Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904481
Schnitte noch im Stoffe anders war, als die der höheren Stände überhaupt. Traten an feierlichen Tagen 
die Könige aber als Machthaber auf, so waren sie auf den ersten Blick auch an ihrer Kleidung als 
solche zu erkennen. Zur Zeit der Karolinger gab es noch keinen erblichen Ornat. Erst seit der 
Wahl des Sachsenherzogs Heinrich I. zum deutschen Könige wird über das Vorhandensein erblicher 
Kleinodien berichtet; durch deren Vermehrung seit den glanzvollen Tagen der Ottonen und Hein- 
richs II. bildete sich nach und nach ein Krönungsornat für die deutschen Könige heraus. In den 
unruhigen Zeiten der Hohenstaufen jedoch kam ein Teil dieser Kleinodien und Ornate an die Ein- 
wohner von Parma in Verlust. Nun scheint es, dass Kaiser Friedrich II. die verlorenen Stücke 
durch neue aus dem Schatze seiner Mutter Constanze ersetzt habe; diese aber war die Erbin von 
Sicilien und der märchenhaften Schätze ihrer Ahnen, der sicilianisch-normannischen Könige. S0 
möchte der befremdende Umstand zu erklären sein, dass die meisten der heute noch vorhandenen 
Kleinodien der deut- Fiv 5 Kalifen I-Iafun-al-Ra- 
schen Kaiser von sara- 1 a.  2 Schid, Erst Seit dem 
zenischen Künstlern 13. Jahrhundert traten 
in Sicilien angefertigt die deutschen Könige 
worden sind, und zwar am Tage ihrer Krönung 
im 12. Jahrhundert; in einem durchweg er- 
einige Stücke bringt erbten Ornate auf. Die 
die Ueberlieferung mit Gewänder, welche 
Karl dem Grossen in ihnen angelegt wurden 
Verbindung und dem  und noch heute er- 
halten sind, waren folgende: Die Tunicella (Fig.  diese ist von tiefviolettem, schwerem Serge- 
gewebe und ringsum geschlossen (14. 9); seitlich am Halsausschnitte hat sie einen Brustschlitz, um 
sie bequemer über den Kopf ziehen zu können; vermittelst einer Zugschnur, welche sich am Schlitze 
befindet, wurde derselbe zusammengezogen; die Einfassung ist golden, der Besatz an den Aermeln 
und dem unteren Saume tiefrot mit goldenem Blattwerk und weissen Perlen. Die Albe; diese ist 
von weisser Taffetseide und im Schnitt einem Chorhemde ähnlich (Fig.  sie wurde über die 
Tunicella angelegt und unter dem Gürtel soweit heraufgezogen, dass der Purpursaum des Unter- 
gewandes zum Vorscheine kam (14.10). Nach Art der Gewänder des 12. Jahrhunderts hat sie auf 
den Oberarmen einen Besatz (siehe S. 23 unten und 11. 12.14. 15), ebenso an den Händen, vorn am Halse 
und untenher; am Halse ist der Besatz purpurn, unten tiefviolett, an den Händen zur Hälfte rot und 
violett, überall gestickt mit Gold und weissen Perlen; vorn am Halsausschnitte befinden sich zwei 
goldene Schnüre. Einer eingestickten Inschrift zufolge wurde das Gewand 1184 in Palermo angefertigt. 
Der Gürtel ist von blauseidenem Cendel. Die Stola (14.10); diese ist ein Band von über 5 Meter 
Länge, von gelbem Seidengewebe mit reichem Blumenwerk in Gold, mit gleichmässig wieder- 
kehrenden Ornamenten in vergoldetem Silberbleche und ebenso verteilten einköpfigen Reichsadlern 
in schwarzer Seide; an jedem Ende hat die Stola drei lange verschiedenfarbige Quasten. Sie wurde 
auf die Hälfte ihrer Länge zusammengelegt, sodann mit der Schleife nach hinten, mit den freien 
Enden nach vorn genommen, auf der Brust gekreuzt und um die Hüften mit dem Schwertgürtel 
unterbunden. Uebrigens gehört die jetzt noch erhaltene Stola dem 14. Jahrhundert an. Der Schwert- 
gürtel ist eine breite Goldborte mit Tiergestalten und kleeblattförmigen Schliessen von vergol- 
detem Silber. Der Mantel, auch Pluviale oder Pallium genannt; wir besitzen zwei Mäntel, von 
welchen der eine sich im Kathedralschatze von Metz befindet (Fig. 6), der andere in der Hofburg zu 
Wien (Fig. 7). Beide Mäntel sind nahezu halbkreisförmig im Zuschnitte nach Art der byzantinischen 
Kaisermäntel. Der erste ist ein sehr dichtes Gewebe von hellroter Seide mit Adlern, Löwen, Greifen 
und anderen Ornamenten in Gold und vielfarbiger Seide bestickt. Die Ueberlieferung macht diesen 
Mantel zu einem Geschenke des Kalifen Harun-al-Raschid an Karl den Grossen; dem Stoffe und der 
Arbeit nach dürfte er jedoch aus den sarazenischen Manufakturen Siciliens hervorgegangen sein und 
Hortenrorh, Trachten. II. Band. 2. Aufl. 4
        

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