Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904577
angedeuteten Gefässen sagen (16. 16-18). Nach jenen Abbildungen zu urteilen waren die Schüsseln 
von Metall (16. 22) und hatten fast immer ein Fussgestell; besondere Teller waren nicht üblich 
und der Gebrauch von Gabeln galt noch im 12. Jahrhundert für sündhafte Ueppigkeit; man langte 
mit den Händen zu; doch gab es Gabeln, welche zum Vorlegen der Speisen bestimmt waren 
(16.13), und ebenso dienten die Messer (16. 10512) nur zum Zerschneiden; für die flüssigen Speisen 
aber wendete man kleine Löffel an (vrgl. 9.  
Die Musikinstrumente beschränkten sich in der Frankenzeit auf solche, die den Verfall 
der Römer überdauert hatten; es gab damals Trompeten, Psalter von dreieckiger Form mit 
24 Saiten (23. 29) und solche von viereckiger Form mit 10 Saiten; ferner ein „Chorus" genanntes 
Instrument, das vermutlich einem mit 2 Flöten versehenen Dudelsacke glich, ein Glockenspiel, das 
zusammengesetzt war aus einer metallenen Stange mit wagrechtem Kreuzbalken, aus 24 Glocken, die 
am Kreuzbalken hingen und aus 12 Klöpfeln (23. 23). Auch wird schon im 5. Jahrhundert der Orgel 
erwähnt. All diese Instrumente wurden noch im 12. Jahrhundert gebraucht; die neuen, welche hinzu- 
gekommen, waren nicht selten nur veränderte Formen der alten. Am wichtigsten darunter er- 
scheinen die Glocke und die Orgel. Die Glocken werden bereits im 6. Jahrhundert erwähnt; doch 
waren sie damals noch von kleinem Umfange; es gab Glocken, die aus Bronze oder einer Mischung 
von Bronze und Silber gegossen und solche, die aus starkem Eisenbleche mit kupfernen Nägeln 
zusammengenietet waren. Später pflegte man die Kirchenglocken nur noch aus Bronze zu giessen, 
auch mit Rücksicht auf den Ton umfangreicher und am Rande wie im Klöpfel von verschiedener Stärke 
herzustellen. Ebenso wurden die Orgeln umfangreicher und ihre Pfeifen von Zinn verfertigt. In 
einer englischen Bilderhandschrift des 12. Jahrhunderts findet sich eine Orgel "dargestellt (7. 23), 
welche 10 Pfeifen, 4 Blasebälge und mehrere tonnenförmige Windladen hat. Die Saiten- 
instrumente durchliefen alle Formen der Lyra, Harfe, Geige und Cither (23. 27. 29-31- 33-46). 
Die Cither, anfangs „Psalterium", später aber „Cithara" genannt, bestand aus einem verschieden 
gestalteten Resonanzkasten (23. 44-46) mit wagrecht darüber gespannten Saiten von wechselnder 
Zahl und Grösse; sie wurde wie eine Guitarre vor der Brust liegend gespielt; man hatte Geigen, 
die mit dem Bogen gestrichen wurden und andere, welche zum Drehen eingerichtet waren (23.35); 
letztere trugen den Namen "Organistrum". Häufig gingen die Namen der alten Instrumente auf 
neue über, welche in nichts den alten glichen. Ueblich waren noch Flöten, einfache, doppelte 
und quere, Panspfeifen (23. a2) und Trompeten, Trommeln für Hand und Schläge] sowie metallene 
Becken, welche man gegen einander schlug. 
Das Ackergerät erfuhr manche Verbesserungen. Der Pflug, welcher anfangs nur ein ein- 
facher Hakenpnug gewesen, wurde schon im 11. Jahrhundert mit Rädern VefSehen (5. a2) und aus 
mehreren Teilen zusammengesetzt, aus Sterze und Scharbalken, aus Seche, Streichbrett und Schar- 
eisen; auch gehörte ein Hammer dazu, mit welchem man die allzugrossen Schonen Zerschlug; auf- 
fallend ist, dass gerade dieser so zusammengesetzte Piing sich Ohne Räder dnrgesteiit findet (23. 50). 
XVagen und Karren erscheinen in allen damaligen Miniaturen noch von ziemlich roher Bauart 
(16. 31); sie bestanden gewöhnlich aus einem viereckigen Kasten von Brettern oder Latten mit 2 oder 
4 Rädern nebst einer Deichsel, welche von der Mitte der Achse ausging nnd einem daran befestigten 
Querholze samt Strängen. Zum Antreiben bediente man sich einer dreisträhnigen Geisel (5.28) 
oder eines Stabes mit eisernem Stachel. Zur Beförderung von Kranken und Reisenden gab es eigene 
Tragesänften, die wie Betten gestaltet und mit Teppichen umhängt "Varen? Sie ruhten auf Zwei 
Stangen, zwischen welchen hinten und vorn die Träger oder Pferde gingen- 
Seit dem 4. Jahrhundert wurden die Toten nicht mehr verbrannt, sondern beerdigt und zwar 
mit oder ohne Sarg. Die Särge waren viereckige häufig gegen den Fuss nin Vetjüngte Kasten 
(10. 33) mit gewölbtem oder giebelartigem Deckel; auch finden sich in den Miniaturen mllldenartige 
Särge angedeutet (16. a4), die letzten Ausläufer der uralten "Totenbäume" (B. 1. 61. 39. 40).
        

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