhzeug glich sehr den Espardillen, 
welche noch heute unter den pyrenäischen Franzosen üblich sind. Die Schuhe der Edlen, wie 
solche sich in den spätkarolingischen Handschriften dargestellt finden, hatten ein geschlossenes 
Oberteil; am Fersenstücke aber führten sie Oesen, durch welche ein Riemen lief, der über dem 
verlängerten Oberteile verknüpft wurde (vrgl. 21. 34). Diese Schuhe waren von Leder, innen ge- 
füttert, aussen mit Seidenstoff überzogen und mit Perlen und Stickereien verziert. Ueblich im 
Winter wie im Sommer waren Fausthandschuhe von Pelz, die man nMufflesa hiess. Leute aus 
dem Volke bedienten sich auch der Strümpfe aus gewürfeltem Zeuge, welche sich lose um die 
Unterschenkel legten (18. 4). Damals fing man an, die Tunika in die Hosen unterzustecken. 
Bezüglich der Frauentracht während der ersten Karolingerzeit herrscht in den 
Schriften noch immer tiefes Schweigen; aber die Buchmalereien aus der Zeit Karl's des Kahlen 
lassen uns erkennen, dass während des 9. Jahrhunderts auch in der weiblichen Tracht der Ausgleich 
zwischen fränkischer und gallo-romanischer Mode vollendet war. Jenen Miniaturen zufolge trugen 
die vornehmen Frauen damals mehrere Tuniken von gleicher Länge übereinander (19.  Die 
untere Tunika hatte lange und anschliessende, die zweite kurze, doch weite Aermel; falls noch 
eine dritte hinzukam, hatte diese sehr kurze und weite oder auch gar keine Aermel. Das Ober- 
gewand schloss sich dicht um den Oberkörper an, erweiterte sich aber nach unten hin; am oberen 
und unteren Saume sowie mitten über den Körper herab schimmerte eine breite mit Gold gestickte 
Borte; die Hüften umschloss ein Gürtel. Dazu kam der Mantel, welchen die Frauen beim Kirchen- 
besuche über den Kopf zu nehmen pflegten. Die Sitte, das Haupt mit dem Mantel zu verhüllen, 
hatte ihren Grund in einer kirchlichen Vorschrift; das Weib sollte das Abendmahl mit verhülltem 
Haupte geniessen, weil es nicht nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen und durch seine Schuld die 
Sünde in die Welt gekommen sei. Auch wurde damals und noch in dem folgenden Jahrhundert der 
Mantel in der Weise der alten römischen Palla angelegt, nämlich mit seiner Mitte unter der rechten 
Achsel hindurch, mit den beiden Flügeln auf der linken Schulter gekreuzt und übereinander geworfen 
(19. 9). Ausser diesem Mantel benutzten die Frauen auch die unter dem Namen vKappea (chaperon) 
gebräuchliche Kapuze, wie solche sich schon auf den gallo-romanischen Monumenten dargestellt 
findet (19.  Die Schuhe waren geschlossen oder wurden über den Rist herab verschnürt (19. z); 
sie bestanden aus geschwärztem, bei vornehmen Frauen aus farbigem oder vergoldetem Leder. 
(Ueber den Herrscherornat der Karolinger siehe oben S. 20, über die kriegrische 
Ausrüstung während der Frankenzeit S. 19, 20 u. FR).  
Um die Zeit, als die Karolinger verschwanden und die Kapetinger emporkamen, hatten sich 
die Unterschiede zwischen Franken und Galliern verflüchtigt; beide Völker waren zu Einem Volke 
geworden; es gab nur noch Franzosen. Gleichwohl war diese Zeit der Einigung eine Zeit grosser 
Verwirrung; die Normannen wiederholten ihre Einbrüche an 70 Jahre hindurch; meilenweit umher 
sah man nichts als verbrannte Wohnstätten und verwüstete Felder; die Menschen verwilderten mit 
dem Boden, auf dem sie lebten. Während es den Deutschen um diese Zeit gelang, sich zu einer 
festen Macht zusammenzuschliessen, zersplitterte sich Frankreich in kleine Lehensgebiete. Wie 
auf politischem Gebiete, so übernahmen die Deutschen auch auf dem kggtümlichelq die Führung; 
diese verblieb ihnen bis in's 12. Jahrhundert hinein und ging dann auf die Franzosen über, als im 
folge der hohenstaufischen Zerwürfnisse mit Italien die deutsche Macht auf die Neige geriet. 
Hottenroth, Trachten. 2. Anti 6
        

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