Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904432
kleidern oder vielmehr langen Strümpfen, welche oben durch Schnüre an den Leibgurt befestigt 
wurden; einer Tunika, welche nicht mehr so knapp anschloss wie die alte fränkische, sondern ziem- 
lich weit und lang war, so dass sie, um die Kniee frei zu machen, unter dem Gürtel heraufgezogen 
werden musste und den Gürtel mit einem Bausche bedeckte. Der Mantel war von rechteckigem 
Zuschnitte und hielt die Mitte zwischen dem kurzen gallischen und dem langen friesischen Mantel. 
Die Stiefel glichen Strümpfen und wurden häufig auch so wie diese um die Waden hei- festge- 
bunden. Handschuhe waren allgemein. Bezüglich der Frauentracht während der ersten Karolinger- 
zeit ist nichts bekannt; ausreichende Kunde davon geben uns erst die Miniaturen aus den Tagen 
Karl's des Kahlen; diesen zufolge trugen die vornehmen Frauen im 9. Jahrhundert mehrere lange 
Tuniken übereinander; davon hatte die unterste lange und enge Aermel, die darüberliegende weite 
doch kurze Aermel, und die dritte, falls man eine solche beliebte, sehr kurze oder gar keine Aermel 
(10.11.14). Das Oberkleid war meist oben und unten am Saume Sowie mitten über den Körper 
herab mit einer breiten goldgestickten Borte besetzt. Der Mantel wurde vom Rüeken her über 
beide Schultern gelegt (10. 11) und unter dem Kinne und nach Belieben auch auf der Brust mit 
einer grossen Agraffe befestigt (10.1s;vergl. 19. 4). Mit dem Mantel pflegten die Frauen, wann 
sie zur Kirche gingen, den Kopf zu bedecken (10. 14); diese Anordnung wurde durch eine alte 
Vorschrift gefordert, weil die Frau nicht nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen und durch sie die 
Sünde in die Welt gekommen sei. So gelegt scheint der Mantel sich mit der Zeit zur Traeht 
der Matronen herausgebildet zu haben (10. 20). Das Haar war meist verdeckt und unsichtbar; wo 
es auf den Miniaturen sichtbar, ist es in der Mitte gescheitelt; es gab Instrumente zum Kräuseln 
und Locken des Haares; Ketten und Reife umzogen den Hals, Armbänder das Handgelenk; die 
Schuhe waren vergoldet und mit Steinen besetzt. 
Der Herrscherornat während der Karolingerzeit machte gleichfalls seine Wand- 
lungen durch. Karl der Grosse selbst suchte auch da, wo er als Fürst auftrat, einfach zu bleiben, 
und erschien in der heimischen Frankentracht mit dem kurzen engen Rocke, den riemenum- 
wickelten Hosen und dem Mantel; so findet er sich auch auf einem gleichzeitigen Mosaikbilde zu 
Rom dargestellt  alle Gewänder orangefarbig, nur Besatz und Riemenzeug dunkelgrün. Die 
Kopfbedeckung, welche jetzt in eine niedrige Mitra verändert ist, war nach einer Zeichnung des 
Bildes aus dem 16. Jahrhundert eine anliegende Rundkappe mit drei kleinen Federn auf dem Wirbel; 
auch setzte der Kaiser keine Krone auf, sondern, wann die Gelegenheit es erforderte, einen offenen 
diademartigen Schmuck. Sein Haar trug er kurz geschnitten, jedoch nach alter Frankensitte einen 
starken Schnurrbart, Kinn und Wangen aber rasiert. Ausländische oder byzantinische Tracht hat 
er nur zweimal und zwar in Rom auf Bitten der Päpste angelegt. Der fromme Ludwig folgte im 
Ganzen der Weise seines Vaters und kleidete sich einfach nach der Art seines Volkes; selbst bei 
feierlichen Gelegenheiten scheint er weniger in der Form der Kleidung als in der prunkvollen Aus- 
stattung von fränkischer Sitte abgewichen zu sein; er schimmerte dann von Gold und Edelsteinen. 
Der Sohn Ludwigs aber, Karl der Kahle, unterwarf sich völlig der Leidenschaft seiner Zeit; mit 
einem langen byzantinischen Talare bekleidet, der mit einem Gürtel umschlossen, den Kopf in ein 
seidenes Tuch gehüllt und darüber das Diadem, so ging er jeden Sonntag zur Kirche. Miniaturbilder 
zeigen uns den Kaiser bekleidet mit engen, roten Beinlingen, die mit goldenen Schnüren kreuzweise 
umwunden (10.17), mit einer blauen goldornamentierten Tunika, welche über die Kniee fällt, mit 
langem, rotem Mantel und mit Schuhen von vergoldetem Leder; das Haar trägt er kurz, Kinn und 
Wangen glatt, sonst nur einen Schnurrbart. Die verschiedenen Kronen, mit welchen er Sieh 
abgebildet findet, bestanden aus einem Stirnreife mit Ornamenten in Kleeblattform auf hohen Stielen 
(21. es) oder mit Palmetten nebst hochgeschwungenen Ranken, welche sich oben zusarnmenschlossen 
(21. 57), und mit zwei über die Ohren herabsteigenden Ranken; auch waren damals noch viereckige 
Kronen üblich (21. o9)- 
Ueberaus dürftig ist das Material, welches uns über die Bewaffnung während der
        

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