Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904614
heimischen Tracht mit der römischen. Figuren aus dem 2. und 3. Jahrhundert zeigen uns, dass da- 
mals Hosen und enge Tuniken üblich waren (17. 2. s); man kann an den Bronzeüguren nicht selten die 
gewürfelten und geblümtcn Muster unterscheiden, ein Beweis, dass die bunten Gewebe noch immer 
fortbestanden. Die anschliessende Tunika zeigte eine Neigung sich auszuweiten und zu verlängern; 
statt oben durch einen Brustschlitz wurde sie nun der ganzen Länge nach geöffnet (17. 4. s) und So 
in einen Rock verwandelt, welcher noch ohne Knöpfe und Kragen war und durch einen Gürtel 
zusammengeschlossen werden musste. Diesen Rock benannte man nach dem berüchtigten Cäsar 
"Caracallus" (oder Caracalla); man verlängerte ihn bis auf die Füsse und trug ihn so im 4. Jahr- 
hundert im ganzen römischen Reiche. Schon im 2. Jahrhundert wurden Sämtliche römische 
Kleidungsstücke von den Gallicrn getragen. Gebräuchlich war die lange Tunika geworden, welche 
bis auf die Füsse reichte, gegürtet oder lose (18. e), ebenso als Üeberkleid die kürzere Tunika, 
welche halblange oder gar keine Aermel hatte; in letzter Gestalt hiess dieselbe "Kolobium" und glich 
einem umgekehrten Sacke, welcher oben und an den Seiten Schlitze für den Kopf und die beiden Arme 
hatte. Der Schmuck der Tunika bestand in zwei senkrechten Streifen, welche anfangs von Purpur 
oder Gold nur den Würdeträgern zukamen, später aber allgemein und in allen Farben behebt 
wurden. Zu den Streifen kamen noch farbige Zeugstücke, welche rund, viereckig oder Zwickeh 
artig zugeschnitten und oft noch besonders gestickt, auf die Schultern, die Brust oder an den un- 
teren Rand deriTuniken aufgenäht wurden (vergl. 24. 15-16). Gegen den Regen schützten sich die 
Gallier durch die Pänula aus langhaarigem Wollstoffe, welche die Form eines weiten armelloseh 
Kittels mit Kapuze hatte (18. i), sowie durch die Lacerne, welche der Pänula ähnlich sah, aber mit 
Schlitzen für die beiden Arme versehen war (18. 5); auch trugen die Gallier damals ein "Bardocuculus" 
genanntes Schutzgewand, welches aus einem weiten Kragen mit Kapuze bestand (18. 4. 19. s); Sie 
legten ausser-dem Bardocuculus noch eine viereckige Decke von Wollzeug um die Schultern (18. a) und 
befestigten später an diese Decke selbst die Kapuze (18. 1a), ja sie bedienten sich des Palliums (18. s) 
und selbst des griechischen Soldatenmantels, der Chlamys und der Chläne, von welchen diese etwas 
länger war, als jene (18. 2). Dem Lande selbst angehörend scheint eine Art Lacerne gewesen zu 
sein, welche statt der Schlitze völlige Aermel hatte und bis auf die Kniee oder Füsse reichte; die 
Kapuze, wenn sie fehlte, wurde durch eine Schärpe ersetzt, welche man so um Hals und Schultern 
legte, dass ihre Enden vorn und hinten herabfielen. Beide Geschlechter, aber nur die freien, trugen 
die Lacerna; die Pänula scheint der Mantel der Sklaven gewesen zu sein und der Bardocuculus jener 
der Landbauern. Blieben auch unter einer guten Zahl von Eingebornen die alten gallischen Hosen 
im Gebrauch, so gewohnten sich andere, besonders Landleute daran, mit nackten Beinen einherzu- 
gehen (18. s. 13); wieder andere bedienten sich der römischen Kniehosen oder schützten die Unter- 
schenkel mit Gamaschen, welche oben und unten mit Schnüren befestigt wurden (18, 4); diese 
waren von Zeug, bei den Jägern aber von Leder mit kreuzweis darüber gewickelten Riemen. Neben 
dem alten gallischen Schuh, welcher geschlossen war, bediente man sich nun auch der einfachen 
Sandale (18. a) sowie! eines Halbschuhes mit ausgeschnittenem Oberleder (18. s), welcher mit Riemen 
geschlossen wurde, und wickelte die Riemen um die Schenkel. Es gab Schuhe, welche aus einer 
Sohle mit einer Anzahl ausgeschnittener Zungen bestanden (vergl. l. 13); diese Zungen wurden über 
dem Riste verknüpft. Man hat in Gräbern, welche dem 2. oder 3. Jahrhundert angehören, Galcschcn 
mit dicken Sohlen und ausgeschnittenem Riste gefunden, sowie Pantoffeln ohne Absatz (21. so) und 
Schuhe mit Laschen am Hinterteile und mit Riemen in den Laschen (21. si); diese letzte Art von 
Schuhzeug begegnet uns in den Miniaturen aus der Zeit Karl's des Kahlen, also demi). Jahrhundert, 
und von ähnlichem Zuschnitte sind ein paar ehemals zum deutschen Krönungsornate gehörige Schuhe, 
welche man dem 12. Jahrhundert zuschreibt (21. a4). ES gäb äuCh Schuhleug, Vvelches den Espar- 
dillen der heutigen pyrenäischen Bauern glich; dasselbe bestand aus einer Sohle von Holz oder Leder 
und einem Oberteile von Leder, Leinwand oder Binsen; Beinriemen von grober Wolle cder aus 
Fell schützten die Unterschenkel (18.13), um welche sie gewickelt wurden.
        

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