Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904545
und hatten metallene Schuppen (12. 28), Schilde und Ringe zur Verstärkung. Die Kuvertiure, weit 
und ziemlich kurz, bestand aus getrenntem Vorder- und Hinterstück, die beide an den Sattel 
festgeschnürt wurden; das Vorderstück zeigte vor der Brust einen Schlitz. 
Das Belagerungsgerät, durchweg "Antwerk" von den Deutschen genannt, war zumeist den 
Maschinen der Römer nachgebildet worden; das Mittelalter hat, wie die Miniaturen jenes Zeitalters 
erkennen lassen, nur wenig daran geändert. Die Maschinen zerüelen in drei Arten: in Stoss- 
zeug zum Mauerbrechen, in Schuss- und Wurfzeug und in Deckzeug und Türme. Zum 
Mauerbrechen dienten der Widder und die Wippe. Eine Bilderhandschrift vom Ende des 10. Jahr- 
hunderts zeigt einen auf zwei Rädern laufenden Widder (16. 39), welcher von mehreren durch Arm- 
brustschützen (16. es) gedeckten Leuten vorgeschoben wird. Man pflegte die Mauern, die durch 
den Widder zum Sturze gebracht werden sollten, zuvor mit Spitzhacken und Maueräxten zu unter- 
graben sowie mit Bohrmaschinen, die unter Schutzdächern (Brechschildkröten) an die Mauern heran- 
geführt wurden. Zum Schusszeug, den Ballisten, wie es allgemein hiess, gehörte vorzugsweise 
die Armbrust. Diese Waffe, noch den Römern unbekannt, findet sich zuerst in englischen Hand- 
schriften aus dem 11. Jahrhundert (6. G), während der um dieselbe Zeit ausgeführte Teppich von 
Bayeux nur Bogenschützen aufzuweisen hat. Die Armbrust führte damals schon einen Bügel am vor- 
deren Ende, in welchen man beim Spannen den Fuss setzte und einen Geisfuss genannten Drücker zum 
Abschnellen der Sehne (16. as). Ganz wie die Handarmbrust gestaltet war die Belagerungsarm- 
brust, nur von bedeutenderer Grösse und nicht selten auf zwei Rädern laufend; als Geschosse 
dienten anfangs Bolzen, später auch Steinkugeln. In Deutschland gab es Kriegsmaschinen unter 
dem Namen Mangen, Blinden, Tribocs, Patrarias, Tanten, Igel, Katzen, über deren Form uns die 
Bildwerkc vor dem 12. Jahrhundert weiter keinen Aufschluss bieten. Noch bedienten sich die An- 
greifer der Schnellbalken mit zwei Körben, um Kämpfer in die belagerten Plätze zu versetzen; 
dies wurde ebenso durch Türme aus starkem läalkenwerke versucht, die auf Rädern liefen und mit 
einer Fallbrücke versehen waren.  
Als das römische Reich im Abendlande unter dem Schwerte der Germanen fiel, fanden 
diese bei der besiegten Bevölkerung alle Erzeugnisse des Luxus vor, die unter den letzten Kaisern 
Bedürfniss geworden waren. Wie alle Völker, die sich an den Grenzen zwischen Civilisation und 
lrVilclniss herumtreiben, schätzten die Barbaren an den Dingen nur den Rohstoff; sie dachten nicht 
daran, dass sich in diesen Produkten der Fleiss von Jahrtausenden angesammelt habe und welch ein 
unermessliches Ringen in jeder Erfindung begraben liege. Der Stoff wurde der Arbeit zum Ver- 
derben. Indem die Barbaren die Quellen des öffentlichen Reichtums zerstörten, die Künste und 
den Handel, wurden sie gezwungen, sich der Ueberreste zu bedienen; das Mobiliar ihrer Paläste 
musste dasselbe sein, was ihre Paläste selbst waren, ein ungeordneter Haufen, der aus Raub und 
Ruinen entstanden. Die Industrie des Abendlandes war bis zu dem Grade vernichtet, dass die 
Merowinger und Karolinger alle Gegenstände des Luxus, womit sie sich umgeben wollten, aus dem 
Oriente beziehen mussten. Was von Industrie im Abendlande den Verfall überdauert hatte, musste sich 
durch die Einfuhr einer ungeheuren Menge von Gegenständen ändern, welche in den byzantinischen 
Städten hergestellt worden, von Kleiderstoffen, Waffen, Manuscripten und Naturprodukten. Unter der 
Herrschaft Karl's des Grossen regten sich die ersten Keime der wiedergebornen Künste; man be- 
strebte sich die byzantinischen Vorbilder nachzuahmen. Damals war die byzantinische Kunst eine 
machtvolle Kunst, viel stärker und lebendiger, als die römische Kunst unter den letzten Kaisern 
gewesen. Indess wenn die karolingische Kunst auch das Ergebnis einer fremden Einfuhr war, so 
brachte sie doch eine Urtümlichkeit zum Ausdrucke, die voll Saft und Kraft in völliger Ueberein- 
stimmung mit den Sitten jener Epoche stand. Mit der Zeit kam Venedig in Blüte {i seit dem ll. jahr- 
hundert beeinflusste Venedig die Industrie des Abendlandes nicht allein durch seinen Levantehandel 
sondern auch durch eigene Produkte. Die Ueberlieferungen des römischen Altertums, die morgen- 
ländischen Künste und einige barbarische Industrien flossen in Venedig wie in einem grossen Tigel
        

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