Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904637
V0rder- und Rückenstückes hergestellt wurden (vergl. 24. 12). Die Leiche einer vornehmen Frau, 
welche dieser Periode anzugehören scheint, fand sich in vierfache Kleider von Wolle gehüllt, wovon 
das oberste mit Fransen besetzt und um die Hüften geschlungen war; die Füsse stacken in Pantoffeln 
von Leder ohne Absatz (21. 82), und diese wieder in Schuhen mit Zungen (21. si), welche den im 
Thorsbjerger Moore gefundenen ähnlich (1. 13); das Haar war in vier Flechten geteilt. 
Wir kommen nun in die Zeit, da die merowingischen Franken über Gallien herrschend 
wurden. Erst damals scheint bezüglich des Kostüms das barbarische Element die Oberhand über 
das gallo-romanische gewonnen zu haben. Die abbildlichen Zeugnisse fehlen durchaus, die Schrift- 
liehen stimmen nicht überein und die zahlreichen Grabfunde in Metall, Glas und Elfenbein erlauben 
nur einen misslichen Rückschluss auf die zerstörte Gewandung, deren Schmuck sie gewesen. Es ist 
sicher, dass die männliche Bevölkerung Galliens im 6. Jahrhundert noch die kurze Aermeltunika 
trug, welche mit bunten Streifen und Scheiben ausgestattet war. Die langen gallischen Hosen waren 
völlig verschwunden und durch die römischen Kniehosen ersetzt worden, auf welche indess der alte 
Name "Braccae" übergegangen war, sowie durch Gamaschen, welche mit Bändern um die Unterschenkel 
geheftet wurden; auch gab es damals eine Art von Strümpfen, welche in den voraufgegangenen Zeiten 
noch nicht üblich gewesen, aber in den Schriften mit den althergebrachten Namen „Tibialia" und 
"Caligae" bezeichnet werden. In der Kirche zu Delmont befindet sich eine Reliquie des heiligen 
Germanus, ein Schuh aus schwarz lackiertem Schafleder (21. a9), dessen Oberleder auf dem Rist in 
Gestalt einer Pfeilklinge ausgeschnitten ist, sowie in einen Bügel, der bestimmt war, sich dicht vor 
der Fussbeuge um den Fuss zu schliessen; an der Kappe befinden sich zwei Oesen, durch welche 
die Binderiemeii laufen; der Absatz ist herzförmig. Schuhe dieser Art wurden im 6. Jahrhundert 
„Campagos" genannt. In der Kirche von Chelles bei Paris hat man einen Schuh in Verwahrung, 
welcher den gleichen pfeilförmigeii Ausschnitt im Oberleder zeigt (21. 92), aber rechts und links an 
den Knöcheln mit Oesen versehen ist zur Befestigung der Schnürriemen, in welche der Bügel sich 
verwandelt hat. Dieser Schuh gleicht nahezu einem nun verlorenen Schuhe, welcher ehemals zum 
deutschen Krönungsornate gehörte und für eine Arbeit des 12. Jahrhunderts ausgegeben wird 
(21. S5). Neben den Strümpfen erschienen iii dieser Epoche zum ersten Male die Handschuhe; sie 
wurden „Mants" genannt (wovon das französische gants) und von den Reichen als Schmuck, von 
den Armen zur Arbeit getragen. Ueber die damalige Frauen tracht ist keine Ueberlieferung vor- 
handen. Gregor voii Tour erwähnt eines gewöhnlich aus Seidenzeug gefertigten Ueberhanges, 
,.,Maf0rs" genannt, dessen sich zu seiner Zeit häufig die fränkischen Weiber bedienten und (veicner 
den Körper vollständig verhüllte. Ueblich waren noch das Colobium und der Bardocuculus, Ge- 
wandstücke, die auch von den Franken angenommen und getragen wurden. (Ueber die königliche 
Tracht der Merowinger siehe oben S. 19.) 
In der karolingischen Zeit fingen die Unterschiede an zu verschwinden, durch welche 
sich gallo-romanische und fränkische Trachten von einander unterschieden. Die 'l'racht der Sieger 
vermischte sich niitkjener der Unterworfeneii; aus diesem Grunde kann die fränkische Tracht, wie 
sie uns überliefert ist, auch für die Galle-Romanen vorausgesetzt werden. Die Männer trugen da- 
mals eine doppelte Tunika, die eine, ein Hemd von Linnen, welches auf.den blossen Körper zu 
liegen kam, die andere von Wolle und bei vornehmen Leuten mit Seidenborten besetzt. Dazu 
kamen noch Hosen von Leinwand, die hochrot oder blau gefärbt, Schuhe samt Strümpfen und 
darüber eine Hülle von Riemwerk, das nicht selten auch von roter Farbe. Ein Mosaikbild im 
Lateran zeigt uns den Kaiser Karl in durchweg orangefarbenen Gewändern mit grünem Besatzg 
und in grünen Schenkelriemen (18. 7). Die Riemen gingen von den Schuhen aus; diese aber Waren 
geschlossen und häufig von vergoldetem Leder. Der Mantel war klein und von gewürfeltem Zeuge; 
die Franken zogen dieses Mäntelchen ihrem weiten grauen oder blauen germanischen Mantel vor, 
der bis auf die Füsse reichte. Während des Winters pflegte man über die Kleider einen langen 
Spenzer von Pelz zu legen, der im Fränkischen uRock", im Latein jener Zeit aber „Pellicium" ge-
        

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