Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904423
Sidonius Apollinaris berichtet: „An ihren grossen starken Gliedern liegt die Bekleidung fest an 
und sichtbar ist durch die verengte Bedeckung das Knie (oder frei ist von der knappen Bedeckung 
das Knie); um den Leib tragen sie einen Gurt." Dagegen meldet Agathias, welcher etwas später 
schrieb: „Brust und Rücken sind nackt bis zur Hüfte; von da an tragen sie weite Hosen von 
Linnen oder Leder." Die Hosen dürften an den Knöcheln und unter den Knieen unterbunden worden 
sein, die Röcke, vielleicht ärmellos, schlossen sich dicht um den Körper an; Umhänge mögen eben- 
falls üblich gewesen sein; später indess nahmen die Franken von den Galloromanen den Kapuzen- 
mantel an (siehe darüber „dic Franzosen"); das Haar liessen sie in die Stirne hängen, rasierten es aber 
im Nacken hinweg. Ueber die weibliche Tracht wird nur berichtet, dass es einen "Mafors" ge- 
nannten Umhang gegeben, welcher den Körper vollständig verhüllte; doch scheint dieses Gewand 
gallo-romanisehen Ursprunges. Die merowingischen Könige vereinigten in ihrer Person den doppelten 
Charakter als heimische Könige und Delegierte der kaiserlichen Familie. Demgemäss war auch 
der Herrscherornat. Chlodwig nahm die purpurne Tunika und den Mantel der römischen Konsuln 
an; der Mantel war die Trabea und die mit Gold gestickte Toga palmata. (Siehe B. 1. Fig. 52. 2 
und Taf. 65.10). Die Nachfolger Chlodwigs, welche sich von aller römischen Abhängigkeit befreit 
hatten, nahmen samt ihren Frauen die kaiserliche Tracht der Byzantiner an (B. 1. Taf. (S5. 4. s. 18. 
66. 4. ß ff). Das Haar trugen die merowingischen Könige in wallender Fülle, einen Teil davon an 
den Schläfen in Zöpfe verHochten; ihr Scepter war eine Lanze. Auch die übrigen Würdenträger 
des fränkischen Hofes gewöhnten sich bald an die neuen Bräuche, Titel und Gewänder (B. 1. Taf. 
65.1. 66.15). Die Bewaffnung der Franken in jener Zeit ist besser bekannt als ihre Tracht. 
Die Anführer trugen Helme und Kürasse; der gemeine Krieger, dessen Kopf im Nacken geschoren 
war, verflocht den Rest seines rotfarbigen Haares, legte die Flechte auf dem Scheitel über- 
einander und umschloss dieselbe mit einer Lederbinde; dies war sein einziger Kopfschutz. Zur Ver- 
teidigung hatte er, wie die Germanen überhaupt, nur einen Schild, der klein, rund, gewölbt, aus 
Holz und Fell angefertigt war. Zum Angriff führte er ein sehr langes, dünnes, gespitztes Schwert 
mit doppelter Schneide, ein Dolchmesser mit einschneidiger Klinge (21. au), den Skramasax, das in 
einem ledernen, mit Bronzespangen verzierten Gürtel stack; ferner das Angon, einen Wurfspiess mit 
widerhakiger Klinge auf langem eisernem Schaftc (21. 43) und die Franziska, ein einschneidiges 
Beil. Die Franziska war seine Hauptwaffe (21. m. m); Pfeil und Bogen gebrauchte er zumeist nur 
auf der Jagd. Zahlreich sind die Waffenfunde, welche wir auf den merowingischen Friedhöfen 
gemacht haben; darunter auch das Schwert und den Skramasax von Chlodwigß; Vater Childerich I. 
(21. 3a. a4  
lViit der Thronbesteigung der Karolinger erfuhr die fränkische Tracht eine merkliche 
Veränderung; der masslose Aufwand wurde beschränkt und die alte fränkische Tracht mit ihrer 
Enge und Kürze kam wieder für einige Zeit zur Geltung. Die Männer trugen eine doppelte Tunika; 
die eine war ein Hemd von Linnen, welches auf die lelaut zu liegen kam und dessen früher nicht in 
den Schriften gedacht wird; die andere Tunika war von Wolle und bei reichen Leuten mit Seiden- 
borten besetzt. Dazu kamen noch Hosen, welche in den späteren Miniaturen blau oder hochrot gefärbt 
erscheinen, und Strümpfe sowie Schuhe, deren lange Riemen über die Strümpfe gewickelt wurden. 
Der Mantel war viereckig, grau oder blau und fast bis auf die Füsse reichend; er lag auf der linken 
Schulter und wurde auf der rechten verhaftelt. Einer Kopfbedeckung wird nicht erwähnt. Für 
den Winter war ein langer Spenzer von Pelz üblich, der in der fränkischen Sprache "Rock" genannt 
wurde. Das Haar beliebte man kurz geschnitten und nicht mehr im Nacken wegrasiert; so trugen 
es auch die Fürsten seit dem Sturze der Merowinger. In der rechten Hand führten die vornehmen 
Franken einen Stab mit gleichmässigen Knoten und einem Handgriffe von Gold oder Silber; auch 
vertauschten sie gerne ihren weiten friesischen Mantel mit dem kleinen gewürfelten der Gallier. 
Einige Veränderungen erfuhr die männliche Tracht unter den Nachfolgern KarPs des Grossen; sie 
bestand damals, das Hemd vorausgesetzt, aus sehr engen, an den Knieen unterbundenen Bein-
        

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