Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904519
an als Weihesprengel gedient haben. Der Reichsapfel ist eine Kugel von Goldblech (14. 7), die von 
zwei sich kreuzenden Reifen umfasst wird; in der oberen Kreuzung der Reife erhebt sich ein 
goldenes Kreuz. Kreuz und Reife sind ornamentiert; das Kreuz ist völlig, die Reife sind nur in 
ihrer oberen Hälfte mit Edelsteinen besetzt; der Apfel stammt aus dem 12. Jahrhundert. Zu dem 
-Krönungsornate gehörten auch mehrere Schwerter, Welche noch erhalten sind. Das eine, nach der 
Ueberlieferung ein Geschenk Harun-al-Raschids an Karl den Grossen, ist ein altorientalischer Säbel 
von massiger Krümmung (14.10); Griff und Parierstange sind aus starkem Goldbleche getrieben; die 
grünliche Scheide mit Mundstück und Ortband besteht aus getriebenem und mit Edelsteinen besetztem 
Goldbleche. Das zweite, ein gerades Schwert, unter dem Namen "das Schwert des heiligen Mauritius" 
bekannt, ist ein Ceremonienschwert aus dem 12. Jahrhundert (14, G), Weiches dem Kaiser Während 
des Krönungszuges vorangetragen wurde; sein Griff bildet mit der geraden Parierstange ein Kreuz; 
der Knauf ist pilzhutförmig und führt auf der einen Seite einen einköpfigen Adler, auf der anderen 
einen geteilten Schild, der halb mit einem halben Adler, halb mit drei übereinanderstehenden Löwen 
ausgefüllt. Die Scheide ist von dünnem Goldbleche und Zeigt auf jeder Seite in schwachgetriebener 
Arbeit das Bild eines Königs in sieben durch blaue Edelsteine getrennten Langfeldern, sämtliche 
Bilder mit den Köpfen nach unten gerichtet. Das dritte Schwert (14. s), welches als "das Schwert Kai-PS 
des Grossen" bezeichnet wird, Stammt aus dem 12. Jahrhundert. Der Griff trägt einen Scheiben- 
förmigen Knopf, welcher senkrecht gestellt ist und in dreieckigem Schilde auf der einen Seite einen 
einköpflgen Adler, auf der andern einen böhmischen Löwen in Schmelzfarben zeigt. Die Scheide 
ist von Goldblech und auf jeder Seite in zwölf auf die Ecke gestellte Quadrate eingeteilt, die mit 
Perlen umsäumt sind; das obere Feld zeigt gleichfalls den einköpfigen Adler; die übrigen Felder werden 
von einfachen Schmelzornamenten ausgefüllt; Mundstück und Ortband sind ähnlich eingeteilt und ver- 
ziert, jenes überdies mit Edelsteinen besetzt. Noch gibt es ein Evangelienbuch, auf welches die 
Kaiser den Krönungseid schwuren; dasselbe stammt aus dem 8. Jahrhundert und soll im Grabe Karl's des 
Grossen gefunden worden sein; sein jetziger Einband gehört dem 15. Jahrhundert an. Die Staats- und 
Hofbeamten scheinen vor dem 13. Jahrhundert sich keiner besonderen Tracht bedient zu haben, 
doch ist es zweifellos, dass sie sich schon von altersher durch irgend welche Abzeichen von der 
übrigen Gesellschaft unterschieden; zu diesen Abzeichen werden vorzugsweise Stäbe und Nlützen 
gehört haben; die abbildlichen Zeugnisse hierfür reichen aber nicht in das 12_ Jahrhundert zurück_ 
Vom 10. Jahrhundert an lässt sich die Umwandlung der Waffen Schritt für Schritt ver- 
folgen, namentlich aber die der Schutzwaffen; denn bei diesen tritt eine Aenderung stets früher 
zu Tage, als bei den übrigen Waffen. Die kurze mit Schuppen besetzte Kntte, (Velche nicht oder 
kaum über die Hüften reichte und im 8. Jahrhundert von den Rittern getragen wurde (20. 2), der 
sogenannte kleine Haubert, war und blieb noch lange Zeit unter den weniger bemittelten Edelleuten 
üblich (6. 7). Daneben bildete sich der grosse oder weisse Haubert heraus, welcher in Kittelform 
mit Kapuze (Kamail) sich allmählich über die Schenkel herab (10.19.26) bis unter die Kniee Vep 
längerte und mit kurzen oder langen Aermeln besetzt war. Der Kapuzenrock, welcher den Panzern 
als Unterfutter diente, wurde aus mehreren Lagen von Leder oder starker Leinwand hergestellt; 
seine Verstärkung geschah auf verschiedene Weise; er wurde wie der kleine Haubert mit Schuppen 
besetzt (10. 19. 2c. 12. 4. s)  in dieser Form hiess er Jazeran  oder n1it metallenen Rundscheiben 
(Cotte ä rondaches 20. 9.10) oder mit Ringen von geschmiedetem Eisen; diese Ringe pflegte man 
anfangs neben einander (20. 12. 21. 11), später aber mit der Kante übereinander zu legen, so dass immer 
ein Ring den andern zur Hälfte deckte; die Ringe wurden aufgenäht. Den also beringten Haubert 
liess man mit der Zeit nach unten hin in weite Kniehosen übergehen (12. 5. G), mit den Aermeln aber 
in Handschuhe, welche selbst die einzelnen Finger bedeckten (12. z. s); doch lagen hier die Ringe 
nur auf dem Rücken der Fingerlinge. Verstärkt wurde der Futterrock noch auf andere Weise durch 
ein Gitter aus ledernen Streifen und jedes leere Viereck im Netzwerke überdies durch einen Nagel- 
kopf oder Ring (21. 10). Derart gegitterte Panzer waren besonders unter den Franzosen und Normannen
        

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