Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904471
gewant";' dieses Kleid hatte verschiedene Formen, war zumeist aber ein kurzer Umhang von Pelz- 
werk oder mit Pelz gefüttert (11. 11) und an beiden Seiten offen. Als Fussbekleidung dienten ge- 
schlossene, mehr oder weniger zugespitzte Schuhe, welche bis an oder über die Knöchel reichten 
(11.14-17). Eine Kopfbedeckung war nur unter den besser gestellten Leuten üblich; sie bestand in 
einer den Oberkopf umschliessenden, nur wenig gespitzten Rundkappe (11.12.13), welche zuweilen 
mit einem schmalen Rande versehen war (11.14) oder in einem Hute mit Krempe, die ringsum 
aufwärtsgestellt war und nur auf der Stirnseite gradaus stand (11. n); dieser Hut Wer mit einer Kinn- 
schnur versehen. Das Haar ward gewöhnlich kurz geschoren, ebenso der Bart, letzterer auch völlig 
hinwegrasiert. Entschiedener losgelöst von den spätrömischen Ueberlieferungen, als die männliche 
Tracht, zeigt sich die weibliche Tracht des 12. Jahrhunderts. Zwar das Untergewand blieb 
noch ebenso gestaltet wie bisher; das Obergewand jedoch, dessen sich jetzt Selbst die Frauen aus dem 
Mittelstande vielfach bedienten, erhielt namentlich hinten eine weit grössere Lange und schleppte 
oft auf dem Boden nach (11. 20. 2a. Fig. 3. n). Um bei der geringen Hüftweite die grosse untere Weite 
zu erzielen, musste zwischen Vorder- und Rückenstück rechts und links ein grosser Zwickel ein- 
gesetzt werden; im knappanschliessenden Oberkörper Ward das Kleid entweder hinten oder unter 
den Achseln (11. 20) zum Verschnüren eingerichtet. War die Büste stark entwickelt, so konnte 
hier das Vorderteil des Kleides aus zwei Stücken hergestellt werden, welche da, wo sie zusammen- 
stiessen, dem unteren Rande der Brüste entsprechend ausgeschnitten waren (Fig. 3. i), der obere 
Teil jedoch in etwas grösseren Bogen, so dass er von der Mitte aus nach beiden Seiten hin zu- 
sammengeschoben werden musste, wenn man ihn mit dem unteren zusammennähte. Die Aermel 
waren im Wesentlichen noch so wie im 11. Jahrhundert (Fig. 4. i. 2), jedoch von grösserer Weite als 
damals. Am Schluss des 12. Jahrhunderts erhielt das Oberkleid eine völlig veränderte Gestalt; man 
beraubte es nämlich der Aermel (11.28) und erhielt dadurch Veranlassung zu verschiedenen 
Aenderungen im Schnitte; doch wurden diese ärmellosen Oberkleider erst im folgenden Jahr- 
hundert allgemein; ihr Name war „Suckeni". Die dienende Klasse musste zwar auf die schleppen- 
den Gewänder verzichten, versah aber ihre Kleider untenher und an den Enden der engen Aermel 
sowie vorn von der Gürtung an abwärts mit buntfarbigem Besatze (11. 26); zugleich legte sie ein 
Busentuch unter den weiten Ausschnitt am Halse. Der Mantel, nur von reichen Frauen getragen, 
erhielt fast durchweg eine halbkreisförmige Gestalt und eine Fütterung von Pelzwerk; er wurde 
ohne weitere Befestigung vom Rücken her über beide Schultern gelegt. Die Fussbekleidung war 
der männlichen ähnlich. Das Haar trug man noch wie von jeher frei herabhängend oder in mehrere 
Strähne geteilt, die von oben bis unten hin mit einem Bande umwickelt wurden (11. 20). Ueblieh 
war damals noch die Sitte, ein dünnes Tuch schleierartig über den Kopf zu hängen (11.21); epärer 
aber legte man einen Kranz von frischen Blumen oder einen Stirnreif um das Haar (11.23); dieser 
Reif hiess Schapel. 
Im 12. Jahrhundert und sicherlich schon lange zuvor bestand eine Verordnung, welche 
die Juden zwang, sich einer eigenen Tracht zu bedienen; als Widersacher des Christentums sollten 
sie nicht die Kleidung der Christen teilen oder doch durch bestimmte Kostümstücke sich von jenen 
unterscheiden. Zu dieser kennzeichnenden Tracht gehörte namentlich ein zuckerhutförmiger Hut 
(11. 22. 21) von weisser oder oranger Färbung mit schmalem herabhängendem Rande, der abwechselnd 
mit dem Hutkopfe orange oder weiss gefärbt sein musste; doch finden sich in den Miniaturen auch 
Juden mit rundköpfigen Hüten (11. 24) und solchen, die wie ein Horn gebogen und Völlig weiss, 
orange oder rot gefärbt sind. 
Die Mönche, welche in ihren Klosterzellen die Bücher mit Miniaturen schmückten, stellten 
die Könige stets im Ornate dar, mit der Krone auf dem Haupte und dem Scepter in der Hand; 
ja sie lassen ihre Könige mit der Krone geschmückt im Bette liegen. Iiür die unbcholfene Kunst jener 
Zeit waren diese Kleinodien das einzige Mittel, die Könige als solche zu kennzeichnen und von ihrer 
Umgebung zu unterscheiden. Wir wissen jedoch, dass die alltägliche Tracht der Regenten weder im
        

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