Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904626
Mit weniger Widerstreben als die Männer vertauschten die Weiber ihre Tracht mit der 
römischen. Schon in der ersten römischen Zeit gaben sich besonders die Frauen der Beamten das 
Ansehen, als wären sie am Fusse des Kapitols auf die Welt gekommen. Als Hauskleid diente die 
heimatliche Tunika, welche lang und ärmellos war; als bessere Gewandung beliebte man eine noch 
durch Falbeln am unteren Rande verlängerte Tunika oder Stola, welche unter dem Gürtel soweit 
heraufgezogen wurde, dass die Fussspitzen sichtbar wurden; die Stola war auf der Büste an- 
liegend und hatte lange oder kurze Aermel. Der Ueberkleider gab es mehrere. Die Palla, welche 
anfangs durchaus der Toga der Männer glich, war später ein rechteckig zugeschnittenes Zeugstück, 
welches unter der rechten Achsel hindurchgenommen und mit seinen beiden Enden auf der linken 
Schulter übereinander geworfen wurde (vergl. 18. e). Auch faltete man das Zeugstück seiner Länge 
nach in der Mitte zusammen, versah die Bruchfalte mit einem Schlitze für den linken Arm und 
verhaftelte die beiden Säume oben auf der rechten Schulter, oder man steckte den rechten Arm 
durch den Schlitz und verknüpfte die Säume ihrer ganzen Länge nach auf der linken Seite (17. 57); 
dazu kam noch ein besonders übergelegtes Kopftuch. Auf gallo-romanischen Grabsteinen finden 
sich Frauen abgebildet, welche mit der Pänula oder der Lacerna bekleidet sind (17. 1.1. 52), andere 
mit einer Schürze über einem Rocke, welcher untenher ausgezackt (17. 59); jene sind durch ihre 
Tracht als Freie, diese als Leibeigene gekennzeichnet. 
Die stärkste Wandlung durchlief die kriegrische Tracht; die Gallier wurden entweder 
in die römischen Legionen eingereiht oder bildeten besondere Hilfstruppen; in beiden Fällen mussten 
sie sich dem römischen Kriegskostüme anbequemen (vergl. 25. 1-16). Besondere Abzeichen, welche 
vielleicht den Hilfstruppen verstattet worden waren, sind nicht mehr nachzuweisen. 
Gallien durchlebte in der letzten Zeit des 3. Jahrhunderts eine der trübsten Epochen 
seiner Geschichte, als die germanischen Völker, die Gothen, Sachsen, Burgunder und Franken 
nacheinander, Felder und Städte verwüstend, über seine Provinzen hinweglluteten. Das waren 
keine Römer; zusammenlebend aber nicht vermischt mit der alten Bevölkerung bewahrten sie 
inmitten derselben nicht nur ihre Gesetze und ihre Sprache sondern auch ihre Tracht. (Siehe 
über dieselbe S. 17 und 18.) Doch ist es schwer, genau zu sagen wie ihre Tracht beschaffen 
war, noch schwerer, Schritt für Schritt die Umwandlung zu bestimmen, welche das gallo- 
romanische Kostüm durch das barbarische erfuhr. Nach den spärlichen Bildwerken zu schliessen war 
im 4. Jahrhundert unter den Männern noch das nach gabinischer Weise mit einem seiner Zipfel 
um die Brust geschlungene Pallium üblich (vergl. 24. io), im 5. und G. Jahrhundert aber statt seiner 
ein grosser Mantel, welcher, halbkreisförmig im Zuschnitte vergl. (24.11), um die linke SChültCr ge- 
legt und auf der rechten verhaftelt wurde. Nach schriftlichen Berichten kam dazu noch die Pänula, 
welche, falls sie als Prunkkleid diente, entweder aus dem Felle von Bibern oder aus Stoffen herge- 
stellt war, die schwarz und glänzend dem Felle jener Tiere glichen. An den Beinen sassen ge- 
schnürte Stiefel; das Haar wurde rund geschnitten, das Gesicht rasiert. S0 gekleidet erschienen 
die Beamten und vornehmen Leute; im Volke trug man die Pänula aus grobem NVollstoffe (18. i; 
vergl. 24. 4), welche bei den Sklaven an den Seiten ausgeschnitten war, um den Armen freie Be- 
wegung zu verstatten; diese Pänula hiess Birre. Den Kopf bedeckte man sich mit einem 
haarigen Hute ohne Rand. Das Barthaar wurde weniger mit dem Rasiermesser als mit der Scheere 
behandelt. Noch spärlicher fliessen die Quellen über die weibliche Tracht, welche in jener 
Uebergangsperiode herrschend war. Die der christlichen Kunst angehörenden Wandbilder in den 
Katakomben sowie einige Arbeiten in Gold und Elfenbein liegen völlig ausser dem gallo-romanischen 
Bereiche. Immerhin steht diesen Resten nach zu vermuten, dass auch zu der gallischen Weibertracht 
damals noch die römischen Tuniken und Pallien gehörten, welche mit farbigen Streifen, viereckigen 
und runden Scheiben sowie mit Zwickeln ausgestattet waren (vergl. 24.12_i1). Man scheint da- 
mals eine besondere Vorliebe für die älteste unter allen Formen der Tuniken gehabt zu haben, für 
jenes Gewand, dessen Aermel nicht besonders angesetzt sondern aus der überschüssigen Breite des
        

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